
Planungssicherheit für die Schiene
Was Deutschland von Österreich und der Schweiz lernen kann
Dr. Vera Huwe, Niklas Illenseer
Die Schienenfinanzierung in Deutschland ist kurzfristig angelegt: Mittel werden jährlich politisch neu ausgehandelt oder in revidierbaren Verträgen vorstrukturiert. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) stellt temporär mehr Geld bereit, ändert an der geringen Planungssicherheit aber nichts.
Das kostet. Geringe Planbarkeit verteuert Investitionen systematisch: Projekte werden kostenintensiv geplant, bevor ihre Finanzierung gesichert ist; Bauunterbrechungen erzeugen Wiederanlaufkosten; die Bauindustrie investiert nicht in Maschinen und Fachkräfte, solange sie nicht langfristig kalkulieren kann.
Dieses Papier analysiert die Finanzierungsmodelle der Schweiz (Bahninfrastrukturfonds) und Österreichs (Annuitätenfinanzierung) und destilliert zwei zentrale Elemente einer erfolgreichen Schienenfinanzierung: eine institutionelle Verankerung der Finanzierungsverpflichtung außerhalb des Haushalts und ein konsistent abgestimmtes System von der Planung bis zur Zahlung.
Für Deutschland schlagen wir vor, beide Modelle schrittweise zu kombinieren: zunächst einen kleinen Eisenbahninfrastrukturfonds (EIF) parallel zum SVIK, der zu dessen dauerhafter Nachfolgestruktur heranwächst. Die Annuitätenfinanzierung sichert die Anschlussfinanzierung. Mit einem gut abgestimmten Finanzierungssystem kommt mehr Geld auf der Schiene an.
Warum haben wir dieses Papier geschrieben?
Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) stellt temporär mehr Geld bereit, löst aber das eigentliche Problem nicht: Die Schienenfinanzierung in Deutschland ist kurzfristig angelegt. Das verteuert Projekte systematisch: Planungskosten fallen an, bevor die Finanzierung steht, Bauunterbrechungen erzeugen Wiederanlaufkosten und die Bauindustrie investiert mangels Planungssicherheit nicht in Maschinen und Fachkräfte.
Wir haben deshalb einen Blick auf die Nachbarländer geworfen. Die Schweiz und Österreich sind für ihre pünktlichen Bahnen bekannt und beide haben verlässliche Finanzierungsstrukturen für die Schiene geschaffen. Wir wollten verstehen, wie sie das konkret umsetzen und was sich daraus für Deutschland lernen lässt.
Was haben wir gelernt?
Die Schweiz verankerte einen Bahninfrastrukturfonds direkt in der Verfassung. Österreich setzt auf Annuitätenfinanzierung: Investitionen werden durch Bundesdarlehen vorfinanziert, die Rückzahlung aus dem Haushalt bezuschusst. Beide Modelle lassen sich im deutschen Haushaltsrecht abbilden.
Wir schlagen vor, beide Ansätze zu kombinieren: zunächst ein kleinerer Eisenbahninfrastrukturfonds (EIF) parallel zum SVIK, der nach dessen Ende zur dauerhaften Nachfolgestruktur heranwächst. Die Annuitätenfinanzierung sichert die Anschlussfinanzierung haushaltsschonend. Als verbindendes Element sorgt der für 2026 angekündigte Infraplan dafür, dass das System von der Planung bis zur Auszahlung aus einem Guss funktioniert und mehr Geld tatsächlich auf der Schiene ankommt.
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