{"id":8719,"date":"2021-03-11T16:55:00","date_gmt":"2021-03-11T15:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8719"},"modified":"2024-12-19T17:20:49","modified_gmt":"2024-12-19T16:20:49","slug":"close-the-gap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/close-the-gap\/","title":{"rendered":"Close the gap!"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit vergangenem Jahr ist der Weltfrauentag ein gesetzlicher Feiertag in Berlin. Diesen Montag wurde er wieder begangen. Doch was als wichtiges Zeichen f\u00fcr die immer noch marginalisierte Stellung der Frau in unserer Gesellschaft dient, darf nicht zu einer muttertags\u00e4hnlichen Blumenschlacht werden. In diesem Newsletter argumentieren wir, dass die fehlende Gleichstellung von Frauen f\u00fcr unsere Volkswirtschaft langfristig ein Wachstumsd\u00e4mpfer ist, dem wir durch die Modernisierung unseres Fiskalregelwerks sowie mehr Investitionen begegnen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: left;\">\nZusammengefasst:\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die hohe Frauenerwerbst\u00e4tigenquote kaschiert tiefe Ungleichheiten zwischen M\u00e4nnern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt<\/li><li>Die Gender Pay Gap und die Gender Pension Gap sind eine Gefahr f\u00fcr unsere Volkswirtschaft<\/li><li>Die notwendigen Investitionen, um diese L\u00fccken zu schlie\u00dfen, k\u00f6nnen mit einfachgesetzlichen Reformen der Schuldenbremse erm\u00f6glicht werden<\/li><\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Corona-R\u00fcckschritte<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Am Montag war Weltfrauentag. Anstatt sich zu feiern, werden viele Frauen, und insbesondere M\u00fctter, den Tag damit verbracht haben, mit ihren Kindern Bruchrechnen zu \u00fcben, akkurat auszuschneiden oder das richtige Arbeitsblatt auf dem richtigen Lernportal hochzuladen. Schule zuhause, das ist weitgehend <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/826396\/f0994acf6b0a99d5e25f791ee312a095\/digitalen-Bildungsmedien-Homeoffice-data.pdf\">eine Sache der M\u00fctter<\/a> (S. 4). Geht es darum, wer w\u00e4hrend Corona in einer Partnerschaft k\u00fcrzertritt, war und ist es zumeist die Frau. Aber das ist nicht nur in Krisenzeiten so: Es handelt sich um ein strukturelles Problem.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Besch\u00e4ftigt ja, aber wie<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick hat Deutschland mit mehr als 74% eine vergleichsweise hohe Frauenerwerbst\u00e4tigenquote, besser als England (73%) oder Frankreich (68%) (siehe Chart; Daten des <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.812226.de\/21-9-3.pdf\">DIW<\/a>, S. 145). Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber ein deutlich problematischeres Bild: 49% aller weiblichen sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten arbeiten Teilzeit. Bei den M\u00e4nnern sind es nur <a href=\"https:\/\/www-genesis.destatis.de\/genesis\/online?operation=table&amp;code=13111-0004&amp;bypass=true&amp;levelindex=1&amp;levelid=1615276334064#abreadcrumb\">12%<\/a>. Jede <a href=\"https:\/\/www.wsi.de\/de\/erwerbsarbeit-14617-minijobs-als-einzige-erwerbstaetigkeit-2004-2017-14869.htm\">sechste Arbeitnehmerin<\/a> arbeitet in einem Minijob. Bei M\u00e4nnern ist es dagegen nur jeder elfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommen Brancheneffekte und Ungleichheiten in der unbezahlten Arbeit. Der Frauenanteil \u00fcberwiegt gerade bei schlechter verg\u00fcteten Dienstleistungen, wie Erziehung und Bildung, Gesundheit oder Arbeit in privaten Haushalten. <a href=\"https:\/\/www.nationale-armutskonferenz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/NAK_Armutsrisiko-Geschlecht.pdf\">90% der pflegenden Familienangeh\u00f6rigen sind Frauen<\/a> (S. 11). Insgesamt arbeiten Frauen <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/buero-co\/ilo-studie-frauen-arbeiten-im-schnitt-mehr-als-maenner-16173325.html\">zwar viereinhalb Stunden mehr pro Tag<\/a> \u2014 allerdings weder verg\u00fctet noch sozialversicherungspflichtig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"482\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/gender-chart2.png\" alt=\"GrafikDIW\" class=\"wp-image-3278\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/gender-chart2.png 800w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/gender-chart2-300x181.