{"id":8984,"date":"2019-11-10T00:48:32","date_gmt":"2019-11-09T23:48:32","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8984"},"modified":"2023-08-17T14:40:31","modified_gmt":"2023-08-17T12:40:31","slug":"venture-capital-in-deutschland-in-der-mitte-liegt-die-lucke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/venture-capital-in-deutschland-in-der-mitte-liegt-die-lucke\/","title":{"rendered":"Venture Capital in Deutschland: in der Mitte liegt die L\u00fccke"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:12px\"><strong><a href=\"mailto:info@dezernatzukunft.org\" data-type=\"mailto\" data-id=\"mailto:info@dezernatzukunft.org\">DEZERNAT ZUKUNFT<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<p>Vor einem Jahr rief das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWi) die <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Dossier\/existenzgruendung.html\">Gr\u00fcndungsoffensive<\/a> aus. Existenzgr\u00fcndungen sollen belebt werden, um der deutschen Wirtschaft Wachstum, Arbeitspl\u00e4tze und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu sichern. Im Vordergrund steht dabei die Finanzierung junger Gr\u00fcndungen, insbesondere die, die \u00fcber klassische Bankkredite hinausgeht, welche f\u00fcr Startups zumeist nicht in Frage kommen. Ein Hauptaugenmerkt der Initiative ist daher auch die Bereitstellung von Wagniskapital\u2014gel\u00e4ufiger: Venture Capital (VC)\u2014f\u00fcr ebendiese Startups. Bereits ein Blick in das Programmheft der Initiative zeigt jedoch, dass es bereits eine Vielzahl an Angeboten und Instituten des \u00f6ffentlichen Sektors gibt, die Gelder in diesem Bereich investieren. Bedarf es also einfach einer Erh\u00f6hung der \u00f6ffentlichen Mittel, um den deutschen Startup-Sektor zu st\u00e4rken und auch im internationalen Vergleich bestehen zu lassen?<\/p>\n<p><strong>Der deutsche VC-Markt ist im internationalen Vergleich klein<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland wurden im vergangenen Jahr circa 3,4 Milliarden Euro in Finanzierungen durch VC vergeben, was 0,1 Prozent des deutschen BIPs entspricht. Mehr als die H\u00e4lfte dieser Summe kam dabei von US-amerikanischen Geldgebern, knapp weitere 10 Prozent von chinesischen Investoren. Auf europ\u00e4ischer Ebene belief sich das Volumen der Finanzierungen durch VC 2018 auf 20,5 Milliarden Euro oder etwas mehr als 0,1 Prozent des aggregierten BIPs. In den USA wiederum beliefen sich die Finanzierungen auf 130,9 Milliarden US Dollar, was circa 0,7 Prozent des US-amerikanischen BIPs entspricht.<\/p>\n<p>Auch im Fundraising liegt der deutsche VC-Markt klar hinter dem US-amerikanischen; 55,5 Milliarden US Dollar (ca. 0,3 Prozent des BIP) wurden von US-amerikanischen VC-Investoren eingesammelt, w\u00e4hrend es in Deutschland nur 1,6 Milliarden Euro (ca. 0,05 Prozent des BIP) waren.<\/p>\n<p>Neben des, auch relativ zum BIP gemessenen, vergleichsweise geringen Volumens stellt auch die Konzentration von Geldern in der Spitze eine weitere Schw\u00e4che in der europ\u00e4ischen VC-Landschaft dar. US-amerikanische VC-Firmen wie Accel, Andreessen Horowitz oder Sequoia legen routiniert Milliarden-Fonds auf; so beispielsweise im vergangenen Jahr Sequoia\u2019s Global Growth Fund III, der es bisher auf 6 Milliarden US Dollar bringt (Ziel: 8 Milliarden Dollar). In Deutschland, aber auch Europa im Allgemeinen, sind solche Dimensionen nicht vorstellbar. Die gr\u00f6\u00dften Fonds bewegen sich hier um ungef\u00e4hr 1 Milliarde Euro, wie z.B. Rocket Internet Capital Partners Funds I und II oder der im vergangenen Jahr angek\u00fcndigte Lakestar III. Die n\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Fonds bewegen sich eher im mittleren dreistelligen Millionenbereich, hier finden sich auch bereits vermehrt internationale VC-Firmen, wie z.B. Accel, die erst in diesem Jahr \u00fcber ihre Londoner Niederlassung einen 575 Millionen US Dollar-Fonds auflegten, der ein rein europ\u00e4isches Portfolio aufbauen wird.