{"id":9054,"date":"2018-08-03T19:04:12","date_gmt":"2018-08-03T17:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=9054"},"modified":"2024-12-19T17:04:11","modified_gmt":"2024-12-19T16:04:11","slug":"zankapfel-europaische-einlagensicherung-teil-2-das-anreizargument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/zankapfel-europaische-einlagensicherung-teil-2-das-anreizargument\/","title":{"rendered":"Zankapfel Europ\u00e4ische Einlagensicherung Teil 2 \u2013 Das Anreizargument"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:12px\"><strong><a href=\"mailto:info@dezernatzukunft.org\" data-type=\"mailto\" data-id=\"mailto:info@dezernatzukunft.org\">DEZERNAT ZUKUNFT<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<p>Wie im <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/zankapfel-europaeische-einlagensicherung\/\">letzten Artikel<\/a> kurz dargestellt werden gegen EDIS verschiedene Argumenten ins Feld gef\u00fchrt. Einerseits werden ordnungspolitische Argumente vorgebracht: Diese drehen sich im Kern darum, dass man mit einer europ\u00e4ischen Einlagensicherung nicht Probleme, die sich unter nationaler Verantwortung aufgebaut haben, versichern sollte. Die Einf\u00fchrung einer Einlagensicherung soll demgem\u00e4\u00df erst dann erfolgen sollte, wenn die Risikoniveaus der verschiedenen Bankensektoren auf einem \u00e4hnlichen Niveau liegen. Andererseits wird die Gefahr genannt, dass EDIS sch\u00e4dliche Anreize schaffen k\u00f6nnte, die zu zuk\u00fcnftigen Problemen f\u00fchren k\u00f6nnen. Dieses Argument behandeln wir hier, im zweiten Teil unserer Serie.<\/p>\n<p><strong>Anreize f\u00fcr wen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Frage, die im Rahmen der zweiten Kritik selten beantwortet wird, aber f\u00fcr diese Kritik entscheidend ist, ist: f\u00fcr wen entsteht ein solcher Anreiz? <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wohin-fuehren-angela-merkel-und-emmanuel-macron-die-eu-15550746.html\">Holger Stelzner<\/a> von der FAZ schreibt: \u201e<em>Die europ\u00e4ische Einlagensicherung soll vor allem italienischen Banken beim Abtragen des Bergs fauler Kredite helfen, \u00fcber den Rom bislang seine Hand h\u00e4lt<\/em>.\u201c \u00c4hnlich auch <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240713025528\/https:\/\/www.flossbachvonstorch-researchinstitute.com\/fileadmin\/user_upload\/RI\/Studien\/files\/studie-180209-europaeische-einlagensicherung.pdf\">Norbert Tofall<\/a> vom Flossbach von Storch Institut: \u201e<em>Durch eine Zwangsvereinigung der nationalen Einlagensicherungssysteme sinken sowohl die Anreize, den Anteil der eigenen notleidenden Kredite zu verringern, als auch die Anreize durch solidere Gesch\u00e4ftsmodelle den Anteil der notleidenden Kredite von vornherein m\u00f6glichst gering zu halten<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Diese Aussagen suggerieren, dass von einer europ\u00e4ischen Einlagensicherung Banken profitieren, wenn sie schlecht gewirtschaftet haben bzw. Banken einen Anreiz haben, schlecht zu wirtschaften. Dem liegt ein Missverst\u00e4ndnis zugrunde: Die Einlagensicherung versichert <em>Kunden<\/em>, nicht Banken. Und zwar f\u00fcr den Fall, dass ihre Bank in die Insolvenz oder Abwicklung <strong>gegangen ist<\/strong>, sie also nicht mehr weiterexistiert. Dem Argument gem\u00e4\u00df m\u00fcsste eine Bank also dadurch, dass sie im Tode versichert ist, im Leben einen Anreiz zum Sterben haben. Dieser Anreiz spricht tendenziell nur Masochisten an.