{"id":8704,"date":"2021-05-12T21:54:23","date_gmt":"2021-05-12T19:54:23","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8704"},"modified":"2023-03-14T14:07:47","modified_gmt":"2023-03-14T13:07:47","slug":"i-dont-love-schuldenquote-obamas-ehem-oberster-wirtschaftsberater-im-dz-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/i-dont-love-schuldenquote-obamas-ehem-oberster-wirtschaftsberater-im-dz-interview\/","title":{"rendered":"I don\u2019t love Schuldenquote: Obamas ehem. oberster Wirtschaftsberater im DZ-Interview"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.hks.harvard.edu\/faculty\/jason-furman\">Jason Furman<\/a>, heute Professor in Harvard, war Barack Obamas oberster Wirtschaftsberater und z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Wirtschaftsexperten der USA. Zusammen mit Larry Summers hat er vor kurzem ein <a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/furman-summers-fiscal-reconsideration-discussion-draft.pdf\">Papier<\/a> ver\u00f6ffentlicht, das eine grundlegende Neuausrichtung der Fiskalpolitik vorschl\u00e4gt. Wir haben mit ihm \u00fcber seine Vorschl\u00e4ge gesprochen und erfahren, wieso er die grunds\u00e4tzliche Pr\u00e4misse hinter den Fiskalregeln vieler L\u00e4nder falsch findet.<\/p>\n\n\n<p>Das Interview wurde von uns ins Deutsche \u00fcbersetzt, der englische Originaltext befindet sich am Schluss.<\/p>\n<ol>\n<li>\n<h6>Warum sollten wir die Fiskalpolitik \u00fcberdenken? Hat sich die Welt ver\u00e4ndert? Wenn ja, was sind die Folgen?<\/h6>\n<p>Vor drei\u00dfig Jahren war es ein grunds\u00e4tzliches wirtschaftliches Problem, dass die Realzinss\u00e4tze zu hoch waren und so Investitionen behinderten. Heute ist das grundlegende Problem das Gegenteil\u2014die realen Zinsen sind zu niedrig, was es der Wirtschaft schwer macht ein Gleichgewicht mit ausreichender Nachfrage zu erreichen und somit Vollbesch\u00e4ftigung und Wirtschaftswachstum zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist das Ergebnis von strukturellen Trends, die in allen industrialisierten Volkswirtschaften seit mehreren Jahrzehnten zu beobachten sind. Die niedrigen Zinss\u00e4tze sind keine Fehler der Zentralbanken, sie wurden ihnen faktisch aufgedr\u00e4ngt. Sie sollten uns veranlassen zu \u00fcberdenken, wie wir eine angemessene gesamtwirtschaftliche Nachfrage schaffen k\u00f6nnen und insbesondere die langfristige Nachhaltigkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen sichern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das alles \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass Schulden letztlich tragf\u00e4hig sein m\u00fcssen. Es besagt aber, dass die H\u00f6he der Schulden eine andere sein sollte als zuvor angenommen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Sie sind kein Fan der Schuldenquote. Warum?<\/h6>\n<p>Die Schuldenquote ist ein irref\u00fchrender Indikator, weil sie eine Bestandsgr\u00f6\u00dfe (die Schulden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen werden) mit einer Flussgr\u00f6\u00dfe (dem BIP, welches \u00fcber einen bestimmten Zeitraum gemessen wird) vergleicht. Wenn Sie die US-Schuldenquote auf Grundlage des BIPs eines Monats berechnen, zum Beispiel Dezember 2020, liegt sie bei \u00fcber 1.000 Prozent. Auf Grundlage des BIPs eines ganzes Jahrzehnts hingegen, zum Beispiel der 2010er Jahre, l\u00e4ge sie bei etwa 10 Prozent. Welche Zeiteinheit sollten wir also f\u00fcr den Nenner verwenden? Einen Monat, ein Jahr, ein Jahrzehnt?<\/p>\n<p>Kein Land zahlt seine Schulden in einem einzigen Jahr ab, sondern immer im Laufe der Zeit. Deshalb ist dieser Punkt\u2014Bestandsgr\u00f6\u00dfen sind schwierig mit Flussgr\u00f6\u00dfen zu vergleichen\u2014nicht nur eine akademische Beobachtung, sondern sehr wichtig, um zu verstehen, wie die gleichen Schuldenquoten zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Dinge bedeuten k\u00f6nnen. Wenn die Zinss\u00e4tze niedrig sind, ist eine Refinanzierung und langfristigere Tilgung der Schulden einfacher.