{"id":8702,"date":"2021-05-27T13:32:02","date_gmt":"2021-05-27T11:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8702"},"modified":"2023-04-13T13:38:49","modified_gmt":"2023-04-13T11:38:49","slug":"mit-hochdruck-zum-erfolg-gastbeitrag-von-jean-pisani-ferry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/mit-hochdruck-zum-erfolg-gastbeitrag-von-jean-pisani-ferry\/","title":{"rendered":"Mit Hochdruck zum Erfolg \u2013 Gastbeitrag von Jean Pisani-Ferry"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Pisani-Ferry\">Jean Pisani-Ferry<\/a> ist der Lehrstuhlinhaber des Tommaso Padoa Schioppa Lehrstuhls am European University Institute. Er ist au\u00dferdem Senior Fellow bei Bruegel, einem europ\u00e4ischen Think Tank, und Non-Resident Senior Fellow am Peterson Institute (Washington DC), sowie Professor f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften an der Sciences Po (Paris). Im Jahr 2017 trug er zu Emmanuel Macrons Pr\u00e4sidentschaftskandidatur als Direktor f\u00fcr Programmatik und Konzepte seiner Wahlkampagne bei.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Meinungsbeitrag forderte er vor kurzem, mit ordentlich Dampf im Kessel aus der Pandemie zu kommen. Finanz- und Wirtschaftspolitik sollen so lange expansiv bleiben, bis der Arbeitsmarkt zum vor-Pandemieniveau zur\u00fcckgekehrt ist und der Aufschwung Wurzeln geschlagen hat. Das Risiko, durch verfr\u00fchtes Sparen Substanz zu zerst\u00f6ren, sei gr\u00f6\u00dfer als die Risiken von Inflation oder Staatsverschuldung.<\/p>\n\n\n\n<p>Pisani-Ferrys Beitrag wurde von uns ins Deutsche und Englische (siehe unten) \u00fcbersetzt, der franz\u00f6sische Originaltext wurde Ende M\u00e4rz in <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2021\/03\/27\/jean-pisani-ferry-la-meilleure-strategie-pour-effacer-les-sequelles-de-la-crise-sanitaire-c-est-de-placer-l-economie-en-regime-de-haute-pression_6074646_3232.html\">Le Monde<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die vergessenen Tugenden einer Hochdruck-Wirtschaft<\/strong><br><em>Jean Pisani-Ferry<\/em><\/p>\n<p>Trotz der Kontroversen \u00fcber die fiskalische Gr\u00f6\u00dfe der Biden-Pl\u00e4ne kristallisiert sich derzeit in den USA ein neuer Konsens heraus: Die beste Strategie, um die Folgen der Gesundheitskrise zu bew\u00e4ltigen und die schweren sozialen Probleme des Landes zu lindern, ist, wirtschaftlich f\u00fcr reichlich Dampf im Kessel zu sorgen. Mit anderen Worten: die Wirtschaft durch Nachfrage unter Hochdruck zu setzen.<\/p>\n<p>Diese Idee ist nicht neu. Arthur Okun, ein keynesianischer \u00d6konom und ehemaliger Berater von US Pr\u00e4sident Lyndon B. Johnson, formulierte sie bereits in den fr\u00fchen 1970er Jahren. Aber sie ist aktuell: Janet Yellen, ehemalige Fed-Vorsitzende und heutige US-Finanzministerin, brachte sie in einem <a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/research\/former-fed-chair-janet-yellen-on-why-the-answer-to-the-inflation-puzzle-matters\/\">Vortrag Ende 2019 wieder ins Spiel<\/a>. Ebenso sichtbar inspiriert das Konzept auch Jerome Powell, den Vorsitzenden der Federal Reserve.<\/p>\n<p>Worum geht es also bei dieser Idee? Seit einem <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210417105110\/http:\/\/itech.fgcu.edu\/faculty\/bhobbs\/Milton%20Friedman%20The%20Role%20of%20Monetary%20Policy.pdf\">ber\u00fchmten Vortrag<\/a> von Milton Friedman aus dem Jahr 1968 fu\u00dft die Geld- und Finanzpolitik im Allgemeinen auf der Idee, dass es eine \u201enat\u00fcrliche Arbeitslosenquote\u201c gibt, die man nur um den Preis einer steigenden Inflation und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Sch\u00e4den unterschreiten kann. Wenn dieser Schwellenwert erreicht wird, muss das Wachstum also vorsorglich verlangsamt werden, um eine \u00dcberhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Dieses vorbeugende Abbremsen wird seit den 1980er Jahren regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt, mit dem Ergebnis, dass sich eine zu niedrige Inflation eingependelt hat, aus der wir seit Jahren nicht herauskommen.