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Eine alternative Interpretation sieht die Fehlanreize beim Staat, der ein Interesse daran haben k\u00f6nnte, die volkswirtschaftlichen Kosten von Bankenpleiten europ\u00e4isch zu sozialisieren. Das gelte insbesondere, da Banken oft die Schulden des eigenen Staates halten. So habe der Staat, wissend dass es im Falle einer Staatspleite \u00fcber EDIS zu einer teilweisen Sozialisierung der Kosten kommt, einen Anreiz weniger verantwortliche Fiskalpolitik zu betreiben. Gleiches gelte f\u00fcr andere Problembereiche: so habe der Staat geringere Anreize sich um den Abbau von notleidenden Krediten auf den Bankbilanzen zu k\u00fcmmern, da es im Falle eines weitreichenden Ausfalls ein Auffangnetz \u00fcber EDIS gibt, dass durch alle europ\u00e4ischen Banken finanziert wird.<\/p>\n<p>Hier wird es interessanter, denn schlie\u00dflich ist die Zerschlagung der Verkettung zwischen der Solvenz von Staaten und Banken\u2014der sogenannte <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2012-06-26\/a-way-to-break-out-of-europes-doom-loop\">Doom Loop<\/a>\u2014erkl\u00e4rtes Ziel der Einf\u00fchrung von EDIS. Ein solcher Anreiz besteht also prinzipiell: Staaten <em>sollen <\/em>durch EDIS davor gesch\u00fctzt werden, dass eine Bankenpleite sie mit in den Abgrund zieht.<\/p>\n<p>Der Fehlanreiz, der dadurch potentiell entstehen kann, ist jedoch durch das angestrebten Design von EDIS beschr\u00e4nkt. Gleichzeitig gilt es das Ausma\u00df dieses Anreizes im Blick zu halten, denn obwohl ein solcher Anreiz existiert ist er in der Praxis geringer als oft suggeriert wird.<\/p>\n<p>Um diese Punkte genauer zu er\u00f6rtern, gilt es zuerst zu verstehen, was \u00fcberhaupt passieren muss, damit es zu einer Inanspruchnahme von Mitteln aus einer Europ\u00e4ischen Einlagensicherung kommt.<\/p>\n<p><strong>Was passiert, wenn eine Bank in Schieflage ger\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Dass die Existenz einer europ\u00e4ischen Einlagensicherung zu einer Sozialisierung von Verlusten f\u00fchren kann, ist klar. Darum geht es bei Versicherung. Gleichzeitig ist klar, dass eine solche Sozialisierung weder Bank noch Staat <em>vollst\u00e4ndig<\/em> vor Schaden sch\u00fctzt. Denn bevor die M\u00f6glichkeit eines R\u00fcckgriffs auf EDIS zustande kommen kann, muss die Bank nicht nur Pleite gegangen sein, sondern es m\u00fcssen alle anderen Verbindlichkeiten der Bank vollst\u00e4ndig zur Haftung herangezogen worden sein: Einlagen bis 100.000 Euro, die \u00fcber Einlagensicherungen versichert sind \u2013 sogenannte gedeckte Einlagen \u2013 sind gegen\u00fcber allen anderen Verbindlichkeiten \u201esuper-senior\u201c. Das hei\u00dft sie werden als allerletztes, erst nachdem alle anderen Verbindlichkeiten komplett abgeschrieben wurden, zur Verlustdeckung herangezogen.<\/p>\n<p>Dies kann an einem Beispiel verdeutlicht werden: Man nehme an, eine Bank gehe in die Insolvenz, wird also von heute auf morgen zugesperrt; der Insolvenzverwalter \u00fcbernimmt. Alle Einleger k\u00f6nnen sich nun ihre Einlagen bis \u20ac 100.000 direkt \u00fcber EDIS auszahlen lassen; das Geld flie\u00dft aus dem Topf ab. Der Anspruch an die Insolvenzmasse geht dann vom Einleger auf EDIS \u00fcber, sprich EDIS hat einen \u201esuper-senior\u201c Anspruch, den sofort ausgezahlten Betrag sp\u00e4ter aus der Insolvenzmasse zur\u00fcck zu erhalten.<\/p>\n<p>Der Insolvenzverwalter verkauft nun alle Verm\u00f6genswerte der Bank und wartet die R\u00fcckzahlung der Kredite ab, die die Bank vergeben hatte.