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem mit der Schuldenquote ist, dass die Leute sie als unver\u00e4nderlichen Ma\u00dfstab behandeln. Die Temperatur-Skala ist ein unver\u00e4nderlicher Ma\u00dfstab: 25 Grad Celsius waren vor drei\u00dfig Jahren warm und sind es heute immer noch. Die Schuldenquote ist jedoch ein sich ver\u00e4ndernder Ma\u00dfstab: 60 Prozent Verschuldung im Verh\u00e4ltnis zum BIP hatten 1992 eine ganz andere Bedeutung als heute.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Wenn eine bestimmte Schuldenquote nicht der richtige Nordstern f\u00fcr die Gestaltung der Finanzpolitik ist, welche Faktoren sollten wir dann ber\u00fccksichtigen?<\/h6>\n<p>Es ist wichtig, einen Nordstern f\u00fcr Fiskalpolitik zu haben. Larry Summers und ich schlagen daher vor, sich auf das Verh\u00e4ltnis des realen Schuldendienstes zum BIP zu konzentrieren. Das hei\u00dft, man nimmt die Zinszahlungen, subtrahiert den Teil der Schulden, der weginflationiert wurde, und dividiert durch das BIP. Dies ist ein analytisch sinnvolles Ma\u00df, weil es eine Flussgr\u00f6\u00dfe (Zinszahlungen) mit einer anderen Flussgr\u00f6\u00dfe (BIP) vergleicht, die beide jeweils \u00fcber den gleichen Zeitraum gemessen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dieses Ma\u00df hat jedoch zwei Schw\u00e4chen. Wie die Schuldenquote ist es im Wesentlichen r\u00fcckw\u00e4rtsgerichtet, d.h. es sagt etwas \u00fcber vergangene fiskalische Ungleichgewichte aus, nicht \u00fcber zuk\u00fcnftige. Zweitens (und im Gegensatz zur Schuldenquote) kann es volatil sein, je nachdem, was gerade mit den Zinss\u00e4tzen passiert. Daher ist es wichtig, Projektionen dieser Kennzahl \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu betrachten, z.B. \u00fcber ein Jahrzehnt oder sogar l\u00e4nger.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Sie argumentieren, dass die realen Zinszahlungen im n\u00e4chsten Jahrzehnt 2 Prozent des j\u00e4hrlichen BIP nicht \u00fcberschreiten sollten. Warum 2 und nicht 1 oder 5 Prozent?<\/h6>\n<p>Ich gebe zu, dass dieser Schwellenwert etwas beliebig ist. Er ergibt sich aus der Beobachtung, dass viele Industriestaaten in der Vergangenheit oft ein solches Niveau an realem Schuldendienst zu bedienen hatten, ohne dass es zu offensichtlichen Problemen kam. Dieser Wert scheint somit in Ordnung gewesen zu sein.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte allerdings erw\u00e4hnen, dass diese Kennzahl viel weniger beliebig ist als die Schuldenquote. Eines der Probleme mit Schuldentragf\u00e4higkeitsanalysen ist, dass sie Ihnen sagen, was Sie tun m\u00fcssen, um die Schuldenquote zu stabilisieren, aber gleichzeitig nichts dar\u00fcber aussagen, ob die Schulden bei 50 oder 500 Prozent des BIP stabilisiert werden sollten.<\/p>\n<p>Ein Vorteil, sich auf den Schuldendienst zu konzentrieren, ist, dass Sie damit eine nat\u00fcrlichere und weniger willk\u00fcrliche Art haben, Ziele zu setzen und sich die Ziele im Laufe der Zeit selbst anpassen, wenn sich die Zinss\u00e4tze ver\u00e4ndern.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Ihr Vorschlag, die Zinszahlungen zu deckeln, konzentriert sich auf die Festlegung einer Obergrenze f\u00fcr die Fiskalpolitik. Er beschreibt an sich nicht, was das Ziel der Fiskalpolitik sein sollte. Was sollte Ihrer Meinung nach das Ziel von Fiskalpolitik sein?<\/h6>\n<p>In der Fiskalpolitik geht es vor allem um wirtschaftliches Wohlergehen, einschlie\u00dflich der Bereitstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter (z.B. Infrastruktur und der Rechtsstaat), sowie die Verteilung von Ressourcen. Die Bewertung der Fiskalpolitik h\u00e4ngt also nicht nur von Defiziten, Schulden und Zinszahlungen ab, sondern auch davon, wie sie diesen Zielen dient. Wenn sich eine Politikma\u00dfnahme im Laufe der Zeit selbst finanziert, sollte man sie durchf\u00fchren. Und selbst wenn dies nicht der Fall ist und die Politikma\u00dfnahme schuldenfinanziert wird, kann es dennoch der Fall sein, dass sie langfristig das wirtschaftliche Wohlergehen erh\u00f6ht.