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22. Januar 2026
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Mediha Inan

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Geldbrief

Was taugt der Deutschlandfonds?

Lesedauer: 6 min
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Mediha Inan, Janek Steitz

Wir nehmen den Deutschlandfonds unter die Lupe. Im ersten Teil dieser Serie gucken wir insbesondere auf die Energieversorgungsunternehmen (EVU). Der Fonds bietet hier drei Instrumente, um den hohen Bedarf der EVU an Fremdkapital zu stillen. Damit ließe sich die Finanzierung bis Ende 2028 sicherstellen – ein Schritt in die richtige Richtung. Die Frage, wie EVU mit ausreichend Eigenkapital versorgt werden können, bleibt unbeantwortet.

Dachfonds mit diversem Instrumentenmix

Im Koalitionsvertrag kündigten Union und SPD einen sogenannten Deutschlandfonds an, um private Investitionen zu hebeln. Der Fonds wurde am 18. Dezember 2025 von der Regierung vorgestellt.

Über den Deutschlandfonds will der Bund Investitionen in Höhe von 130 Milliarden Euro auslösen. Dafür stellt er 30 Milliarden Euro an Bundesgarantien bereit, ergänzt um Haushaltsmittel und KfW-Eigenmittel in nicht genannter Höhe. Koordiniert von der KfW soll der Deutschlandfonds so den Wirtschaftsstandort stärken.

Dabei handelt es sich nicht um einen Investmentfonds, an dem sich private Anleger:innen beteiligen können. Der Deutschlandfonds ist vielmehr die kommunikative Klammer für ein Bündel spezifischer Finanzierungsinstrumente für drei Zielgruppen:

  1. Industrie und Mittelstand
  2. Energieversorgungsunternehmen
  3. Start-ups und Scale-ups

Die Instrumente reichen von Verbriefungen über Förderkredite bis hin zu Beteiligungen an anderen Fonds und werden nachfragebasiert umgesetzt (Abbildung 1). Seit Dezember 2025 laufen das „Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien“, das „Förderprogramm Geothermie“ sowie ein „neues Finanzierungsinstrument für Start-ups und Scale-ups“. Eine vollständige Mittelaufteilung ist bislang nicht bekannt.

Abbildung 1

 

Was ist drin für die Energieinfrastrukturen?

In diesem Geldbrief konzentrieren wir uns auf die Energieversorgungsunternehmen (EVU) und den Netzausbau. Hierfür hat der Deutschlandfonds drei Instrumente parat – und eine Ankündigung:

Das erste Instrument, der „Förderkredit Geothermie“, finanziert Bohrprojekte, um Wärme aus Geothermie zu erschließen. In diesem Rahmen werden Vorhaben zu 100 Prozent gegen das Risiko, nichts zu finden, abgesichert. Der Förderkredit ist also nur bei erfolgreichem Fund zurückzuzahlen. Die Absicherung des Kreditvolumens übernehmen die Munich Re (30 bis 70 Prozent) und der Bund (den verbleibenden Anteil). Hierfür stellt der Bund 50 Millionen Euro bereit, die einen Garantierahmen von 600 Millionen Euro ermöglichen. Die Hebelwirkung ist entsprechend hoch, weil viele Projekte ohne eine solche Risikoabsicherung gar nicht realisiert würden.

Beim zweiten Instrument, dem Förderkredit „Erneuerbare Energien (EE) Plus“, handelt es sich um einen zinsvergünstigten KfW-Eigenkredit zur Finanzierung von Erzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien und Speichern. Zinsvergünstigt bedeutet, dass der Bund die Finanzierungskosten für Unternehmen durch Zuschüsse an die KfW senkt. Zudem sind Bundesgarantien für die durchleitenden Hausbanken vorgesehen, sodass die Bereitschaft zur Vergabe von Krediten steigen soll. Eine Hebelwirkung ist ebenfalls zu erwarten, wobei diese vom noch unklaren Umfang der Risikoabsicherung abhängt.

Das dritte Instrument, der „Investitionskredit/Konsortialkredit“, umfasst einen über Hausbanken vermittelten KfW-Kredit (Investitionskredit) oder eine gemeinsame Finanzierung durch KfW und andere Banken jenseits des KfW-Hausbankenpools (Konsortialkredit). Für Letzteres sollen Kreditrisiken teilnehmender Banken teilweise übernommen werden, um so die Kreditvergabe zu erhöhen. Bislang liegen jedoch keine verbindlichen Angaben zum Umfang des KfW-Anteils und den Absicherungsmodalitäten vor. Je nach Ausgestaltung könnte die Hebelwirkung sehr hoch sein, da über die Konsortialstruktur zusätzliche Finanzierungen für lokale Energieinvestitionen erschlossen werden könnten.