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die daraus generierten Mittel werden der Reihe nach an die Gl\u00e4ubiger ausgezahlt, wobei EDIS an allererster Stelle steht. Nachdem der Anspruch von EDIS vollbefriedigt ist, werden Einlagen \u00fcber 100.000 Euro ausgezahlt. In weiteren Kaskaden werden dann aus der Konkursmasse, so sie gro\u00df genug ist, in abfallender Seniorit\u00e4t die weiteren Anspr\u00fcche bedient, bis zuletzt zu den Eigenkapitalgebern. Oder andersherum formuliert: die Eigenkapitalgeber m\u00fcssen zun\u00e4chst Verluste tragen, dann Halter von Nachrangverbindlichkeiten etc. und ganz am Ende stehen die gedeckten Einlagen bzw. EDIS. Die Einlagensicherung realisiert also nur einen Verlust, falls alle Verm\u00f6genswerte zusammen nicht einmal zur Ausbezahlung von Einlagen bis 100.000 Euro ausreichen.<\/p>\n<p>Wenn man hier von einem Anreiz der Sozialisierung von Kosten \u00fcber EDIS spricht, muss also klar sein, dass eine solche Sozialisierung voraussetzt, dass alle anderen Kreditgeber der Bank bereits einen Vollverlust ihrer Anspr\u00fcche getragen haben m\u00fcssen. F\u00fcr einen Staat ist eine \u201eEntschuldung \u00fcber EDIS\u201c also keine kostenlose Strategie, da man zus\u00e4tzlich zur Inkaufnahme der Pleite des Instituts (inklusive der volkswirtschaftlichen Kosten und dem Verlust an Arbeitspl\u00e4tzen) in Kauf nehmen muss, dass bei vielen anderen Kreditgebern substanziell Verm\u00f6gen zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist aber letztlich: wie wahrscheinlich ist es nun, dass die anderen Verbindlichkeiten nicht ausreichen, um die realisierten Verluste zu decken. Leider kann das nicht einfach beantwortet werden, da die Daten daf\u00fcr nicht detailliert genug zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Daten aus einer <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/pdf\/scpops\/ecb.op208.en.pdf?2f0ffd51e022d16cf56f22126f3294f3\">EZB-Studie<\/a> erlaube eine erste Ann\u00e4herung. Die folgende Grafik zeigt den Bilanzanteil der gedeckten Einlagen in verschiedenen L\u00e4ndern. Interessanterweise m\u00fcssten mit einer einzigen Ausnahme \u2013 Deutschland \u2013 selbst bei den riskantesten Instituten mindestens 25% der gesamten Aktiva abgeschrieben werden, bevor EDIS \u00fcberhaupt Verluste tragen m\u00fcsste.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-637\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/EZB-Studie.png\" alt=\"\" width=\"883\" height=\"612\"><\/p>\n<p>Um wiederum eine grobe Daumenpeilung \u00fcber die H\u00f6he der Verluste zu geben: eine Studie der Kommission aus dem Jahr 2012 \u00fcber 23 gro\u00dfe Banken&nbsp;zeigt, dass in der Phase 2007-2010 die durchschnittlichen Verluste bei 2,5% der Gesamtaktiva lagen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Davon darf man nicht generalisieren, denn es handelt sich um Gro\u00dfbanken, von denen \u2013 auch dank staatlicher St\u00fctzungsma\u00dfnahmen \u2013 keine Bank tats\u00e4chlich in die Insolvenz geschickt wurde. Auch bringen Insolvenzverfahren selbst noch Kosten mit sich; au\u00dferdem gab es eine Bank mit 46% Verlust, bei der EDIS mit gro\u00dfer Sicherheit h\u00e4tte einspringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Man bekommt so allerdings eine erste Idee, von was f\u00fcr Katastrophenszenarien ausgegangen werden muss, damit EDIS tats\u00e4chlich Verluste realisiert. Wenn in der globalen Finanzkrise die stark betroffenen Gro\u00dfbanken Verluste in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 2,5% realisierten, im Durchschnitt EDIS aber erst bei Verlusten ab 25% einspringen muss, dann ist klar, dass sowohl bei normalen Bankenpleiten als auch bei gr\u00f6\u00dferen