<\/p>\n<p>Wieso sollte es ein Problem sein, keine VC-Firmen zu haben, die Fonds von mehr als 1 Milliarde Euro auflegen k\u00f6nnen? Dies wird bei Betrachtung der verschiedenen Finanzierungsphasen eines Startups erkennbar. Die Fr\u00fchphase umfasst zun\u00e4chst die <em>Seed-Phase<\/em> in der die (Produkt-)idee und Prototypen entwickelt werden, worauf in der <em>Startup-Phase<\/em> die Markteinf\u00fchrung folgt. In der <em>Wachstumsphase<\/em> geht es schlie\u00dflich um die Etablierung des Produkts und Marktdurchdringung unter Konkurrenz sowie Internationalisierung. Dies geht meist mit einem deutlich gestiegenen Finanzierungsbedarf einher, der in den sp\u00e4teren Finanzierungsrunden bedient wird (Series A, B, C, \u2026). Im Erfolgsfall steigt die Unternehmensbewertung immer weiter und am Ende folgt der B\u00f6rsengang oder ein Verkauf an ein etabliertes Unternehmen wie z.B. im Fall des Kaufs von Github durch Microsoft.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in den Fr\u00fchphasen Finanzierungen im niedrigen einstelligen Millionenbereich \u00fcblich sind, werden in der Wachstumsphase auch dreistellige Millionensummen aufgerufen. Selbst f\u00fcr einen Fonds mit 1 Milliarde Euro Volumen, wie die gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen VC-Fonds, sind (Lead-)Beteiligungen an Finanzierungsrunden, geschweige denn eine alleinige Runde, in diesen Dimensionen schwierig zu stemmen, allein schon aus Risikodiversifizierungsgr\u00fcnden. Somit ist es wahrscheinlich, vielversprechende Unternehmen, bzw. Technologien insbesondere in den sp\u00e4teren Phasen an ausl\u00e4ndische Geldgeber zu verlieren.<\/p>\n<p><strong>Struktur des deutschen VC-Markts<\/strong><\/p>\n<p>In weiten Teilen Europas ist die Fr\u00fchphase mit \u00f6ffentlichen Geldern vergleichsweise gut versorgt. In Deutschland ist hier unter anderem der <a href=\"https:\/\/high-tech-gruenderfonds.de\/en\/\"><u>High-Tech Gr\u00fcnder Fonds (HTGF)<\/u><\/a> zu nennen, der in innovative Hightech-Startups aller Branchen investiert. Hauptgesellschafter des HTGF ist das BMWi mit Unterst\u00fctzung der KfW, 30 Prozent des Kapitals wird von privaten Investoren, wie z.B. Bayer, Deutsche Post DHL oder Siemens, bereitgestellt. Die Anfangsbeteiligung des HTGF liegt bei 600 000 Euro, pro Unternehmen k\u00f6nnen insgesamt 3 Millionen Euro vergeben werden. Seit 2005 wurden 895,5 Millionen Euro investiert, 107 Unternehmen aus dem Portfolio konnten bereits ver\u00e4u\u00dfert werden. Zu den namhafteren Investments z\u00e4hlen u.a. Mister Spex und Outfittery, w\u00e4hrend das Biotech-Startup Rigontec mit 465 Millionen US Dollar den h\u00f6chsten Verkaufspreis erzielte.<\/p>\n<p>Ein weiteres Programm des BMWi\u2014<a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Dossier\/invest.html\"><u>INVEST<\/u><\/a>\u2014zielt auf die Bezuschussung privater Investoren ab. Im Rahmen des Programms k\u00f6nnen sich Investoren 20 Prozent einer Investitionssumme zwischen 10&nbsp;000 und 500&nbsp;000 Euro erstatten lassen, wobei zus\u00e4tzlich noch eine Steuererleichterung f\u00fcr einen eventuellen Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn (Exit) gew\u00e4hrt wird. Seit 2013 konnten so 513 Millionen Euro mobilisiert werden, 65 Prozent der Investorenbeteiligungen sind dabei in der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche zu finden.