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/gender-chart2-768x463.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/gender-chart2-100x60.png 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wieso ist das ein Problem?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon, dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein in unserer Verfassung festgeschriebenes Grundrecht ist (vgl. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_3.html\">Art. 3 (2) GG<\/a>), gibt es auch aus \u00f6konomischer Sicht gute Gr\u00fcnde, die Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt voranzutreiben. Einkommensungleichheit, die in soziale Ungleichheit m\u00fcndet, ist insgesamt ein <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ungleichheit-schlecht-f%C3%BCr-die-wirtschaft\/a-43312737\"><strong>Wachstumsd\u00e4mpfer<\/strong><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass das Armutsrisiko bei Frauen deutlich h\u00f6her ist als bei M\u00e4nnern, was wiederum den Sozialstaat belastet: Nicht nur weil Frauen schon bei \u201cganz normaler\u201d Lohnarbeit weniger verdienen, sondern weil sie durch ihre nicht sozialversicherungspflichtigen T\u00e4tigkeiten keine ausreichende Rentenvorsorge betreiben k\u00f6nnen. Zur Gender Pay Gap kommt also die <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_wsi_report_56_2020.pdf\"><strong>Gender Pension Gap<\/strong><\/a>: Frauen beziehen 53% weniger Rente als M\u00e4nner. In einer immer \u00e4lter werdenden Gesellschaft stellt dies eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Belastung f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Haushalte dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch schon vor dem Eintritt in das Rentenalter sind Frauen von Armut bedroht. Dann n\u00e4mlich, wenn eine traditionell gelebte Ehe geschieden wird, was in Deutschland <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Eheschliessungen-Ehescheidungen-Lebenspartnerschaften\/_inhalt.html\">bei beinahe jeder dritten Ehe der Fall ist<\/a>. Sind auch noch Kinder involviert, erh\u00e4lt in vielen F\u00e4llen die Frau das Sorgerecht. Zu weniger Einkommen kommen h\u00f6here Ausgaben und damit ein <strong>h\u00f6heres Armutsrisiko<\/strong>, das von Sozialleistungen aufgefangen werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit Blick auf die <strong>Zukunft der Volkswirtschaft<\/strong> ist die Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt elementar. In Gesundheitsberufen sowie in den Bereichen Erziehung und Soziales werden 2040 \u00fcber 350.000 Vollzeitfachkr\u00e4fte fehlen, <a href=\"https:\/\/www.bibb.de\/en\/qube_datenportal_ergebnisse.php?lang%3DEN%26view%3DZR%26bc%3D%26dv%3Dvalue-orig%26icode%3DBE-000%26betyp%3DBHF%26co%3D%2Ctrue%2C%2C%2Ctrue%2Ctrue%2C%2C%2C%2C%2C%26gr%3D%26FILE%3Dbasis%26AB%3D01%2C02%26PST%3D01%26BE%3D81%2C82%2C83%2C84%26REGIO%3D00%26JAHR%3D15%2C20%2C25%2C30%2C35%2C40\">laut dem Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung<\/a>. Selbst wenn sich die Verteilung von Geschlechtern auf Branchen in der Zwischenzeit gleicher gestalten sollte, wird es h\u00f6chstwahrscheinlich mehr Frauen in Vollzeit brauchen, ebenso wie h\u00f6here L\u00f6hne, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Investitionen in Aus- und Weiterbildung, um diesem Bedarf zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Handlungsoptionen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die meisten Frauen entscheiden sich nicht freiwillig, in Teilzeit zu arbeiten oder f\u00fcr die Pflege von Kindern und Angeh\u00f6rigen unverg\u00fcteter Care-Arbeit nachzugehen. Die Ursachen hierf\u00fcr sind systemisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Ursache liegt im Steuersystem. Denn das <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/familie\/familienbericht-sachverstaendige-fordern-ende-von-ehegattensplitting-17225654.html\">Ehegattensplitting<\/a> f\u00f6rdert und zementiert, trotz des offensichtlichen Scheidungsrisikos, die Entscheidung f\u00fcr eine traditionell gelebte Partnerschaft mit dem Mann als Hauptverdiener. Nachdem es in der fr\u00fchen Weimarer Republik abgeschafft wurde, \u201eum die verheiratete Arbeiterin nicht zu benachteiligen\u201d (<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20221202040036\/https:\/\/www.gleichstellungsbericht.de\/de\/article\/53.arbeitspapiere.html\">Rotino<\/a>, S.