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Levi Henze, Torben Fischer, Moritz Rüppel, Maike Wittmann
16. Jul 2025

Lebensqualitätsminimum: Was Menschen zum Leben brauchen

In den Debatten über Mindestlöhne und soziale Sicherung fehlen häufig verlässliche, gesellschaftlich verankerte Maßstäbe dafür, was Menschen für ein angemessenes Leben brauchen. Das Lebensqualitätsminimum (LQM) schließt diese Lücke mit einem neuartigen Erhebungsverfahren. In moderierten Fokusgruppen erarbeiten Bürger:innen gemeinsam, welches Einkommen notwendig ist, um einen Mindeststandard an Lebensqualität zu erreichen. Erste Ergebnisse zeigen: Die Einschätzungen orientieren sich eng an den realen Ausgaben der gesellschaftlichen Mitte, in den Bereichen Ernährung und Teilhabe werden teils höhere Bedarfe genannt. Nachhaltigkeit wird insbesondere bei Wohnen und Ernährung als zentraler Bestandteil eines angemessenen Lebens verstanden.
Der LQM-Ansatz bietet damit eine neue, bürgernahe Referenzgröße – etwa um den Armuts- und Reichtumsbericht weiterzuentwickeln, als Datengrundlage für die Mindestlohnkommission oder als Input für Bürger:innenräte in sozial- und lohnpolitischen Fragen. Wir schätzen angelehnt an den britischen Minimum Income Standard, dass für Deutschland ein Stundenlohn von 16,60 Euro ein Ausgangspunkt für einen Lohn ist, der ein Mindeststandard an Lebensqualität sichert. Diese 16,60 Euro Stundenlohn wären in Deutschland bei typischer Erwerbsarbeitszeit nötig, um das Lebensqualitätsminimum zu erreichen.

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250701_technical-report-2_lqm.pdf
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Warum haben wir dieses Papier geschrieben?

In der politischen Debatte wird oft gefragt, wie viel Menschen „zum Leben brauchen“. Doch wie können wir überhaupt einen angemessenen Lebensstandard allgemeingültig definieren, noch dazu in Zeiten von Inflation und Transformation?

Gesellschaftlich ist das eine zentrale Frage, für die es in Deutschland aber keine belastbare Erhebung und Methodik gibt. Ziel dieses Projekts war es, eine partizipative Methode zur Erhebung eines solchen Referenzpunktes zu etablieren.

Gemeinsam mit dem Zentrum für neue Sozialpolitik haben wir dafür das Lebensqualitätsminimumentwickelt. Das Ergebnis ist eine neuartige und eigens entwickelte Methode, die statistische Verfahren und ein partizipatives Format kombiniert. Eine Piloterhebung unterzog dieses methodische Fundament einem ersten Praxistest und zeigt dabei, wie vielversprechend der Ansatz ist.

Was haben wir gelernt?

Komplexe normative Fragen, die so zentral für den Alltag der Menschen sind, sollten nicht von oben herab oder nach Bauchgefühl beantwortet werden. Unser Projekt skizziert einen Weg, Verteilungsfragen wie die eines angemessenen Lohns nicht pauschal, sondern normativ fundiert zu beantworten.

Unser Policy Brief fasst dazu erste quantitative Ergebnisse zusammen: Es zeigt sich, dass der Status Quo vielfach das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen verletzt. Besonders den Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe und einem nachhaltigen Leben ist für die gesellschaftliche Mitte nicht vollständig einlösbar.

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