{"id":9019,"date":"2018-12-20T15:53:06","date_gmt":"2018-12-20T14:53:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=9019"},"modified":"2024-12-19T11:30:27","modified_gmt":"2024-12-19T10:30:27","slug":"10-fragen-an-philipp-heimberger-oder-auf-den-spuren-der-nairu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/10-fragen-an-philipp-heimberger-oder-auf-den-spuren-der-nairu\/","title":{"rendered":"10 Fragen an Philipp Heimberger oder &#8220;Auf den Spuren der NAIRU&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:12px\"><strong><a href=\"mailto:info@dezernatzukunft.org\" data-type=\"mailto\" data-id=\"mailto:info@dezernatzukunft.org\">DEZERNAT ZUKUNFT<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Philipp Heimberger (<a href=\"https:\/\/wiiw.ac.at\/philipp-heimberger-s-1138.html\">Website<\/a>, Twitter: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/heimbergecon\">@heimbergecon<\/a>) ist \u00d6konom am Wiener Institut f\u00fcr Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und am Institut f\u00fcr die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE, Johannes Kepler Universit\u00e4t Linz).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>1. Was ist die Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment (NAIRU)? Wieso besch\u00e4ftigt Dich ein so technisches Thema?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Die NAIRU ist ein Kernkonzept der Makro\u00f6konomik. Sie beruht auf der Vorstellung einer fiktiven Arbeitslosenquote, bei der die Inflationsrate konstant bleibt, w\u00e4hrend die Wirtschaft weder \u00fcberhitzt noch unterausgelastet ist. Entscheidend ist, dass die NAIRU nicht beobachtet werden kann, sondern auf der Basis von \u00f6konomischen Modellen gesch\u00e4tzt werden muss. Diese Sch\u00e4tzungen sind ungenau\u2014sie wurden in der Vergangenheit nachtr\u00e4glich teils massiv revidiert\u2014haben aber gro\u00dfen Einfluss auf wirtschaftspolitische Entscheidungen in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund f\u00fcr diesen Einfluss ist, dass die NAIRU ma\u00dfgeblicher Bestandteil der <a href=\"https:\/\/makronom.de\/wie-ein-makrooekonomisches-modell-der-eu-kommission-die-spaltung-der-eurozone-befoerdert-22816\">Sch\u00e4tzmethode von \u201estrukturellen\u201c Budgetzahlen im europ\u00e4ischen Fiskalregelwerk ist<\/a>, das den Nationalstaaten Defizit- und Verschuldungsbeschr\u00e4nkungen auferlegt. Die Europ\u00e4ische Kommission verwendet Sch\u00e4tzungen der NAIRU als N\u00e4herungsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr \u201estrukturelle\u201c Arbeitslosigkeit, die von allen zyklischen und saisonalen Einfl\u00fcssen bereinigt ist. Je h\u00f6her die NAIRU\u2014und damit die \u201estrukturelle\u201c Arbeitslosenquote\u2014eingesch\u00e4tzt wird, desto schlechter ist die \u201estrukturelle\u201c Budgetsituation des betroffenen Mitgliedstaates in der Einsch\u00e4tzung der Kommission. Die \u201estrukturelle\u201c Budgetsituation ist dabei\u2014laut Theorie\u2014von den konjunkturellen Effekten auf Staatsausgaben und Steuereinnahmen befreit. H\u00f6here \u201estrukturelle\u201c Defizite bedeuten wiederum einen verst\u00e4rkten Druck auf die jeweilige Regierung, da diese \u00fcber staatliche Ausgabenk\u00fcrzungen und\/oder Steuererh\u00f6hungen das \u201estrukturelle\u201c Defizit reduzieren muss, bis es mit den mittelfristigen Zielgr\u00f6\u00dfen \u00fcbereinstimmt, <a href=\"https:\/\/wug.akwien.at\/WUG_Archiv\/2016_42_3\/2016_42_3_0451.pdf\">die im EU-Fiskalregelwerk festgeschrieben sind<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grunde hat also die Frage, wie hoch die (ungenaue, auf einem Modell basierende Sch\u00e4tzung der) NAIRU ausf\u00e4llt, erhebliche Auswirkungen auf die Budgetpolitik der betroffenen L\u00e4nder. Am Ende geht es um ganz konkrete Fragen der Finanzierung von Bildung, Gesundheit und sozialer Sicherung<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>2. Wie wird die NAIRU errechnet? Welchen \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4ngen sollen die Rechenschritte entsprechen?