&nbsp;4), wurde es 1934 von den Nationalsozialisten erneut eingef\u00fchrt, um Frauen wieder aus dem Arbeitsmarkt zu verdr\u00e4ngen. Insbesondere Paare mit hohen Einkommensunterschieden profitieren heute von dieser Regel. Die aufgrund der Gender Pay Gap sowieso schon geringer verdienende Frau tritt in dieser Situation meist eher zur\u00fcck als der Mann. \u00c4hnliche Anreize wirken bei der Einkommensersatzleistungen des Elterngelds. Hier gibt es Reformbedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Frauen weniger verdienen, liegt dabei nicht an dem Wunsch, die Karriereleiter ab einem bestimmten Zeitpunkt langsamer zu erklimmen, weil ihnen die Puste ausgegangen ist (vgl. \u201c<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/karriere\/the_shift\/frauenquote-die-seilschaften-in-deutschen-konzernen-bleiben-maennlich\/24186608.html\">Thomas-Kreislauf<\/a>\u201d). Sie verhandeln auch keinen geringeren Lohn, weil sie zu sch\u00fcchtern sind. Sie fordern <a href=\"https:\/\/warwick.ac.uk\/fac\/soc\/economics\/news\/2016\/9\/new_study_suggests_women_do_ask_for_pay_rises_but_dont_get_them\/\">genauso oft Gehaltserh\u00f6hungen wie M\u00e4nner<\/a>, bekommen sie aber schlicht nicht. Auch die Berufswahl ist nicht entscheidend: Ob IT-lerin oder \u00c4rztin, Frauen <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/7986\/gender-pay-gap-bei-fach--und-fuehrungskraeften\/\">verdienen<\/a> in allen Berufen weniger als M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Frauen Care-, Heim- und Lohnarbeit unter einen Hut bringen m\u00fcssen, dadurch strukturell benachteiligt sind und auf der Karriereleiter weniger Chancen haben, liegt dagegen oft an fehlenden staatlichen Investitionen. <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Arbeit\/Arbeitsmarkt\/Qualitaet-Arbeit\/Dimension-3\/unfreiwillig-teilzeitbeschaeftige.html\">Knapp die H\u00e4lfte<\/a> aller Frauen arbeitet aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden in Teilzeit, zum Beispiel zur Betreuung von Kindern oder anderen Angeh\u00f6rigen. Das liegt unter anderem daran, dass \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/beitrag\/wido-geis-thoene-in-deutschland-fehlen-immer-mehr-betreuungsplaetze.html\">340.000 Kitapl\u00e4tze<\/a> fehlen. Der Grund ist daf\u00fcr zumeist ein Mangel an Erziehern. Die mangelnde Attraktivit\u00e4t des Berufs liegt dabei nicht allein am Gehalt, sondern auch an der Ausbildung. Die dauert vier Jahre und ist unbezahlt. Im Rahmen eines <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/fachkraefteoffensive-fuer-erzieherinnen-und-erzieher-vorgestellt-131402\">Pilotprojekts<\/a> hatte das Familienministerium die Kosten f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/fachkraefteoffensive-fuer-erzieherinnen-und-erzieher-vorgestellt-131402\">5000 Ausbildungspl\u00e4tze<\/a> \u00fcbernommen, die Initiative wurde allerdings nicht verl\u00e4ngert, geschweige denn erweitert. Eine offensichtliche Ma\u00dfnahme, die auch aus bildungspolitischer Sicht zu begr\u00fc\u00dfen w\u00e4re, scheint daher die Einf\u00fchrung einer Ausbildungsverg\u00fctung f\u00fcr Erzieher.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unsinnige Blockaden l\u00f6sen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Sogar das Institut der deutschen Wirtschaft, in der Vergangenheit eher bekannt f\u00fcr Zur\u00fcckhaltung bei der staatlichen Geldb\u00f6rse, forderte schon <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/IW-Analysen\/PDF\/Positionen\/Positionen_35.pdf\">2008<\/a> Investitionen in fr\u00fchkindliche Bildung. Tom Krebs und Martin Scheffel berechneten <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/NW_OEffentliche_Investitionen_und_inklusives_Wachstum.pdf\">2017<\/a>, dass Investitionen in das Kita-Bildungs- und Betreuungsangebot netto die Staatsschulden reduzieren, und zwar mehr als vergleichbare Investitionen in \u00f6ffentliche Infrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/familie\/2020-01\/fachkraefteoffensive-erzieherinnen-erzieher-nachwuchs-kita-franziska-giffey?