<\/p>\n<p>Einen anderen Ansatz w\u00e4hlt die neu gegr\u00fcndete Beteiligungsgesellschaft <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20221208220718\/https:\/\/kfw-capital.de\/en\/\"><u>KfW Capital<\/u><\/a>, die aus einer gemeinsamen Initiative des BMWi, des Bundesministeriums der Finanzen und der KfW hervorgeht und seit gut einem Jahr aktiv ist. Im Gegensatz zum HTGF oder INVEST zielt KfW Capital nicht auf die Seed-Phase von Startups ab, sondern soll mit gr\u00f6\u00dferen Einzelinvestmentvolumina die Startup- und Wachstumsphase bedienen. Unterst\u00fctzt wird KfW Capital aus Mitteln des vom BMWi verwalteten ERP-Sonderverm\u00f6gen, welches aus dem European Recovery Program (\u201eMarshallplan\u201c) hervorgeht; angedacht ist ab 2020 durchschnittlich 200 Millionen Euro pro Jahr bereitzustellen. Die Investition erfolgt dabei \u00fcber deutsche und europ\u00e4ische VC-Fonds (Fund-of-funds), welche mindestens den von KfW Capital eingebrachten Betrag in deutsche Technologieunternehmen investieren m\u00fcssen. Die Beteiligung der KfW Capital betragen maximal 25 Millionen Euro oder 19,99 Prozent des VC-Fondsvolumens, das Portfolio z\u00e4hlt bisher gewichtige europ\u00e4ische Namen wie e.ventures, Ventech oder Blackfin Capital Partners.<\/p>\n<p>Ebenfalls unter der KfW Capital wird der 2016 gegr\u00fcndete Kooperationsfonds <a href=\"https:\/\/coparion.vc\/en\"><u>coparion<\/u><\/a> eingegliedert. Die Beteiligung von bis zu 10 Millionen Euro pro Unternehmen erfolgt in Orientierung an einem privaten Leadinvestor und \u201adoppelt\u2018 dessen Investment (pari-passu), <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> wodurch eine Hebelwirkung entsteht und bereits in fr\u00fcheren Phasen gr\u00f6\u00dfere Finanzierungen erreicht werden k\u00f6nnen. Das Programm richtet sich an innovative Technologieunternehmen mit Betriebssitz in Deutschland.<\/p>\n<p>Eine Kombination von sowohl Seed-, als auch Startup- und Wachstumsphasenfinanzierung bietet der <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Artikel\/Mittelstand\/innovationsfinanzierung-erp-eif.html\"><u>ERP\/EIF-Dachfonds<\/u><\/a>, der vom Europ\u00e4ischen Investitionsfonds (EIF) verwaltet wird. Auch hier erfolgen die Beteiligungen indirekt \u00fcber VC-Fonds; antragsberechtigt sind VC-Fonds, die ma\u00dfgeblich in Deutschland investieren und deren Portfoliounternehmen der Definition kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) nach EU-Standard entsprechen, d.h. Unternehmen mit maximal 249 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Umsatz oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme. Die Liste der VC-Fonds, die EIF-Gelder anlegen ist \u00e4u\u00dferst prominent besetzt, von HV Holtzbrinck Ventures \u00fcber Earlybird bis hin zu Lakestar ist alles vertreten, was in Deutschland Rang und Namen hat.<\/p>\n<hr>\n<table width=\"672\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"104\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\"><strong>High-Tech Gr\u00fcnderfonds<\/strong><\/td>\n<td width=\"147\"><strong>coparion<\/strong><\/td>\n<td width=\"147\"><strong>KfW Capital<\/strong><\/td>\n<td width=\"147\"><strong>ERP-EIF Dachfonds<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"104\"><strong>Volumen<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\">895,5 Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"147\">275 Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"147\">200 Mio. Euro pro Jahr<\/td>\n<td width=\"147\">2,7 Mrd. Euro<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"104\"><strong>Finanzierung<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\">BMWi, KfW (Capital), private Investoren (30%)<\/td>\n<td width=\"147\">ERP-Sonderverm\u00f6gen, KfW (Capital)<\/td>\n<td width=\"147\">ERP-Sonderverm\u00f6gen (BMWi)<\/td>\n<td width=\"147\">ERP-Sonderverm\u00f6gen (50%), EIF (50%)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"104\"><strong>Modus<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\">Nachrangmodell<\/td>\n<td width=\"147\">Pari-passu (gleichrangig mit privaten Investoren)<\/td>\n<td width=\"147\">Fund of funds<\/td>\n<td width=\"147\">Fund of