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission ermittelt die NAIRU mittels eines komplexen Modells. Die Grundidee ist jedoch simpel: Die beobachtete Arbeitslosenquote soll in eine konjunkturell und in eine \u201estrukturell\u201c bedingte Komponente zerlegt werden. Die Sch\u00e4tzungen werden mit jedem Mal, wenn neue Datenpunkte zu Arbeitslosigkeit und Inflation einflie\u00dfen, auf der Basis einer rekursiven Prozedur neu ermittelt. Dies erkl\u00e4rt auch, warum die NAIRU-Sch\u00e4tzungen <a href=\"https:\/\/www.momentum-quarterly.org\/index.php\/momentum\/article\/download\/83\/55\">mitunter gro\u00dfen Revisionen unterworfen sind<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem ist, dass das statistische Filtermodell eine systematische Verzerrung aufweist: Die aktuellsten Daten zu Arbeitslosenquote und Inflation haben \u00fcberproportionales Gewicht, was dazu f\u00fchrt, dass die NAIRU-Sch\u00e4tzungen in Boom-Zeiten dazu tendieren, nach unten korrigiert zu werden, w\u00e4hrend sie in Krisenzeiten <a href=\"https:\/\/makronom.de\/wie-ein-makrooekonomisches-modell-der-eu-kommission-die-spaltung-der-eurozone-befoerdert-22816\">nach oben revidiert werden.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>3. Du erw\u00e4hnst auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/heimbergecon\/status\/1071380938758729728\">Twitter<\/a>, dass die NAIRU zum Problem wird, wenn man sie einer \u201anat\u00fcrlichen\u2018 Arbeitslosigkeitsquote in der Tradition Friedmans gleichsetzt. Was ist eine \u201anat\u00fcrliche\u2018 Arbeitslosenquote und wieso siehst Du das so?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Mainstream-\u00d6konominnen betrachten die NAIRU in der Regel als <a href=\"https:\/\/scholar.harvard.edu\/files\/mankiw\/files\/jep.ballmankiw.pdf\">Synonym f\u00fcr die \u201enat\u00fcrliche Arbeitslosenquote\u201c<\/a>, die auf <a href=\"https:\/\/pubs.aeaweb.org\/doi\/pdfplus\/10.1257\/jep.32.1.97\">Milton Friedman zur\u00fcckgeht<\/a>. Friedman <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210417105110\/http:\/\/itech.fgcu.edu\/faculty\/bhobbs\/Milton%20Friedman%20The%20Role%20of%20Monetary%20Policy.pdf\">argumentierte<\/a>, die wahren Besch\u00e4ftigungskapazit\u00e4ten in einer Volkswirtschaft w\u00fcrden sich im langfristigen wirtschaftlichen \u201eGleichgewicht\u201c in Abwesenheit von vor\u00fcbergehenden Anpassungsfriktionen auf Arbeits- und G\u00fcterm\u00e4rkten zeigen. Die \u201enat\u00fcrliche Arbeitslosenquote\u201c ist integraler Bestandteil von makro\u00f6konomischen \u201eGleichgewichtstheorien\u201c, in denen das langfristige Gleichgewicht ausschlie\u00dflich durch angebotsseitige Faktoren bestimmt wird: Friedman argumentierte selbst, die \u201enat\u00fcrliche Arbeitslosenquote\u201c sei v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von konjunkturellen und saisonalen Einfl\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die NAIRU mit der \u201enat\u00fcrlichen Arbeitslosenquote\u201c gleichsetzt, ist sie also v\u00f6llig durch \u201estrukturelle\u201c, angebotsseitige Faktoren bestimmt; das Auf und Ab im Wirtschaftsverlauf und die damit im Zusammenhang stehenden \u00c4nderungen in der tats\u00e4chlichen