<\/p>\n<p>Okuns These \u2013 die er im Jahr 1973, wenige Jahre nach dem Vortrag von Friedman, entwickelte \u2013 besagt dagegen, dass Fiskalpolitik es auf den Versuch ankommen lassen muss, die Arbeitslosenquote so weit zu senken, dass Arbeitskr\u00e4fteknappheit herrscht. Dieser Zustand erfordert von Unternehmen einen gewissen Mehraufwand bei der Einstellung und Ausbildung von Fachkr\u00e4ften, bringt aber diejenigen zur\u00fcck in Besch\u00e4ftigung, die sonst am weitesten davon entfernt sind: Langzeitarbeitslose, Menschen, die sich ganz vom Arbeitsmarkt zur\u00fcckgezogen haben, Geringqualifizierte und Minderheiten. Im Erfolgsfall winkt eine doppelte Belohnung: ein erh\u00f6htes Produktionspotenzial \u2013 2 bis 3 Punkte BIP f\u00fcr jeden Punkt Arbeitslosigkeitsreduzierung, sagte Okun \u2013 und eine signifikante Besserstellung der am meisten Benachteiligten.<\/p>\n<p>Jenseits des Atlantiks nie ganz in Vergessenheit geraten, ist die Idee heute wieder en vogue. Im letzten Sommer hat die Federal Reserve ihre <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/monetarypolicy\/review-of-monetary-policy-strategy-tools-and-communications-statement-on-longer-run-goals-monetary-policy-strategy.htm\">geldpolitische Strategie<\/a> \u00fcberarbeitet. Sie zielt nun darauf ab, den <em>R\u00fcckstand<\/em> der Besch\u00e4ftigung relativ zu ihrem maximal erreichbaren Wert zu minimieren. Diese explizit asymmetrische Formulierung bedeutet, dass die mit einem zu hohen Besch\u00e4ftigungsniveau verbundenen Inflationsrisiken als weniger gravierend angesehen werden als die, die durch ein zu niedriges Besch\u00e4ftigungsniveau bef\u00fcrchtet werden. Powell betonte in seiner <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/newsevents\/speech\/powell20200827a.htm\">Einf\u00fchrung der neuen Strategie<\/a> explizit die Vorteile eines straffen Arbeitsmarktes f\u00fcr &#8220;einkommensschwache Gruppen&#8221;, insbesondere ethnische Minderheiten.<\/p>\n<p>Anfang 2020, vor dem Corona-Schock, waren diese Vorteile bereits gut sichtbar. W\u00e4hrend die Arbeitslosenquote f\u00fcr Afro-Amerikaner und Personen ohne h\u00f6heren Bildungsabschluss 2009, im Nachgang der globalen Finanzkrise, f\u00fcnf Punkte \u00fcber der durchschnittlichen Arbeitslosenquote lag, betrug dieser Abstand Anfang 2020 nur noch zweieinhalb Punkte. Gleichzeitig stiegen die Erwerbsquoten und die L\u00f6hne im unteren Bereich deutlich schneller als im Durchschnitt. Trumps ungez\u00fcgelte Expansion hatte die von Okun vorhergesagten Effekte bewirkt.<\/p>\n<p>Eine k\u00fcrzlich erschienen Studie<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> untersucht, ob diese und \u00e4hnliche Effekte systematisch auftauchen. Die Ergebnisse unterst\u00fctzen Okuns These: Nicht nur korreliert die zus\u00e4tzliche Arbeitslosigkeit, unter der benachteiligte Arbeitnehmer*innen leiden, mit dem Konjunkturzyklus,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> sondern \u2013 viel wichtiger \u2013 Episoden, in denen besonders viel Dampf in der Wirtschaft ist, scheinen f\u00fcr sie besonders g\u00fcnstig zu sein. Es k\u00f6nnte sogar sein, dass solche makro\u00f6konomische Episoden das Los der benachteiligten Bev\u00f6lkerungsgruppen nachhaltig verbessern: Es g\u00e4be dann eine positive <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hysterese_(Wirtschaftswissenschaft)\"><em>Hysterese<\/em><\/a>; positiv in dem Sinne, dass eine Person, die durch ein paar Quartale hohen Nachfragedrucks wieder in Arbeit gebracht wird, danach dazu neigt, dort zu bleiben, selbst wenn sich die Situation wieder normalisiert.