funds<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"104\"><strong>Beteiligung<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\">max. 3 Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"147\">max. 10 Mio Euro<\/td>\n<td width=\"147\">max. 25 Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"147\">variiert, verwaltet durch EIF<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"104\"><strong>Investitions-fokus<\/strong><\/td>\n<td width=\"127\">Seed-Phase<br>\nInnovative deutsche Start-ups (branchenunabh\u00e4ngig)<\/td>\n<td width=\"147\">Startup-Phase<br>\nInnovative, deutsche KMU Technologieunternehmen<\/td>\n<td width=\"147\">Wachstumsphase<br>\nVC-Fonds mit Fokus auf deutschen Beteiligungen<\/td>\n<td width=\"147\">Seed- bis Wachstumsphase<p><\/p>\n<p>VC-Fonds mit Fokus auf deutschen Beteiligungen<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<hr>\n<p><strong>Es fehlt das gro\u00dfe Geld<\/strong><\/p>\n<p>Die vorangegangene Aufstellung zeigt: bereits heute stammt ein betr\u00e4chtlicher Anteil (ca. 35 Prozent) des Wagniskapitals in Deutschland aus \u00f6ffentlichen Quellen. Besonders stark vertreten ist der \u00f6ffentliche Sektor dabei in der Fr\u00fchphasenfinanzierung, doch auch f\u00fcr sp\u00e4tere Finanzierungsrunden gibt es noch Programme. Die Basis ist somit bereits solide. Trotzdem attestiert auch beispielsweise das BMWi noch eine L\u00fccke von j\u00e4hrlich 500 bis 600 Millionen Euro im Segment der Wachstumsfinanzierungen.<\/p>\n<p>Was die Aufstellung zudem verdeutlicht: die Investitionsvolumina sind, bedingt sowohl durch den Fokus der Programme als auch die absoluten Volumina der Fonds, begrenzt. Wie eingangs erw\u00e4hnt fehlt hier finanzielle Feuerkraft, um auch sp\u00e4tere Finanzierungsrunden mitzugehen. Dabei zeigt sich sowohl in Deutschland und Europa, als auch in den USA eine zunehmende Konzentration der Investments. W\u00e4hrend die Summe der VC-Finanzierungen relativ stabil w\u00e4chst, sank die Anzahl der Deals, was mit einem zuletzt steilen Anstieg des Medianvolumens dieser Deals einhergeht. Megarounds, d.h. Finanzierungsrunden von mehr als 100 Millionen Euro werden dabei immer h\u00e4ufiger und insbesondere US-amerikanische und chinesische VC-Investoren immer aktiver. Aber auch in Europa hat sich dieser Trend best\u00e4tigt; wurden 2018 noch 6,7 Milliarden Euro durch Megarounds verteilt, so waren es allein im ersten Halbjahr 2019 bereits 7,4 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Eine weiterere Investorengruppe, die weltweit gr\u00f6\u00dfere Summen in Endphasenfinanzierungen investiert, ist Corporate VC. Der prominenteste Akteur ist hier der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank, dessen Vision Fund sich rasend der 100 Milliarden US Dollar-Schallmauer ann\u00e4hert. Auch in Deutschland trat Softbank schon in Erscheinung und lieferte den gr\u00f6\u00dften VC-Deal des vergangenen Jahres mit einer 460 Millionen Euro-Finanzierung des Berliner Startups Auto1.<\/p>\n<p>In Europa ist Corporate VC ebenfalls bereits etabliert und zunehmend aktiv, so waren 2018 in 21 Prozent der VC-Deals auch Corporates beteiligt. Corporate VC-Beteiligungen sind dabei \u00fcberdurchschnittlich in den gr\u00f6\u00dferen Finanzierungsrunden von \u00fcber 10 Millionen Euro vertreten. Auch die meisten deutschen Gro\u00dfunternehmen haben mittlerweile eigene Beteiligungsgesellschaften. Der deutsche Versicherungskonzern Allianz stockte beispielsweise erst in diesem Jahr seinen Investmentarm Allianz X auf 1 Milliarde Euro auf. Im internationalen Portfolio finden sich unter anderem auch prominente deutsche Namen wie N26 oder der Berliner Produktversicherer Simplesurance.