Arbeitslosenquote k\u00f6nnen dann per theoretischer Annahme keine Determinanten der NAIRU sein. Das ist h\u00f6chst problematisch, weil es dann nur noch ein kurzer Weg zur wirtschaftspolitischen Interpretation ist, wonach die NAIRU-Sch\u00e4tzungen der Kommission allein durch \u201estrukturelle Arbeitsmarktrigidit\u00e4ten\u201c (zu strikte Arbeitsschutzbestimmungen, zu hohe Mindestl\u00f6hne, zu hoher gewerkschaftlicher Organisationgrad etc.) bestimmt seien. Die Politikempfehlungen zielen dementsprechend sehr oft in erster Linie auf eine <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/imk_vortrag_watt_2014_09_24.pdf\">Deregulierung des Arbeitsmarktes zur Senkung der NAIRU.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist problematisch: J\u00fcngere Forschung zeigt, dass die modellbasierten NAIRU-Sch\u00e4tzungen der Kommission ma\u00dfgeblich <a href=\"https:\/\/jakob-kapeller.org\/images\/pubs\/2017-Heimbergeretal-JPOLMOD.pdf\">durch zyklische Faktoren bestimmt sind<\/a>, w\u00e4hrend Arbeitsmarktinstitutionen (Arbeitsschutzbestimmungen, Mindestl\u00f6hne, gewerkschaftlicher Organisationsgrad usw.) oft nur einen geringen Erkl\u00e4rungsgehalt aufweisen. Die wirtschaftspolitische Forderung nach einer Deregulierung der Arbeitsm\u00e4rkte steht vor dem Hintergrund der NAIRU-Debatte also auf t\u00f6nernen empirischen F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem bleibt die NAIRU in der Theorie h\u00f6chst umstritten. Tats\u00e4chlich kann die NAIRU auf theoretischer Ebene auch deutlich anders interpretiert werden denn als Synonym f\u00fcr eine angeblich existierende \u201enat\u00fcrliche Arbeitslosenquote\u201c, zum Beispiel als <a href=\"http:\/\/epub.wu.ac.at\/1278\/1\/document.pdf\">mit marxistischer oder keynesianischer Theorie konsistent<\/a>. In einer keynesianischen Modellvariante entspricht die NAIRU jedoch nicht mehr der \u201estrukturellen Arbeitslosenquote\u201c, weil Nachfragever\u00e4nderungen und die daraus resultierenden Schwankungen in der tats\u00e4chlichen Arbeitslosigkeit <a href=\"http:\/\/www.euroframe.org\/files\/user_upload\/euroframe\/docs\/2018\/Conference\/Session%204\/EUROF18_Jump_Stockhammer.pdf\">ma\u00dfgeblich das Niveau der NAIRU<\/a> bestimmen. Dementsprechend sind auch die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen gegens\u00e4tzlich zur Interpretation einer \u201estrukturellen Arbeitslosenquote\u201c: Bei der keynesianischen Variante braucht es eine gezielte Steuerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage durch die Budgetpolitik, um die NAIRU in die gew\u00fcnschte Richtung zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><em><strong>4. Welche Rolle spielt die NAIRU in der Europ\u00e4ischen Union?<\/strong><br><\/em><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Basierend auf dem NAIRU-Modell produzieren technische Experten der Kommission Sch\u00e4tzungen, die aussagen sollen, wie hoch der \u201estrukturelle\u201c Anteil des Budgetdefizits in den Mitgliedsl\u00e4ndern ist. Das inzwischen auch in den Medien vielfach referenzierte \u201estrukturelle Defizit\u201c ist also jener Teil des Budgetdefizits, der die langfristige Schuldentragf\u00e4higkeit belastet, da er nicht auf konjunkturelle Schwankungen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Dieses \u201estrukturelle Defizit\u201c fungiert wiederum <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201226172632\/https:\/\/ec.europa.eu\/info\/sites\/info\/files\/economy-finance\/ip075_en.pdf\">im Europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt als zentraler Kontrollindikator zur Einsch\u00e4tzung von fiskalischen Anstrengungen der