Finanzkrisen EDIS nur in isolierten Einzelf\u00e4llen Verluste realisieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-638\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/EZB-Studie-Tabelle.png\" alt=\"\" width=\"918\" height=\"191\"><\/p>\n<p><strong>Insolvenz vs. Abwicklung<\/strong><\/p>\n<p>Bislang haben wir nur den Fall der Insolvenz betrachtet. F\u00fcr gro\u00dfe Banken gilt aber, dass sie typischerweise nicht in die Insolvenz geschickt, sondern abgewickelt werden. Von einer Abwicklung spricht man, wenn die \u201ekritischen Funktionen\u201c aufrechterhalten werden, die Bank also nicht von heute auf morgen geschlossen wird. Diesen Weg geht man, wenn man aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe und Komplexit\u00e4t einer Bank davon ausgeht, dass eine Insolvenz des Instituts zu gro\u00dfe volkswirtschaftliche Konsequenzen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Abwicklung gibt es ein eigenes Regelwerk, dessen Details den Rahmen dieses Artikels sprengen (siehe <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/resource\/blob\/597960\/dd83e26b877c117f49541db06dda8aa1\/mL\/2014-06-europ-regeln-sanierung-ki-data.pdf\">hier<\/a>). Prinzipiell gilt f\u00fcr die Abwicklung jedoch ebenso der oben beschriebene Mechanismus. Zus\u00e4tzlich zu dieser Haftungskaskade gibt es in diesem Regelwerk weitere Ma\u00dfgaben, die im Kern a) strengere Anforderungen f\u00fcr die Ausstattung mit Verbindlichkeiten stellen, die im Falle einer Pleite zur Verlustdeckung herangezogen werden und b) verschiedene M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung der Bank, z.B. durch (Teil-)Verkauf, Teil-Bail-Ins oder Rekapitalisierung einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Das bedeutet: die Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme von EDIS ist im Falle einer Abwicklung nochmals deutlich geringer als im Fall der Insolvenz. Unter Ber\u00fccksichtigung der politischen und \u00f6konomischen Konsequenzen eines Ausfalls eines systemrelevanten Instituts ist nach unserer Ansicht fast ausgeschlossen, dass man bei einer Abwicklung den Bail-In so weit fortschreiten lassen w\u00fcrde, dass die gedeckten Einlagen angegriffen werden. Die drohende Pleite einer systemisch so wichtigen Bank wie der Deutschen Bank oder der UniCredit w\u00fcrde sehr wahrscheinlich in einen geordneten Verkauf und\/oder einer Rekapitalisierung m\u00fcnden, bei der man diesen hochsensiblen Bereich der Einlagen unangetastet lie\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine \u201eEntschuldung \u00fcber EDIS\u201c, wie sie gerne als das Interesse gewisser Staaten genannt wird, hat f\u00fcr die relevanten Staaten masochistische Z\u00fcge. Sie ist kein leicht gangbarer Weg. Denn eine solche \u201eEntschuldung\u201c setzt nicht nur die Inkaufnahme von Bankenpleiten und -abwicklungen, inklusive aller volkswirtschaftlichen Kosten, voraus. Es m\u00fcssen zudem\u2014wie die Grafik zeigt\u2014in allen L\u00e4ndern au\u00dfer Deutschland zun\u00e4chst deutliche Verluste bei den Banken\u2014mindestens 25% der Gesamtaktiva\u2014realisiert werden. Viele andere Kreditgeber der Banken, die sicherlich nicht ohne politischen Einfluss sind, m\u00fcssten zwingend an diesen Verlusten beteiligt werden. Das hei\u00dft nicht, dass solche Anreize nicht existieren k\u00f6nnen; doch ihr Ausma\u00df ist geringer als manchmal suggeriert, weil an Eigenschmerz gekoppelt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Hans Werner-Sinn hat hier noch einen weiteren Anreiz in einem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/gastbeitraege\/gastkommentar-europaeische-einlagensicherung-die-eu-will-einen-schwelbrand-mit-benzin-loeschen\/22648600.html?ticket=ST-564503-ZtuZrUEgBzXR7yt6VFea-ap6\">Gastbeitrag<\/a> f\u00fcr das Handelsblatt thematisiert. Sein Argument ist, dass die Einlagensicherung Banken dazu bef\u00e4higt \u201esich nach Belieben Spargelder in Europa zu besorgen, um damit weltweit Ramschprojekte zu finanzieren.