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Sie sind nicht der gr\u00f6\u00dfte Anh\u00e4nger von Fiskalegeln, ganz zu schweigen von verfassungsrechtlichen Regeln (wie z.B. bei uns in Deutschland). Haben Sie keine Angst, dass ohne derartige Regeln die fiskalpolitischen Schleusentore ge\u00f6ffnet sind?<\/h6>\n<p>Fr\u00fcher war ich der Meinung, dass die Politik nur in eine Richtung Fehler macht, n\u00e4mlich in Richtung eines unverantwortlich hohen Anstiegs der Defizite, und dass daher Fiskalregeln eine n\u00fctzliche Rolle bei ihrer Einschr\u00e4nkung spielen k\u00f6nnten. In den letzten f\u00fcnfundzwanzig Jahren hat man jedoch viele Fehler in die entgegengesetzte Richtung gesehen: In den sp\u00e4ten 1990er Jahren haben PolitikerInnen in den Vereinigten Staaten z.B. exzessive Haushalts\u00fcbersch\u00fcsse erzielt, w\u00e4hrend zu viele allgemeine Bed\u00fcrfnisse nicht befriedigt wurden. Dar\u00fcber hinaus haben weltweit PolitikerInnen w\u00e4hrend der globalen Finanzkrise unzureichende fiskalische Stimuli gesetzt und dann zu schnell auf zu viel Austerit\u00e4t umgeschwenkt. Die grundlegende Pr\u00e4misse hinter Fiskalregeln ist also f\u00fcr viele L\u00e4nder falsch.<\/p>\n<p>Vielen Schwellenl\u00e4ndern w\u00fcrde ich zu fiskalischen Regeln raten, da sie oft keine glaubw\u00fcrdige Zahlungshistorie besitzen und auch nicht dasselbe Niedrigzinsproblem haben, was Sie in Deutschland oder wir in den Vereinigten Staaten sehen. F\u00fcr viele der Industriestaaten k\u00f6nnen Fiskalregeln jedoch eher ein Hindernis anstatt eines Antriebes f\u00fcr eine vern\u00fcnftige Wirtschaftspolitik sein.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich gilt, dass Fiskalregeln, wenn man sie hat, symmetrischer sein sollten. Das hei\u00dft, dass sie zu bestimmten Zeitpunkten gr\u00f6\u00dfere Defizite einfordern sollten oder, wie im Fall der USA, einen fiskalischen Stimulus automatisch ausweiten sollten, wenn dies aufgrund von Schocks erforderlich ist.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Der Status von Bundesanleihen als risikofreie Verm\u00f6genswerte erm\u00f6glicht es Deutschland, sich zu sehr niedrigen (derzeit sogar negativen) Zinsen zu verschulden. Dies scheint zum Teil auf das Vertrauen der Kreditgeber zur\u00fcckzuf\u00fchren zu sein. Brauchen wir nicht Regeln, um dieses Ma\u00df an Vertrauen aufrechtzuerhalten?<\/h6>\n<p>Frankreich hat ebenfalls negative risikofreie Zinsen und ist nicht wie Deutschland an die schwarze Null gebunden. Ganz allgemein sind niedrige Zinss\u00e4tze ein Problem. Sie erschweren die Handlungsf\u00e4higkeit der Geldpolitik und tragen zu Finanzblasen und finanzieller Instabilit\u00e4t bei. Ein etwas h\u00f6herer Gleichgewichtszins ist daher zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Wenn es eine Fiskalregel geben muss, w\u00e4re eine Zinskostenregel besser als eine Schulden- oder Defizitregel. Falls es doch eine explizite Schuldenregel sein muss, w\u00e4re es besser, das Schuldenziel periodisch auf Basis der Zinss\u00e4tze zu aktualisieren. Ich kenne keine einzige \u00d6konomIn, der oder die einen ausgeglichenen Haushalt als Zielsetzung f\u00fcr die Finanzpolitik unterst\u00fctzen w\u00fcrde.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Ein wiederkehrendes Thema in der deutschen Debatte \u00fcber Fiskalpolitik ist, dass wir die Interessen zuk\u00fcnftiger Generationen ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen. In Ihrem Papier mit Larry Summers argumentieren Sie, dass unsere F\u00e4higkeit, fiskalpolitische Entwicklungen \u00fcber einen Zeithorizont von mehr als zehn Jahren zu projizieren, jedoch sehr begrenzt ist. Wie sollte man in der Fiskalpolitik also \u00fcber k\u00fcnftige Generationen nachdenken?