
Hawkish Winds: Wie Zinsen die Energiewende treffen
Welche Folgen haben Leitzinserhöhungen der EZB auf Energieinvestitionen in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir auf verschiedene geldpolitische Szenarien und analysieren deren Auswirkungen auf die Finanzierungskosten für erneuerbare Energien und Stromnetze. Im Gegensatz zu vielen Vorgängerstudien berücksichtigen wir dabei auch die Förder- und Regulierungssysteme Deutschlands. Unsere Analyse zeigt, dass restriktive Geldpolitik den Ausbau erneuerbarer Energien verteuert. Unter dem Förderregime des Erneuerbare-Energien-Gesetzes können diese Kosten aber zulasten des Bundeshaushalts kompensiert werden – so steigen potenziell die Förderkosten um bis zu 2,1 Milliarden Euro pro Kohorte über die gesamte Laufzeit. Auch beim Stromnetz können höhere Leitzinsen durch die Netzregulierung abgefedert werden. Allerdings tragen hier die Endkund:innen die Mehrkosten. Sprich: Die Strompreise steigen. Friktionen in den Fördersystemen und in der Regulation können zusätzlich dazu führen, dass Investitionen ausbleiben. Um sowohl fiskalische Sicherheit als auch stabile Verbraucherpreise zu gewährleisten, regen wir eine engere Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik an.
Warum haben wir dieses Papier geschrieben?
Die Welt braucht Dekarbonisierung. Die EZB will Preisstabilität und bestimmt dabei auch die Zinssätze, die für die Finanzierung der Dekarbonisierung relevant sind. Deshalb ist die Frage, wie sich Geldpolitik auf klimafreundliche Investitionen auswirkt, von entscheidender Bedeutung. Bisherige Untersuchungen zu dem Thema ignorieren aber ein wichtiges Detail: In der Praxis entscheiden nicht nur die aktuellen Zinsen, sondern auch staatliche Förderungen und Regulierungen über Investitionen. Wir wollen diese Forschungslücke schließen und fragen: Wie beeinflussen Zinserhöhungen die tatsächlichen Investitionskosten für erneuerbare Energien und den Ausbau der Stromnetze in Deutschland? Außerdem beleuchten wir die fiskalischen Folgen und überlegen, wie eine grüne Geldpolitik aussehen könnte.
Was haben wir gelernt?
Das EEG und die Netzregulierung sind bereits darauf ausgelegt, erhöhte Zinskosten zu kompensieren. Nur funktioniert dies unterschiedlich gut. Das hat man auch gesehen, als 2022 die Zinsen rasant anstiegen und Investitionen ausblieben. Grundsätzlich gilt: Flexiblere Förderungen und Regulierungen können die benötigten Dekarbonisierungsprojekte besser gegen Zinserhöhungen absichern. Gleichzeitig führen sie zu fiskalischen Engpässen und schwankenden Verbraucherpreisen. Smarter wäre es, Geld- und Fiskalpolitik zusammenzudenken. So könnte ein gezieltes Finanzierungsinstrument der EZB auch in Hochzinsphasen Energieinvestitionen absichern.
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