<\/p>\n<p><strong>Was tun? Staatsfonds, Pensionsfonds, und Risikoerw\u00e4gungen<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem \u00f6ffentlich finanzierte Programme Startups in Deutschland bereits einen guten Start erm\u00f6glichen, richtet sich das Augenmerk zuk\u00fcnftiger Initiativen nun auf die sp\u00e4teren, besonders kapitalintensiven Finanzierungsrunden. Da es hier allerdings finanzieller Feuerkraft einer anderen Dimension bedarf, ist fraglich, ob der \u00f6ffentliche Sektor hier die Antwort liefern kann oder soll. In diesem Kontext wird immer wieder der Ruf nach einem entsprechenden Staatsfonds laut, der z.B. mit zuletzt erwirtschafteten Haushalts\u00fcbersch\u00fcssen gef\u00fcttert werden k\u00f6nnte. Durch die riskante Natur der Beteiligungen an Startups m\u00fcsste die Zielsetzung eines solchen Fonds allerdings klar sein und eventuelle (gro\u00dfe) Verluste akzeptiert werden. Norwegens oft zitierter Staatsfonds\u2014allerdings explizit als Pensionsfonds konzipiert\u2014plant beispielsweise maximal nur 4 Prozent seines Portfoliovolumens in solche alternativen Anlagen zu investieren.<\/p>\n<p>Eine Alternative zu staatlichen Geldern k\u00f6nnten Pensionsfonds darstellen, insbesondere, da sie in der derzeitigen und wahrscheinlich mittelfristig anhaltenden Niedrigzinsphase bereits auf der Suche nach alternativen Investments sind. In Europa, aber insbesondere in skandinavischen L\u00e4ndern, nehmen Pensionsfonds bereits eine aktivere Rolle ein. Seit 2013 stammen 16 Prozent des VC-Fundraising dort von Pensionsfonds. Dem gegen\u00fcber steht im selben Zeitraum in der DACH-Region ein Anteil von nur 2 Prozent. In den USA sind Pensionsfonds schon l\u00e4nger und im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfe an Fundraising-Runden der gro\u00dfen VC-Fonds beteiligt.<\/p>\n<p>Eine erh\u00f6hte Teilnahme von institutionellen Investoren wie Pensionsfonds oder auch (Lebens-)Versicherern birgt allerdings nicht unerhebliche Risiken. Im <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2018\/08\/14\/technology\/venture-capital-mega-round.html\">zunehmend hitzigen VC-Markt<\/a>, in dem Megarounds an der Tagesordnung sind und die Startup-Bewertungen mit jeder Finanzierungsrunde weiter sprie\u00dfen, ist auch die Gefahr kostspieliger Fehlgriffe oder Bewertungskorrekturen nicht weit. Dies erfuhr zuletzt auch Softbank, die dem Coworking-Startup WeWork insgesamt 18,5 Milliarden US Dollar an Finanzierungen bereitstellten, und dessen B\u00f6rsengang nach einem Bewertungsr\u00fcckgang von 47 Milliarden auf 8 Milliarden US Dollar im Laufe des Oktobers auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Solche R\u00fcckschl\u00e4ge, bzw. potenzielle Abschreibungen w\u00e4ren f\u00fcr einen Pensionsfonds schwer zu verkraften und h\u00e4tten letztendlich nicht unerhebliche Auswirkungen auf Menschen, deren Altersversorgung von ihnen abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>Wer sollte Wagnisse und Risiken in diesem Markt eingehen?<\/strong><\/p>\n<p>Wie kann also die Finanzierungsl\u00fccke zwischen Fr\u00fchphase und B\u00f6rsengang oder Verkauf geschlossen werden? Letztendlich ist entscheidend, wer bereit und f\u00e4hig ist, das immer noch betr\u00e4chtliche Risiko sowie die gro\u00dfen Volumina sp\u00e4ter Finanzierungsrunden auf sich zu nehmen. Corporate-VC scheint angesichts <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/News\/Articles\/2019\/05\/17\/Germany-Staff-Concluding-Statement-of-the-2019-Article-IV-Mission\">hoher Sparquoten der Unternehmen<\/a> und der potenziell direkten Synergie- und Modernisierungs-Effekte durch Beteiligung an innovativen Startups die naheliegendste Option zu sein. Angesichts des Niedrigzinsumfeldes k\u00f6nnten auch institutionelle Investoren zunehmend auf alternative Investments setzen. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob das Risiko bei z.B. Pensionsfonds an der richtigen Stelle verbliebe.