<\/h6>\n<p>Theoretisch sollte man \u00fcber Fiskalpolitik bis weit in die Zukunft nachdenken. Praktisch wird dies jedoch durch zwei Probleme erschwert: einerseits durch unsere begrenzten F\u00e4higkeiten, genaue Prognosen zu erstellen; andererseits durch die Tatsache, dass zuk\u00fcnftige PolitikerInnen fiskalpolitische Ver\u00e4nderungen vornehmen k\u00f6nnen. Beides deutet daher darauf hin, dass ein Blick, der zu weit in die Zukunft gerichtet ist, gegebenenfalls sogar zu Fehlentscheidungen f\u00fchren kann.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Die Kosten f\u00fcr den Schuldendienst h\u00e4ngen teilweise von den Zinss\u00e4tzen ab. Zentralbanken legen diese Zinss\u00e4tze fest oder beeinflussen sie zumindest. Gibt es Raum f\u00fcr eine verbesserte Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik?<\/h6>\n<p>Notenbanken sollten sich auf Inflation und Besch\u00e4ftigung konzentrieren, nicht auf fiskalpolitische Nachhaltigkeit. Fiskalische Dominanz w\u00e4re ein Fehler und ich erwarte nicht, dass sie in den Vereinigten Staaten oder in Europa Einzug h\u00e4lt. Ich denke allerdings, dass es grunds\u00e4tzlich einen gewissen Spielraum f\u00fcr mehr Koordination in Bezug auf die F\u00e4lligkeitsstruktur der Schulden gibt, denn wir haben oft erlebt, dass die Finanzministerien in eine Richtung dr\u00e4ngen und die Zentralbank in eine andere. Das ist allerdings eine eher technische Frage.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Sie waren einer der wichtigsten \u00d6konomen der Obama-Regierung und hatten daher das (Un-)Gl\u00fcck, konkrete Politikvorschl\u00e4ge zu machen. Was macht einen Politikvorschlag gut? Was bestimmt seinen Erfolg?<\/h6>\n<p>Es ist unfair von Ihnen, eine so schwierige Frage f\u00fcr den Schluss aufzuheben! Finanzpolitik sollte eine Kombination aus optimal, verst\u00e4ndlich und machbar sein. Den Haushalt auszugleichen ist definitiv verst\u00e4ndlich und im Falle Deutschlands (aber nicht der USA) auch erreichbar. Aber es ist sehr weit von optimal entfernt. Ich denke, das Ziel den Schuldendienst im Verh\u00e4ltnis zum BIP auf 2% zu begrenzen ist n\u00e4her am Optimum\u2014obwohl wir \u00fcber den richtigen Schwellenwert und dar\u00fcber, wie weit wir in die Zukunft projizieren sollten, diskutieren k\u00f6nnten\u2014und ich denke, es ist einigerma\u00dfen verst\u00e4ndlich und erreichbar.<\/p>\n<p>Letztendlich sollte die Rolle von \u00d6konomInnen darin bestehen, wirtschaftspolitischen Rat zu geben. PolitikerInnen m\u00fcssen diesen dann mit ihren Ansichten verbinden. Aber seit zu langer Zeit basierte dieser Ratschlag auf der Ansicht, dass Defizite aufgrund politischer Anreize chronisch zu hoch seien und dass dies der Wirtschaft schade. Wenn \u00fcberhaupt, dann ist heute in vielen L\u00e4ndern das Gegenteil der Fall.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h4>10 Questions to Jason Furman, englischer Originaltext:<\/h4>\n<ol>\n<li>\n<h6>Why should we rethink fiscal policy? Has the world changed? If so, what are the implications?<\/h6>\n<p>Thirty years ago a fundamental economic problem was that real interest rates were excessively high, deterring capital formation. Now the fundamental economic problem is the opposite\u2014real interest rates are too low, making it hard for the economy to reach an equilibrium with sufficient demand to support full employment and economic growth.<\/p>\n<p>This is the result of structural trends that have occurred across all the advanced economies for several decades. Low interest rates are not a mistaken choice by central banks, they were effectively thrust on central banks. They should cause us to rethink both how we ensure adequate economic demand overall and also fiscal sustainability in particular.<\/p>\n<p>None of this changes the fact that the debt ultimately needs to be sustainable. But it does say that the level of that debt should be very different from what you would have thought before.