<\/p>\n<p>Das ist der entscheidende Punkt: Wenn es eine Hysterese bei der Arbeitslosigkeit oder Nichterwerbst\u00e4tigkeit gibt, haben sowohl Rezessionen als auch Hochdruckepisoden anhaltende (aber nicht ewigdauernde) Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigung und das Wirtschaftspotenzial. Obwohl oft erw\u00e4hnt, zum Beispiel von <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2017\/html\/ecb.sp170519.en.html\">Beno\u00eet Coeur\u00e9<\/a>, als er Mitglied des EZB-Direktoriums war, oder von <a href=\"https:\/\/pubs.aeaweb.org\/doi\/pdfplus\/10.1257\/jep.32.1.97\">Olivier Blanchard<\/a> in einem Artikel aus dem Jahr 2018, wurde diese Hypothese nie definitiv best\u00e4tigt. Aber sie bleibt hinreichend wahrscheinlich, um die Risiken einer Hochdruckwirtschaft in Kauf zu nehmen.<\/p>\n<p>Dies gilt insbesondere f\u00fcr den Euroraum, bei dem seit langem wenig Druck im Kessel ist. Angst vor Inflation, Furcht vor Defiziten sowie Koordinationsprobleme haben zusammen dazu gef\u00fchrt, dass die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Eurozone regelm\u00e4\u00dfig das Risiko hoher Arbeitslosigkeit und des Verlustes an wirtschaftlicher Substanz dem der \u00dcberhitzung vorzieht. Dies war insbesondere nach 2008 der Fall, mit dem hinl\u00e4nglich bekannten Ergebnis. Es w\u00e4re str\u00e4flich, in diesen Trott erneut zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>Die Bedingungen sind reif, um das umgekehrte Experiment zu versuchen. Abgesehen von einigen wenigen Sektoren hat der Corona-Schock unser wirtschaftliches Potenzial wahrscheinlich nicht permanent beeintr\u00e4chtigt; die St\u00e4rke der Erholung im letzten Sommer und die bemerkenswerte Widerstandsf\u00e4higkeit der Unternehmensinvestitionen zeugen davon. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr ist nicht die Inflation, sondern ein nachhaltiger R\u00fcckgang der Inflationserwartungen. Die Zinsen liegen deutlich unter dem Wachstum, was Verschuldung au\u00dfergew\u00f6hnlich g\u00fcnstig macht. Schlie\u00dflich wurde der Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt ausgesetzt, was den Mitgliedsstaaten der Eurozone einen selten dagewesenen Handlungsspielraum gibt.<\/p>\n<p>Eine Hochdruckwirtschaft zu wagen bedeutet nicht, dass wir um jeden Preis expansiv sein m\u00fcssen. Es w\u00fcrde zun\u00e4chst ausreichen, wenn sich die Wirtschaftspolitik das durchaus vern\u00fcnftige Ziel setzen w\u00fcrde, so lange expansiv zu bleiben wie es n\u00f6tig ist, um die Auswirkungen des Pandemieschocks auf die Besch\u00e4ftigung vollst\u00e4ndig zu beseitigen, die Inflation nachhaltig auf das 2%-Ziel zur\u00fcckzubringen und die Wirtschaft auf den Pfad eines robusten, arbeitsplatzschaffenden Wachstums zu setzen. Die Europ\u00e4ische Zentralbank folgt dieser Logik bereits. Es liegt nun an den Mitgliedstaaten und dem Rat der Finanzminister sich ihrerseits zu verpflichten, auch ihren Teil zu tun.&nbsp;<\/p>\n<p><\/p>\n<p><strong>Englischer Original Text: The Forgotten Virtues of a High-Pressure Economy \u2013 by Jean Pisani-Ferry, programmatic director of Emmanuel Macron\u2019s 2017 election campaign<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pisani-ferry.org\/biopics\">Jean Pisani-Ferry<\/a> holds the Tommaso Padoa Schioppa chair of the European University Institute. He is a Senior Fellow at Bruegel, a Brussels-based think tank, and a Non-Resident Senior Fellow at the Peterson Institute (Washington DC). He is also a professor of economics at Sciences Po (Paris). In 2017, he was the Director of programme and ideas for Emmanuel Macron\u2019s presidential bid.