Mitgliedsl\u00e4nder<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung der NAIRU-Sch\u00e4tzungen f\u00fcr die Budgetpolitik ist folgende: Wenn die NAIRU von der Europ\u00e4ischen Kommission hoch eingesch\u00e4tzt wird, dann f\u00fchrt das dazu, dass ein geringerer Teil der tats\u00e4chlichen Arbeitslosigkeit als \u201ekonjunkturbedingt\u201c eingesch\u00e4tzt wird. Dann w\u00fcrden jedoch expansive budgetpolitische Ma\u00dfnahmen (z.B. defizitfinanzierte \u00f6ffentliche Investitionen) zu steigender Inflation f\u00fchren, sobald die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote unter die gesch\u00e4tzte NAIRU absinkt. Wenn die NAIRU falsch eingesch\u00e4tzt wird, kommt es somit auch zu <a href=\"https:\/\/makronom.de\/wie-ein-makrooekonomisches-modell-der-eu-kommission-die-spaltung-der-eurozone-befoerdert-22816\">Fehleinsch\u00e4tzungen bez\u00fcglich dem angemessenen budgetpolitischen Kurs<\/a>, der auf den Konjunkturverlauf abgestimmt sein sollte.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><p><strong><em>5. Deutschlands NAIRU ist mit dem Inkrafttreten der Hartz IV Reformen, die zum Ziel hatten, den Arbeitsmarkt effizienter zu gestalten, stark gesunken. Spricht das nicht f\u00fcr eine Interpretation der NAWRU als eine strukturelle Arbeitslosenquote?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/NAIRU-DE.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-979\" width=\"768\" height=\"372\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><p>Nein, denn die NAIRU-Sch\u00e4tzungen k\u00f6nnen nur sehr beschr\u00e4nkt durch \u201estrukturelle\u201c Ver\u00e4nderungen der Arbeitsmarktinstitutionen erkl\u00e4rt werden. Es ist richtig, dass in Deutschland die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote in den letzten Jahren erheblich gesunken ist. Doch hat dies viel mit Faktoren wie dem <a href=\"https:\/\/awblog.at\/oesterreich-und-deutschland-angebot-arbeitskraeften-praegt-arbeitslosenquote\/\">Schrumpfen der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter<\/a> sowie mit den Besonderheiten des <a href=\"https:\/\/www.ineteconomics.org\/uploads\/papers\/WP10-Storm-and-Nastepad.pdf\">exportgetriebenen<\/a> deutschen Wachstumsmodells zu tun. Der Beitrag der Hartz-IV-Reformen in Bezug auf die Ver\u00e4nderungen in der Arbeitslosenquote <a href=\"https:\/\/ftdwirtschaftswunder.files.wordpress.com\/2017\/06\/wirtschaftsdienst-bofinger-hartz-iv.pdf\">bleibt fraglich und umstritten<\/a>. Eine direkte Interpretation, wonach sinkende NAIRU-Sch\u00e4tzungen der Kommission f\u00fcr Deutschland auf \u201eerfolgreiche Arbeitsmarktreformen\u201c zur\u00fcckzuf\u00fchren seien, ist aus meiner Sicht unhaltbar.<\/p>\n<p><strong><em>6. Wie erkl\u00e4rst Du Dir eine wellenf\u00f6rmige NAIRU, wie die EU Kommission sie f\u00fcr Spanien, Portugal und Irland berechnet hat? Werden hier die Arbeitsmarktstrukturen zyklisch besser und dann wieder schlechter?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/NAIRU-IR-ES-PG.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-976\" width=\"768\" height=\"373\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Aufgrund der oben angesprochenen Probleme sind die NAIRU-Sch\u00e4tzungen prozyklisch: Sie tendieren dazu, in Boomzeiten zu fallen und in Krisenzeiten zu steigen. Das l\u00e4sst sich besonders anschaulich am Beispiel Spaniens zeigen. Die Grafik unten zeigt die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote in Spanien. Diese stieg von einem Tiefpunkt von 8,2% im Jahr 2007 durch die Krise auf 26,1% im Jahr 2013 an. Die blaue Linie ist die NAIRU, wie sie von der Kommission im Herbst 2007 eingesch\u00e4tzt wurde\u2014also direkt vor dem Beginn der Krise. Damals sch\u00e4tzte die Kommission, dass die NAIRU im Jahr 2007 exakt mit der tats\u00e4chlichen Arbeitslosenquote \u00fcbereinstimmt; damit impliziert die Echtzeitsch\u00e4tzung der Kommission, dass die spanische Wirtschaft weder \u00fcberhitzt noch unterausgelastet waren\u2014was angesichts des privatverschuldungsgetriebenen Booms im Spanien der Vorkrisenjahre als bemerkenswert bezeichnet werden muss.