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>You are not a fan of debt-to-GDP ratios. Why?<\/h6>\n<p>The debt-to-GDP ratio is a misleading indicator because it takes a stock (debt, which is measured at a point in time) and compares it to a flow (GDP, which is measured over a period of time). If you look at the U.S. debt-to-GDP ratio for December 2020 it was over 1,000 percent while the debt-to-GDP ratio for the 2010s was about 10 percent. Which unit of time should we use for the denominator, a month, a year, a decade?<\/p>\n<p>In reality, no country will pay off its debt in a single year, it will always be paid off over time. That is why the stock-flow point is not just a cute observation but very important in understanding how debt-to-GDP ratios mean different things at different points in time. When interest rates are lower it is easier to rollover debt and pay it off over time.<\/p>\n<p>The biggest problem with debt-to-GDP ratios is that people treat them as an invariant yardstick, like temperature where 25 degrees Celsius was hot thirty years ago and is hot today. But in reality, debt-to-GDP is a changing yardstick and 60 percent debt-to-GDP in 1992 had a very different meaning than it has today.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>If a set debt-to-GDP ratio is not the right north star for fiscal policy making, what factors should we consider?<\/h6>\n<p>It is important to have a north star for fiscal policymaking. Larry Summers and I propose focusing on the ratio of real debt service to GDP. That is, take interest payments, subtract the portion of the debt inflated away, and divide by GDP. This is an analytically meaningful measure because it compares a flow (interest) to a flow (GDP) both of which can be measured over the same period of time.<\/p>\n<p>This measure does, however, have two shortcomings. Like the debt-to-GDP ratio it is essentially backward looking, telling you about past fiscal imbalances but not future ones. Second (and unlike debt-to-GDP measures) it can be volatile depending on what is happening to interest rates in the current moment. As a result it is important to look at projections of this measure over time, like a period of a decade or so ahead.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>You argue that real interest payments should not exceed 2 percent of annual GDP over the next decade. Why 2 and not 1 or 5 percent?<\/h6>\n<p>I admit this threshold is somewhat arbitrary. It comes from the observation that many advanced economies have often had this level of real debt service in the past without encountering any obvious problems. So it seems to have been fine.<\/p>\n<p>I should say that this measure is much less arbitrary than debt-to-GDP ratios. One of the problems with debt sustainability analysis is it tells you what you need to do in order to stabilize the debt but does not tell you anything about whether debt should be stabilized at 50 percent of GDP or 500 percent of GDP.<\/p>\n<p>An advantage of focusing on debt service is it gives you a more natural and less arbitrary way of setting targets and the target adjusts over time as interest rates adjust.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Your suggestion of capping interest rate payments focuses on determining an upper bound for fiscal policy. It does not by itself describe what the goal of fiscal policy should be. What should be the goal of fiscal policy in your opinion?<\/h6>\n<p>Fiscal policy is about economic well being, including public goods like law and infrastructure and the distribution of resources. Evaluating fiscal policy depends not just on deficits, debt and interest payments, but also how it is serving these goals. If a policy is going to pay for itself over time one should do it. Even if it does not it may still raise well being even if done in a debt-financed manner.