<\/p>\n<p>Pisani-Ferry&#8217;s article has been translated by us into German and English. The original French text was published in <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2021\/03\/27\/jean-pisani-ferry-la-meilleure-strategie-pour-effacer-les-sequelles-de-la-crise-sanitaire-c-est-de-placer-l-economie-en-regime-de-haute-pression_6074646_3232.html\">Le Monde<\/a> at the end of March.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>The Forgotten Virtues of a High-Pressure Economy<\/strong><br><em>Jean&nbsp;Pisani-Ferry<\/em>&nbsp;<\/p>\n<p>Despite controversies over the scale of President Biden\u2019s fiscal plans, a new consensus is currently emerging in the US: the best strategy to deal with the consequences of the health crisis and to alleviate the country&#8217;s severe social problems is to put the economy under high pressure.<\/p>\n<p>This idea is not entirely new: Arthur Okun, a Keynesian economist and former advisor to US President Lyndon B. Johnson, formulated it in the early 1970s. But it is back in fashion: Janet Yellen, a former Fed chair and now the US Treasury Secretary, <a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/research\/former-fed-chair-janet-yellen-on-why-the-answer-to-the-inflation-puzzle-matters\/\">brought it back into play in a talk in late 2019.<\/a> Visibly, the concept also inspires Jerome Powell, the current chairman of the Federal Reserve.&nbsp;<\/p>\n<p>So what is the idea of a high pressure economy about? Since a famous <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210417105110\/http:\/\/itech.fgcu.edu\/faculty\/bhobbs\/Milton%20Friedman%20The%20Role%20of%20Monetary%20Policy.pdf\">lecture<\/a> by Milton Friedman in 1968, the monetary and fiscal policy of most advanced economies has largely been based on the idea of a &#8220;natural rate of unemployment&#8221; that can only be undercut at the cost of rising inflation. If and when this threshold is reached, growth must be slowed down to prevent the economy from overheating. Such preventive economic slow-downs have been performed regularly since the 1980s, with the result that inflation has settled at an alarmingly low level from which we have not been able to recover in recent years.<\/p>\n<p>Okun&#8217;s thesis, in contrast \u2014 stated in 1973, a few years after Friedman&#8217;s lecture \u2014 is that policy should experiment with how far the unemployment rate can be lowered, with the aim of running the economy in a state of labour scarcity. Such a situation requires that companies undertake additional efforts to hire and train workers, but it helps reintegrate into employment those who are furthest from it: The long-term unemployed, people who have withdrawn from the labour market entirely, low-skilled employees and workers belonging to ethnic and other minorities. If successful, the rewards are twofold: increased potential GDP \u2014 by 2 to 3 percentage points for every percentage point of lasting unemployment decline, Okun estimated \u2014 and a significant improvement of the fate of the most disadvantaged.<\/p>\n<p>Never quite forgotten on the other side of the Atlantic, the idea is now back in fashion. Last summer, the Federal Reserve revised its <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/monetarypolicy\/review-of-monetary-policy-strategy-tools-and-communications-statement-on-longer-run-goals-monetary-policy-strategy.htm\">monetary policy strategy<\/a>. It now aims to minimise the <em>shortfall <\/em>in employment relative to its maximum achievable level. This explicitly asymmetric framing implies that the inflation risks associated with too high a level of employment are considered less severe than those arising from too low a level. In his <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/newsevents\/speech\/powell20200827a.htm\">presentation<\/a> of the new strategy, Powell explicitly emphasised the benefits of a tight labour market for \u201clow-income groups\u201d, especially ethnic minorities.