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/NAIRU-ES.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-977\" width=\"768\" height=\"470\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><em>Daten: Europ\u00e4ische Kommission.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Doch schauen wir jetzt auf die orange Linie, die die NAIRU-Sch\u00e4tzungen der Kommission im Fr\u00fchling 2015 wiedergibt, als der H\u00f6hepunkt der Krise bereits erreicht war: Die NAIRU wurde\u2014nachtr\u00e4glich\u2014drastisch nach oben revidiert. Ex-post war die Sch\u00e4tzung f\u00fcr das Jahr 2007 um 5 Prozentpunkte h\u00f6her als in Echtzeit, eine Revision um mehr als 60 Prozent. Und mit dem Anstieg der tats\u00e4chlichen Arbeitslosenquote schie\u00dft in den Krisenjahren auch die NAIRU-Sch\u00e4tzung nach oben: Im Jahr 2015 stand die Arbeitslosenquote bei 22,4%, gleichzeitig wurde die NAIRU auf 18,4% gesch\u00e4tzt. Derart massive, kurzfristige \u00c4nderungen in den NAIRU-Sch\u00e4tzungen k\u00f6nnen nicht mit \u201estrukturellen\u201c Verschiebungen an den Arbeitsm\u00e4rkten erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese NAIRU-Sch\u00e4tzungen als N\u00e4herungsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr \u201estrukturelle Arbeitslosenquote\u201c zu verwenden, wie es die Kommission im Rahmen des EU-Fiskalregelwerks seit vielen Jahren tut, ist also problematisch. In Zeiten einer Krise f\u00fchren sie zu einer Untersch\u00e4tzung der wirtschaftlichen Unterauslastung, erh\u00f6hen den Sparzwang (aufgrund von gestiegenen \u201estrukturellen\u201c Defiziten), und schr\u00e4nken damit den Handlungsspielraum f\u00fcr budgetpolitische Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Krise systematisch ein. Auch in Boom-Zeiten sind die Sch\u00e4tzungen <a href=\"https:\/\/jakob-kapeller.org\/images\/pubs\/2017-HeimKap-RIPE.pdf\">\u00fcbrigens prozyklisch<\/a>\u2014hier in die andere Richtung\u2014, sodass der Informationsgehalt f\u00fcr wirtschaftspolitische Entscheidungen in Echtzeit in Frage gestellt werden muss.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>7. In den USA liegt die Arbeitslosenquote seit M\u00e4rz unter der short term NAIRU von 4,5%, heute sogar um mehr als einen Prozentpunkt. Trotzdem befeuert Trump Wirtschaftsaktivit\u00e4t weiter durch das f\u00f6derale Defizit. Entspricht die bisherige Reaktion der Wirtschaft den \u00f6konomischen Erwartungen?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist umstritten, wo die NAIRU f\u00fcr die amerikanische Wirtschaft genau liegt. Tats\u00e4chlich haben einige \u00d6konominnen schon vor Jahren argumentiert, die Fed m\u00fcsse rascher wieder die Zinsen anheben, weil die tats\u00e4chliche Arbeitslosigkeit bereits unter die NAIRU zu rutschen drohe. Wenn der Fu\u00df nicht auf die Bremse k\u00e4me, werde es zu einer \u00dcberhitzung der amerikanischen Wirtschaft kommen, h\u00f6rte man schon <a href=\"https:\/\/economix.blogs.nytimes.com\/2009\/06\/24\/the-next-inflation-when-why-and-so-what\/\">damals<\/a> <a href=\"https:\/\/blogs.wsj.com\/economics\/2010\/11\/15\/open-letter-to-ben-bernanke\/\">immer<\/a> wieder. Tats\u00e4chlich ist die Arbeitslosenquote