<\/p>\n<p>Aus staatlicher Perspektive bliebe die M\u00f6glichkeit eines gro\u00dfen Staatsfonds, um neben der bereits bestehenden Basis der Fr\u00fchfinanzierung auch sp\u00e4tere Finanzierungsrunden zu erm\u00f6glichen. Vorstellbar w\u00e4re ein Dachfonds, der neben staatlichen Ressourcen institutionelle Investoren aus dem Privatsektor einbinden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Als Vorbild k\u00f6nnte Dansk V\u00e6kstkapital I (DVKI) dienen, ein Gemeinschaftsprojekt des d\u00e4nischen Staats sowie d\u00e4nischer Pensionsfonds, der als fund of funds wiederum in private VC-Fonds investiert. Pensionsfonds investieren dabei nur ein Viertel ihres Investments direkt in den DVKI, die \u00fcbrigen drei Viertel werden dem d\u00e4nischen Wachstumsfonds V\u00e6kstfonden per Kredit bereitgestellt, der diese Mittel wiederum an DVKI weitergibt (DVKII: ein Drittel-zwei Drittel). Diese Konstruktion erleichtert d\u00e4nischen Pensionsfonds das potenzielle risikoreiche Investment, zum einen im Hinblick auf Kapitalbildung, zum anderen da drei Viertel ihres Ausfallrisikos an V\u00e6kstfonden weitergegeben werden, wohingegen sie im Gegenzug eine festverzinsliche Anlage erhalten. \u00dcber eine \u00e4hnliche Konstruktion (z.B. KfW anstatt V\u00e6kstfonden) lie\u00dfen sich so auch in Deutschland Mittel f\u00fcr Wagniskapital mobilisieren. Wichtig ist jedoch, dass zus\u00e4tzlich verf\u00fcgbare Mittel zielgerichtet investiert werden, um zu verhindern, dass Startups mit mittelm\u00e4\u00dfiger Perspektive auch in sp\u00e4teren Runden nur durch ein \u00dcberangebot an Kapital am Leben gehalten werden. Hier kann das fund of funds-Modell Bedenken lindern, jedoch m\u00fcssten auch private VC-Fonds ihre gestiegene Kapitalbasis weiterhin nach maximal verf\u00fcgbarer Information bestm\u00f6glich verteilen.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag (17.1.2020):<\/strong><\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230716041818\/https:\/\/www01.eib.org\/en\/publications\/investment-report-2019\">Investmentbericht 2019\/2020 der EIB<\/a>, erschienen kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels, pr\u00e4sentiert eine detaillierte und \u00e4u\u00dferst lesenswerte Analyse zum Thema &#8220;Start-ups, scale-ups and business dynamics in the European Union and United States&#8221; (Kapitel 7, pp. 279-330). Auch hier ist deutlich zu erkennen, dass das Problem auf der europ\u00e4ischen Seite je gr\u00f6\u00dfer wird, je weiter ein Start-up w\u00e4chst:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/2019\/11\/10\/venture-capital-in-deutschland-in-der-mitte-liegt-die-luecke\/eib-2019-2020-report-fig-29\/\" rel=\"attachment wp-att-1348\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1348\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EIB-2019-2020-Report-Fig-29.jpeg\" alt=\"\" width=\"551\" height=\"372\"><\/a>(Quelle: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230716041818\/https:\/\/www01.eib.org\/en\/publications\/investment-report-2019\">EIB 2019<\/a>, S. 313)<\/p>\n<hr>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Pari-passu (\u201cIm gleichen Schritt\u201d oder \u201cgleichrangig\u201d) bedeutet, dass coparion f\u00fcr sein Investment eine Beteiligung zu den selben wirtschaftlichen Konditionen erh\u00e4lt wie der private Leadinvestor.<\/p>\n<p><em>Picture credit:&nbsp;coparion, KfW Capital, Andreessen Horowitz, High-Tech Gr\u00fcnderfonds<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DEZERNAT ZUKUNFT Vor einem Jahr rief das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWi) die Gr\u00fcndungsoffensive aus. Existenzgr\u00fcndungen sollen belebt werden, um der deutschen Wirtschaft Wachstum, Arbeitspl\u00e4tze und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu sichern. Im Vordergrund steht dabei die Finanzierung junger Gr\u00fcndungen, insbesondere die, die \u00fcber klassische Bankkredite hinausgeht, welche f\u00fcr Startups zumeist nicht in Frage kommen. 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