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>You are not the biggest fan of fiscal rules, not even speaking of fiscal rules as part of the constitution (which we have in Germany). Are you not worried about the floodgates opening without rules in place?<\/h6>\n<p>I used to think that policymakers only made errors in one direction, which is irresponsibly large increases in deficits, and so that rules could play a useful role in constraining discretion. Over the last twenty-five years, however, one has seen many errors in the opposite direction. Politicians in the late 1990s in the United States running excessive budget surpluses while needs went unmet. Politicians around the world doing insufficient fiscal stimulus in the global financial crisis and then pivoting too quickly to too much austerity. So the entire premise of rules is wrong for many countries.<\/p>\n<p>I would advise many emerging markets to have rules because they do not have credible track records and also do not have the same low interest rate problem you have in Germany or we have in the United States. But for many advanced economies these rules can be more of an obstacle to sensible economic policymaking than an impetus for them.<\/p>\n<p>Moreover, if one has fiscal rules they should be more symmetric, effectively requiring larger deficits at certain points of time or, in the case of the United States, automatically expanding fiscal stimulus when it is needed based on triggers.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>The status of Bunds as risk free assets allows Germany to borrow at very low (currently even negative) rates. Part of this seems due to the trust of lenders. Do we not need rules to sustain this level of trust?<\/h6>\n<p>France also has negative risk free rates and it does not have the a commitment to the black zero like Germany does. More broadly, low interest rates are a problem. They make it harder for monetary policy to act and contribute to financial bubbles and financial instability. A somewhat higher equilibrium interest rate should be welcomed.<\/p>\n<p>If you must have a rule, it would be better to have a debt service rule than a debt or a deficit rule. Or if you must have a debt rule, the debt target itself should be periodically updated based on interest rates. I do not know any economists who would support a balanced budget as an objective for fiscal policy.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>One recurrent theme of the German debate on fiscal policy is that we need to consider the interests of future generations. In your paper with Larry Summers, you argue that our ability to project fiscal policy developments anywhere beyond a time horizon of ten years is very limited. What is the right way to think about future generations when it comes to fiscal policy?<\/h6>\n<p>Analytically one should think about fiscal policy far in the future. Practically this has two problems: our ability to make accurate forecasts and also the fact that future politicians can make fiscal changes. Both of these suggest that looking far in the future may even lead to mistaken choices.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>Debt service costs partly depend on interest rates. Central banks set or at least influence interest rates. Is there space for improved coordination between monetary and fiscal policy?<\/h6>\n<p>The central bank should be focused on inflation and employment not on fiscal sustainability. Fiscal dominance is a mistake and I do not expect it to happen in the United States or Europe. I do think there is some room for more coordination around the maturity structure of the debt because we have often seen finance ministries pushing one way and the central bank another. But that is more technical.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h6>You were one of the key economists of the Obama administration and were hence (un)fortunate enough to make concrete policy proposals. What makes a policy proposal good? What determines its success?