Zudem hat die Regierung im Rahmen der Deutschlandfonds-Vorstellung angekündigt, im Dialog mit den Ländern zeitnah geeignete Instrumente für fehlendes Eigenkapital der EVU zu entwickeln. Bereits bestehende Länder-Modelle sollen als „Deutschland-Standard“ auf weitere Bundesländer übertragen werden – etwa Nachrangkapital, das die Länder den EVU als Darlehen bereitstellen, aber bilanziell als Eigenkapital behandelt wird. Ergänzend prüft der Bund zusätzliche Maßnahmen zur Deckung des hohen Eigenkapitalbedarfs der EVU.

Bis Ende 2028 ließe sich der Fremdkapitalbedarf der EVU decken

Insgesamt haben diese Instrumente das Potenzial, die Finanzierungsengpässe der EVU zu verringern. In unserer im Dezember veröffentlichten Studie schätzen wir den externen Finanzierungsbedarf für die Verteilnetze auf rund 125 Milliarden Euro, davon etwa 90 Milliarden Euro Fremd- und 35 Milliarden Euro Eigenkapital (Abbildung 2).  

Abbildung 2

Obwohl nicht ganz klar ist, wie sich die Bundesgarantien in Höhe von 30 Milliarden Euro auf die Programme verteilen, ist eine Annäherung möglich. Nach Angaben der KfW sind für Industrie und Mittelstand 8 Milliarden Euro vorgesehen; es bleiben 22 Milliarden Euro für EVU sowie Start-ups und Scale-ups, wobei wir wissen, dass die Geothermie-Förderung ein Budget von 600 Millionen Euro hat.

Entfielen 11 Milliarden Euro der verbleibenden Garantien auf EVU und davon je die Hälfte auf den Förderkredit EE Plus und den Konsortialkredit, könnten schätzungsweise bis zu 26 Milliarden Euro an Fremdkapital für die Netzfinanzierung mobilisiert werden (Abbildung 3).

Abbildung 3

Wir nehmen an, dass im Rahmen der Konsortialkredite ein Euro an Bundesgarantien zwei Euro an Krediten durch Nicht-Hausbanken ermöglicht (Absicherung von 50 Prozent) und die KfW dieses Kreditvolumen ebenfalls in gleicher Höhe bereitstellt. So werden aus 5,2 Milliarden Euro an Garantien und 10,4 Milliarden Euro KfW-Eigenmitteln 20,8 Milliarden Euro Gesamtkreditvolumen.

Im Falle des Förderkredits EE Plus unterstellen wir, dass ein Garantierahmen von 5,2 Milliarden Euro durch Eigenmittel der KfW in gleicher Höhe ergänzt würde. Damit ergäbe sich ein Gesamtkreditvolumen von 10,4 Milliarden Euro, von dem wir aufgrund der nicht trennscharfen Abgrenzung zwischen Netz und Erzeugung im Wärmesektor rund die Hälfte der Wärme zuordnen.

Zuletzt ließe sich über das Instrument für Geothermie mit 600 Millionen Euro Bundesgarantien (30 Prozent) und einer zusätzlichen Absicherung durch Munich Re (70 Prozent) ein Kreditvolumen von bis zu 2 Milliarden Euro mobilisieren.

Unter diesen Annahmen ließe sich der zusätzliche Fremdkapitalbedarf bis Ende 2028 decken – vorausgesetzt, dass EVU mit guter Bonität rund die Hälfte des Fremdkapitalbedarfs bis 2030 eigenständig aufnehmen und die Hebelwirkung der Instrumente gelingt. Insgesamt ist dies ein Schritt in die richtige Richtung; ab 2029 entstünde allerdings wieder eine Fremdkapitallücke, die sich bis 2030 auf rund 20 Milliarden Euro beläuft.

Eigenkapitalinstrument muss kommen

Entscheidend für die weitere Fremdkapitalaufnahme und damit die Hebelwirkung der genannten Instrumente ist weiterhin, ob die EVU ausreichend Eigenkapital haben. Für viele EVU ist dies nicht der Fall, wie unsere Studie zeigt. Die angekündigte Eigenkapitalstärkung über die Länder und gegebenenfalls den Bund ist daher nötig, damit die Energiewende gelingen kann.

Unsere Leseempfehlungen: 

  • Unsere Studie zu Investitionen in die Daseinsvorsorge.
  • Dieser Policy Brief zeigt, wie Europa bei seiner Gaspolitik strategische Risiken und Abhängigkeiten übersieht.
  • Eine Übersicht über alle Instrumente und Zielgruppen des Deutschlandfonds gibt es im Faktenblatt: Deutschlandfonds.

Medienbericht 22.01.2026

Medienerwähnungen und Auftritte

  • Rückblick
    • Am 12.01.2026 wurde Dr. Maximilian Paleschke in der taz zur Zukunft der deutschen Autoindustrie zitiert.
    • Am 22.01.2026 kürte das Momentum Institut Dr. Maximilian Paleschkes Hintergrundpapier „Comeback Deutschland?“ zum Paper der Woche.

 

Der Geldbrief ist unser Newsletter zu aktuellen Fragen der Wirtschafts-, Fiskal- und Geldpolitik. Über Feedback und Anregungen freuen wir uns. Zusendung an mediha.inan[at]dezernatzukunft.org


 

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