immer weiter gesunken, liegt mittlerweile unter 4%, ohne dass es \u00fcberw\u00e4ltigende Anzeichen einer realwirtschaftlichen \u00dcberhitzung geben w\u00fcrde. Insbesondere sind <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/05\/04\/opinion\/is-the-great-recession-still-holding-down-wages-wonkish.html\">die L\u00f6hne trotz fortgesetzter wirtschaftlicher Erholung in den USA nur schwach gestiegen<\/a>, und auch das Wachstum des allgemeinen Verbraucherpreisniveaus, auf das die Fed abzielt, liegt weiterhin bei etwa 2%\u2014von zu hoher Inflation kann also keine Rede sein. NAIRU-Sch\u00e4tzungen f\u00fcr die USA sind im Laufe der Erholung der amerikanischen Wirtschaft immer wieder nach unten revidiert worden. Das unterstreicht, genau wie der oben erw\u00e4hnte Fall Spaniens, die Unsicherheit um NAIRU-Sch\u00e4tzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trumps massive Steuersenkungen wirken prozyklisch, sind aber h\u00f6chst ineffektiv: Jene, die ohnehin hohe Einkommen und Verm\u00f6gen haben, profitieren weit \u00fcberproportional von den Steuersenkungen, geben jedoch nur einen geringen Anteil der durch die \u201eSteuerersparnis\u201c vorhandenen Zusatzeinkommen aus; die <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/pdf\/other\/ebbox201801_01.en.pdf\">positiven Multiplikatoren sind also gering<\/a>. Dazu kommt, dass das Budgetdefizit und die Staatsschulden durch die Einnahmenausf\u00e4lle des Staates in den n\u00e4chsten Jahren massiv ansteigen werden. Angesichts der polit\u00f6konomischen Erfahrungen der letzten Jahre muss davon ausgegangen werden, dass vor allem die republikanische Partei die gestiegenen Defizite und Staatsschulden in Zukunft n\u00fctzen k\u00f6nnte, um weitere K\u00fcrzungen im \u00f6ffentlichen Sozial- und Gesundheitssystem zu fordern bzw. durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>8. Die EZB wendet gro\u00dfen Aufwand auf, um durch Ma\u00dfnahmen wie QE die Inflation zur\u00fcck zu ihrem Zielwert von knapp 2% zu bringen. Gleichzeitig begrenzt man Ausgaben der Staaten mittels prozyklischer NAIRU-Sch\u00e4tzungen. Ist das nicht paradox?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Fiskalpolitik ist ein zentrales Instrument der wirtschaftlichen Stabilisierung und Steuerung. Dass die Fiskalpolitik in weiten Teilen der Eurozone \u00fcber mehrere Jahre einseitig auf den Abbau von Budgetdefiziten und Staatsschulden ausgerichtet war, liegt nicht zuletzt am diskutierten NAIRU-Modell der Kommission: Der Imperativ des Kommissionsmodells in Krisenzeiten lautet \u201emehr fiskalische Austerit\u00e4t\u201c; das ergibt sich aus den prozyklischen statistischen Sch\u00e4tzungen der NAIRU, <a href=\"https:\/\/makronom.de\/wie-ein-makrooekonomisches-modell-der-eu-kommission-die-spaltung-der-eurozone-befoerdert-22816\">die sich in einer \u00dcbersch\u00e4tzung der \u201estrukturellen\u201c Budgetdefizite niederschl\u00e4gt<\/a>. Die EZB startete Anfang 2015 das QE-Programm, weil es in der Eurozone erheblichen Deflationsdruck gab, sodass sie ihr Preisstabilit\u00e4tsziel aufgrund von zu geringen Inflationsraten klar nach unten verfehlte. Der Deflationsdruck war eine Folge der langwierigen Krise in weiten Teilen der Eurozone, die wiederum in direktem Zusammenhang mit einer <a href=\"https:\/\/makronom.de\/ein-schuss-ins-eigene-knie-17855\">krisenversch\u00e4rfenden Budgetpolitik steht<\/a>. Die Koordinierung von Geld- und Fiskalpolitik war in der Eurozone in den letzten Jahren <a href=\"https:\/\/awblog.at\/deflation-in-der-eurozone-lohn-und-fiskalpolitischer-kurswechsel-erforderlich-sonst-ist-quantitative-easing-der-ezb-wirkungslos\/\">alles andere als optimal<\/a>. Man kann die EZB f\u00fcr viele Ma\u00dfnahmen aus guten Gr\u00fcnden kritisieren, bspw. f\u00fcr ihre <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240516144547\/https:\/\/transparency.