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.de\">erkl\u00e4rte<\/a> die sozialdemokratische Familienministerin Franziska Giffey Anfang 2020, dass der Bund mit seiner Fachkr\u00e4fteoffensive f\u00fcr Erzieherinnen leider nicht mehr tun k\u00f6nne, als eine Starthilfe f\u00fcr die L\u00e4nder zu leisten. Diese seien nun in der Pflicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann es sein, dass Investitionen, die so wenig umstritten sind und f\u00fcr sich selber zahlen w\u00fcrden, nicht get\u00e4tigt werden?<\/p>\n\n\n\n\n\n<p>Die Schuldenbremse steht im Grundgesetz. Dennoch k\u00f6nnte man Platz f\u00fcr solche und \u00e4hnliche Investitionen schaffen, ohne das Grundgesetz \u00e4ndern zu m\u00fcssen. Ein Bestandteil der Schuldenbremse ist die sogenannte Konjunkturkomponente (siehe Abbildung). Diese erlaubt zus\u00e4tzliche Verschuldung, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) unter dem gesch\u00e4tzten Produktionspotenzial der Wirtschaft liegt. Je gr\u00f6\u00dfer die L\u00fccke zwischen BIP und Produktionspotenzial, desto mehr darf ausgegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wird das Produktionspotenzial gesch\u00e4tzt, indem man mittels statistischer Verfahren Werte aus der <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/economy_finance\/publications\/economic_paper\/2014\/pdf\/ecp535_en.pdf\">Vergangenheit<\/a> extrapoliert. Wir gehen also davon aus, dass die Zukunft weiterhin so sein wird, wie die Vergangenheit es war \u2014 auch wenn die Politik bewusst Ver\u00e4nderung vorantreiben sollte, zum Beispiel durch Investitionen in fr\u00fchkindliche Bildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine koh\u00e4rente Finanzpolitik k\u00f6nnte und sollte den Effekt solcher Investitionen in ihren Berechnungen zum Produktionspotenzial ber\u00fccksichtigen. Wenn eine Regierung \u00fcberzeugt ist, dass gewisse Reformen \u2014 wie Investitionen in die fr\u00fchkindliche Bildung \u2014 wachstumssteigernd sind, sollte das zur Berechnung der Schuldenbremse herangezogene Produktionspotenzial entsprechend erh\u00f6ht werden. Das w\u00e4re konsequent. Um das im heutigen gesetzlichen Rahmen zu erm\u00f6glichen, br\u00e4uchte es keine Grundgesetz\u00e4nderung: Die Methode zur Bestimmung des Produktionspotenzials ist einfachgesetzlich geregelt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mehr als Blumen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Feiertag f\u00fcr die Wertsch\u00e4tzung der Frauen ist ein sch\u00f6ner Anfang. Er darf aber nicht zu einer muttertags\u00e4hnlichen Blumenschlacht ohne realpolitische Konsequenzen verkommen. Die L\u00fccke(n) zu schlie\u00dfen erfordert, sich finanzpolitischer Regeln zu entledigen, die uns in der Vergangenheit festhalten.<\/p>\n\n\n<hr>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten<\/h4>\n\n\n\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Daten Abbildung 1: <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.812226.de\/21-9-3.pdf\">DIW<\/a>, S. 145<\/p>\n\n\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em>Der <strong>Dezernatsbrief<\/strong> ist ein zweiw\u00f6chentlicher Kommentar zu aktuellen Fragen der deutschen und europ\u00e4ischen \u00d6konomie. \u00dcber Feedback und Anregungen freuen wir uns und erbitten deren Zusendung an info[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<hr>\n<strong> In den Medien <\/strong><p><\/p>\n\n\n<ul>\n<li> Veranstaltungshinweis 1: Am <strong>23. M\u00e4rz<\/strong> spricht <strong>Julia Friedrichs<\/strong> mit Christoph Amend \u00fcber ihr gerade erschienenes Buch &#8220;Working Class \u2013 Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben k\u00f6nnen&#8221;. Los geht&#8217;s um 20 Uhr; Mehr Informationen.<\/li>\n<li> Veranstaltungshinweis 2: Wir diskutieren am <strong>25. M\u00e4rz<\/strong> ab 19 Uhr mit <strong>Detlef Scheele<\/strong>, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA), \u00fcber die BA als Stabilisator in der Corona-Krise&nbsp;und&nbsp;Ableitungen&nbsp;daraus&nbsp;f\u00fcr einen Gesamtsozialversicherungsbeitrag. <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.us18.list-manage.com\/track\/click?u=e80f99448e2133d2d0099e4cb&amp;id=06b4f6db39&amp;e=d24e0606f6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mehr Informationen und Anmeldung<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der europ\u00e4ische Impf-Fehlstart kostet Menschenleben. Es ist wichtig, seine Ursachen aufzuarbeiten sowie daraus zu lernen. 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