<\/h6>\n<p>It is unfair of you to save such a huge question for last! Fiscal policy should be a combination of optimal, understandable and achievable. Balancing the budget is definitely understandable and in the case of Germany (but not the United States) achievable. But it is very far from optimal. I think the debt service to GDP goal is closer to optimal\u2014although we could debate the right threshold and how far in the future we should project\u2014and I think it is reasonably understandable and achievable.<\/p>\n<p>Ultimately the role of economists should be to give economic advice and politicians need to combine that with their views. For too long that advice has been based on the view that deficits are chronically too high because of political incentives and this is hurting the economy. If anything today the opposite is true in many countries.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em>Der <strong>Dezernatsbrief<\/strong> ist ein zweiw\u00f6chentlicher Kommentar zu aktuellen Fragen der deutschen und europ\u00e4ischen \u00d6konomie. \u00dcber Feedback und Anregungen freuen wir uns und erbitten deren Zusendung an info[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<hr>\n\n\n<p><strong>In den Medien:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Letzte Woche wurde Philippa vom&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/innovationweek\/75-ideen\/interview-direktorin-der-denkfabrik-dezernat-zukunft-niemand-sollte-sich-verachtet-fuehlen\/27153706.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Handelsblatt interviewt<\/a>, im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/innovationweek\/jubilaeumsausgabe-das-sind-die-innovationen-die-deutschland-voranbringen-und-die-koepfe-hinter-ihnen\/27108978.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">75-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums<\/a>&nbsp;der Zeitung. Wir freuen uns sehr, laut der Handelsblattredaktion eine der \u201eeinflussreichsten Frauen ihrer Generation in Deutschland\u201d in unseren Reihen zu haben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr den Ausblick<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Am 26.5. wird Philippa beim Forum New Economy unsere Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine neue deutsche Finanzpolitik vorstellen. Unser Panel ist von 15:00 Uhr bis 16:30, zur Aufzeichnung geht es <a href=\"https:\/\/newforum.org\/en\/event\/viii-new-paradigm-workshop\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir freuen uns, Eckhardt Rehberg, Sprecher des Haushaltsauschusses des Bundestags, zu unserem n\u00e4chsten Stammtisch (27.5. um 19:00) begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Bitte beachten: diese Veranstaltung wird unter der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chatham_House_Rule\">Chatham House Rule<\/a> stattfinden. Zur Anmeldung geht es <a href=\"https:\/\/forms.office.com\/Pages\/ResponsePage.aspx?id=hZLfH-PbvEiNU68UWpg9izzQwb-1fXVFv9rg_wXVfetUNjgxTDFCVVlZWDhISjhPVTRHU1JIV1ZXSy4u\">hier<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und zum Abschluss: Wir freuen uns weiterhin \u00fcber <a href=\"mailto:info@dezernatzukunft.org?subject=Feedback%20Webseite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Feedback<\/a> zu unserer neuen <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/\">Webseite<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jason Furman, heute Professor in Harvard, war Barack Obamas oberster Wirtschaftsberater und z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Wirtschaftsexperten der USA. Zusammen mit Larry Summers hat er vor kurzem ein Papier ver\u00f6ffentlicht, das eine grundlegende Neuausrichtung der Fiskalpolitik vorschl\u00e4gt. 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