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/TI-EU_ECB_Report_DIGITAL.pdf\">Rolle in der Griechenlandkrise<\/a>, f\u00fcr problematische <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/ser\/advance-article\/doi\/10.1093\/ser\/mwy008\/4883362?guestAccessKey=6ad3027b-0ff4-46c9-ac6f-60b3fb73c3db\">Verstrickungen mit Interessen privater Finanzmarktakteure<\/a> und f\u00fcr <a href=\"https:\/\/wiiw.ac.at\/warum-die-volkswirtschaften-der-eurozone-den-usa-und-grossbritannien-seit-der-finanzkrise-hinterherhinken-zur-rolle-von-unterschieden-in-der-geld-und-fiskalpolitik-p-4078.html\">andere wirtschaftspolitische Fehler<\/a>. Weite Teile der geldpolitischen Debatte im deutschsprachigen Raum sind aus meiner Sicht jedoch in den letzten Jahren in eine einseitige Kritik am QE-Programm der EZB abgedriftet. Dass im deutschsprachigen Raum gerade die EZB f\u00fcr ihr QE-Programm und Mitgliedsstaaten wie Italien f\u00fcr ihre Budgetpolitik der letzten Jahre gebrandmarkt werden, verstellt den Blick auf die eigentlichen Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine riskante und ineffektive wirtschaftspolitische Strategie, die Steuerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage <a href=\"https:\/\/voxeu.org\/article\/new-view-fiscal-policy-and-its-application\">allein in die H\u00e4nde der Zentralbank zu legen<\/a>. Genau das war aber \u00fcber weite Strecken in der Eurozone in den letzten Jahren der Fall, bedingt durch die einseitige und kontraproduktive <a href=\"https:\/\/awblog.at\/iwf-austeritaetsfehler-eingestaendnis\/\">Ausrichtung der Fiskalpolitik auf Schuldenreduktion<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>9. Wenn wir es richtig verstehen, hat die <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201101125757\/https:\/\/ec.europa.eu\/info\/sites\/info\/files\/dp069_en.pdf\">EU Kommission Ihr Model der NAWRU (das NAIRU -\u00c4quivalent der Kommission) angepasst<\/a>. Wie sch\u00e4tzt Du diese Anpassung ein?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommission hat im Laufe der Jahre immer wieder \u00c4nderungen an ihrem NAIRU-Modell vorgenommen. So verlangte etwa <a href=\"https:\/\/www.jku.at\/fileadmin\/gruppen\/108\/ICAE_Working_Papers\/wp61.pdf\">die spanische Regierung im Jahr 2013 \u00c4nderungen in der Modellspezifikation<\/a>, nachdem laut den Modellsch\u00e4tzungen der Kommission die spanische NAIRU bei mehr als 20% lag\u2014was sich in hohe \u201estrukturelle Defizite\u201c und Budgetkonsolidierungsdruck \u00fcbertrug. Nachdem die spanische Regierung politischen Druck in Br\u00fcssel ausge\u00fcbt hatte, gab es einige technische Anpassungen, die zu etwas niedrigeren NAIRU-Schatzungen f\u00fcr Spanien f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit den Krisenjahren wurde die Kommission immer wieder mit Kritik an ihrem NAIRU\/NAWRU Modell konfrontiert. Vor diesem Hintergrund ist es begr\u00fc\u00dfenswert, dass sich die Experten der Kommission seit einiger Zeit mit den Sch\u00e4tzproblemen besch\u00e4ftigen. Aber blicken wir auf aktuelle Zahlen: Die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote in Spanien wird im Jahr 2018 laut der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201127164016\/https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/news\/commission-publishes-autumn-2018-economic-forecast-2018-nov-08_en\">j\u00fcngsten November-Wirtschaftsprognose der Europ\u00e4ischen Kommission<\/a> bei 