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16. April 2026
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Hanna Merki

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Fachtexte

Wer Reformen will, muss Kitas bauen

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Hanna Merki, Dr. Florian Schuster-Johnson, Saskia Gottschalk

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Die Bundesregierung plant Reformen, um Erwerbsanreize zu stärken und Menschen zu mehr Arbeit zu bewegen. In Rede stehen etwa Änderungen beim Ehegattensplitting, bei der beitragsfreien Mitversicherung und den Transferentzugsraten im Sozialleistungssystem. Wir zeigen in diesem Papier, dass ein einseitiger Fokus auf Erwerbsanreize nicht ausreicht. Einer der häufigsten Gründe für geringe Erwerbstätigkeit ist der Mangel an Betreuungsangeboten. Reformen können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn sie durch den Ausbau von Kitas und Ganztag flankiert werden. Beim Ehegattensplitting und der Mitversicherung ist ca. ein Drittel des zu gewinnenden Erwerbspotenzials nur erreichbar, wenn zeitgleich Betreuungskapazitäten geschaffen werden. Die Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen könnten durch ein kombiniertes Programm aus Arbeitsmarktreformen und Betreuungsausbau pro Jahr spürbar um ca. 16 Milliarden Euro entlastet werden.

Warum haben wir dieses Papier geschrieben?

Deutschland braucht mehr Arbeitskräfte. Der demografische Wandel lässt die Zahl der Erwerbstätigen schrumpfen, die Teilzeitquote – vor allem bei Frauen – ist überdurchschnittlich hoch. Die politische Debatte dreht sich derzeit vor allem um Erwerbsanreize: Wie lassen sich Steuer- und Sozialleistungssysteme so reformieren, dass sich Arbeit mehr lohnt? Das ist eine berechtigte Frage. Doch sie berührt nur einen Teil des Problems. Knapp ein Viertel aller Teilzeitbeschäftigten arbeitet wegen Betreuungsverpflichtungen nicht in Vollzeit – bei Frauen sind es fast 30 Prozent. Wir wollten wissen: Was bringen Arbeitsmarktreformen wirklich, wenn Kita- und Ganztagsplätze fehlen? Und wie viel mehr lässt sich erreichen, wenn Reformen und Betreuungsausbau Hand in Hand gehen?

Was haben wir gelernt?

Die Analyse zeigt: Nur mit ausreichender Betreuung können wir wirklich große Sprünge im Arbeitsmarkt machen. Reformen beim Ehegattensplitting und der beitragsfreien Mitversicherung setzen wichtige Impulse für mehr Gleichstellung und mehr Erwerbsbeteiligung von Frauen – aber über ein Drittel ihrer Wirkung verpufft, wenn gleichzeitig keine zusätzlichen Betreuungsplätze entstehen. Die Reform der Transferentzugsraten im Sozialleistungssystem entfaltet auch ohne Betreuungsausbau spürbare Effekte, weil sie vor allem Alleinstehende betrifft. Insgesamt gilt dennoch: Ein bedarfsdeckender Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen würde mehr zusätzliche Vollzeitäquivalente mobilisieren als alle drei Arbeitsmarktreformen zusammen – und sich fiskalisch bereits in der laufenden Legislaturperiode selbst finanzieren. Der Bund trägt Mitverantwortung: Er profitiert von der wirtschaftlichen Rendite der Betreuungsinvestitionen und sollte deshalb ihre dauerhafte Finanzierung sicherstellen – auch im Bundeshaushalt 2027.


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