\u201c In anderen Worten: die Versicherung sorgt daf\u00fcr, dass die Marktkr\u00e4fte ausgehebelt werden und Einleger nicht mehr disziplinierend agieren m\u00fcssen. Die L\u00f6sung f\u00fcr das Problem seien privat organisierte Einlagensicherungssysteme. An dieser Stelle lediglich zwei kurze Hinweise: erstens ist der beschriebene Mechanismus sicher valide, denn er gilt f\u00fcr jede Versicherung. Er muss daher gegen die Vorteile abgewogen werden. Zweitens, empirisch wackelig wird der Artikel jedoch, wenn er als L\u00f6sung beschreibt, dass Banken sich untereinander disziplinieren sollen, indem sie private Sicherungssysteme bilden, da diese bessere Einblicke als die Bankenaufsicht haben. Dies wirkt zum einen vor dem Hintergrund vergangener Krisen in Bezug auf die private Disziplinierung (Stichwort: Interbankenmarkt-Freeze) mindestens marktgl\u00e4ubig, vielleicht blau\u00e4ugig. Viel wichtiger allerdings: Sinn bringt als Paradebeispiel die deutschen Sicherungssysteme an. Doch lediglich eines der drei deutschen Sicherungssysteme, das der Genossenschaften, kam bis jetzt ohne staatliche Hilfen aus. Das Problem, das EDIS eind\u00e4mmen soll \u2013 die Verkettung von Banken und Staaten \u2013 konnte also zumindest in der Vergangenheit nicht durch seinen Vorschlag gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Da f\u00fcr viele Kredite ein Sekund\u00e4rmarkt besteht k\u00f6nnen diese auch, normalerweise gegen einen gewissen Abschlag, vom Insolvenzverwalter verkauft werden, um so nicht die unter Umst\u00e4nden langwierige R\u00fcckzahlung abwarten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Siehe <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170121110849\/http:\/\/ec.europa.eu\/internal_market\/bank\/docs\/crisis-management\/2012_eu_framework\/impact_assessment_final_en.pdf\">http:\/\/ec.europa.eu\/internal_market\/bank\/docs\/crisis-management\/2012_eu_framework\/impact_assessment_final_en.pdf<\/a>, insbesondere Seiten 144 und 180.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DEZERNAT ZUKUNFT Wie im letzten Artikel kurz dargestellt werden gegen EDIS verschiedene Argumenten ins Feld gef\u00fchrt. Einerseits werden ordnungspolitische Argumente vorgebracht: Diese drehen sich im Kern darum, dass man mit einer europ\u00e4ischen Einlagensicherung nicht Probleme, die sich unter nationaler Verantwortung aufgebaut haben, versichern sollte. Die Einf\u00fchrung einer Einlagensicherung soll demgem\u00e4\u00df erst dann erfolgen sollte, wenn die Risikoniveaus der verschiedenen Bankensektoren &#8230; <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/zankapfel-europaische-einlagensicherung-teil-2-das-anreizargument\/\" class=\"more-link\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":71153,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[192],"tags":[174,184,283,60],"class_list":["post-9054","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archive","tag-europe","tag-financial-markets","tag-finanzmaerkte","tag-monetary-policy"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zankapfel Europ\u00e4ische Einlagensicherung Teil 2 \u2013 Das Anreizargument - 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