15,6% liegen. Gleichzeitig sch\u00e4tzt die Kommission mit ihrem Modell, dass die NAIRU im Jahr 2018 bei 15,8% liegt\u2014h\u00f6her als die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote. Diesen Sch\u00e4tzungen fehlt es, aus meiner Sicht, an makro\u00f6konomischer Plausibilit\u00e4t. Sie implizieren, dass aktuell die Gefahr einer \u201e\u00dcberhitzung\u201c und steigender Inflation besteht, wenn \u00fcber expansive wirtschaftspolitische Ma\u00dfnahmen der spanische Wirtschaftskreislauf angeregt werden w\u00fcrde; das ist angesichts hoher unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Unterauslastung h\u00f6chst unplausibel.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder schauen wir auf Italien, das gerade <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/12\/05\/opinion\/eu-italy-debt-crisis.html\">in einem Budgetstreit mit der Kommission steht<\/a>. In Italien wird die Arbeitslosenquote im Jahr 2018 laut der Novemberprognose der Kommission 10,7% betragen. Gleichzeitig wird die NAIRU auf 9,8% gesch\u00e4tzt. Wenn man diese Zahlen f\u00e4lschlicherweise mit \u201estruktureller Arbeitslosigkeit\u201c gleichsetzt, lassen sich wiederum weitreichende Forderungen nach Arbeitsmarktliberalisierung ableiten, w\u00e4hrend kein Spielraum f\u00fcr stimulierende Ma\u00dfnahmen bleibt, die zum Abbau der Massenarbeitslosigkeit beitragen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mir diese aktuellen Zahlen f\u00fcr das Jahr 2018 anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass das Kommissionsmodell weiterhin \u00fcberarbeitungsbed\u00fcrftig ist. Da die zugrundeliegenden \u201etechnischen Details\u201c erhebliche Konsequenzen f\u00fcr die Budgetpolitik in Europa haben\u2014weil sie den Handlungsspielraum der betroffenen L\u00e4nder f\u00fcr demokratisch legitimierte Budgetpolitik drastisch einschr\u00e4nken\u2014ist dies nicht nur ein technisches Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><p><strong><em>10. Sollte die NAIRU als Instrument zur Bestimmung von fiskalen Spielr\u00e4umen in Europa abgeschafft werden? Oder sollte die NAWRU generell keine Rolle mehr spielen?<\/em><\/strong><\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Kurzfristig k\u00f6nnte eine erh\u00f6hte politische und \u00f6ffentliche Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die zugrundeliegenden methodischen Probleme zu \u00dcberlegungen f\u00fchren, wie die Berechnungsmethode von NAIRU und \u201estrukturellem\u201c Defizit so angepasst werden kann, dass prozyklischer und \u00f6konomisch kontraproduktiver Budgetkonsolidierungsdruck in den betroffenen L\u00e4ndern zu verhindern ist. Dar\u00fcber hinaus sollte es um Reformen des europ\u00e4ischen Fiskalregelwerks gehen, die mittels transparenten, einfachen und flexiblen Vorgaben in budgetpolitischen Angelegenheiten das Primat der Politik gegen\u00fcber einem intransparenten und umstrittenen \u00f6konomischen Modell wiederherstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir bedanken uns bei Philipp Heimberger f\u00fcr dieses Interview.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DEZERNAT ZUKUNFT Philipp Heimberger (Website, Twitter: @heimbergecon) ist \u00d6konom am Wiener Institut f\u00fcr Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und am Institut f\u00fcr die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE, Johannes Kepler Universit\u00e4t Linz). 1. Was ist die Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment (NAIRU)? Wieso besch\u00e4ftigt Dich ein so technisches Thema? Die NAIRU ist ein Kernkonzept der Makro\u00f6konomik. 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