<\/p>\n<p>Such benefits were visible in early 2020, before the Corona crisis hit. While in 2009, in the aftermath of the global financial crisis, the unemployment rate for African-Americans and those without a high school degree was five points higher than the average unemployment rate, by early 2020 this gap had shrank to only two and a half points. At the same time, labour force participation rates had increased and low wages were rising much faster than the average. Trump&#8217;s reckless expansion had produced the effects predicted by Okun.<\/p>\n<p>A recent study<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> investigates whether these effects hold more generally. Its results support Okun: first, the excess unemployment of disadvantaged workers is correlated with the business cycle;<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> second and importantly, they seem to benefit particularly strongly from high pressure episodes. Odds are that such macroeconomic episodes <em>lastingly<\/em> improve the situation of disadvantaged groups in the long run. This would mean that there is positive <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hysteresis_(economics)\">hysteresis<\/a>: A person reintegrated into the labour market during a period of high demand pressure may keep on participating in it, even after the situation has returned to normal.<\/p>\n<p>This is key: if unemployment and labour market participation exhibit hysteresis, both recessions and high-pressure episodes can have persistent (but not everlasting) effects on employment and economic potential. Although this hypothesis was repeatedly mentioned, for example by <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2017\/html\/ecb.sp170519.en.html\">Beno\u00eet Coeur\u00e9<\/a> when member of the ECB Executive Board, or by <a href=\"https:\/\/pubs.aeaweb.org\/doi\/pdfplus\/10.1257\/jep.32.1.97\">Olivier Blanchard<\/a> in a 2018 article, it has never been definitively proven. However, it remains sufficiently likely to make the risks of a high-pressure economy acceptable.<\/p>\n<p>This holds particularly true for the euro area, where there has been little economic pressure and significant slack for a long time. Inflation aversion, fear of deficits, and coordination problems have combined in such a way that economic policy in the euro area regularly chose the risk of high unemployment and a loss of economic potential over the risk of overheating. This was particularly evident after 2008, with the consequence of a double dip recession. It would be criminal to relapse into the same pattern.<\/p>\n<p>Conditions nowadays are ideal to experiment with the opposite strategy. Apart from in a few sectors, the Corona shock has probably not caused any permanent damage to our economic potential; the strength of last summer&#8217;s recovery and the remarkable resilience of business investment are indicative in this regard. In this situation, the biggest threat is not inflation but a sustained decline in inflation expectations. Interest rates are well below the growth rate, making debt exceptionally cheap. Finally, the Stability and Growth Pact has been suspended, giving euro-area member states unprecedented room for manoeuvre.&nbsp;<\/p>\n<p>To experiment with a high-pressure economy does not imply an all-out expansion. For now, it would suffice for economic policy to set itself the perfectly reasonable goal of remaining expansionary for as long as it takes to fully eliminate the employment impact of the pandemic shock, bring inflation back to the 2% target on a sustainable basis, and put the economy on a robust, job-creating growth path. The European Central Bank is already following this logic. It is now up to the member states and the Council of Finance Ministers to commit to doing their part as well.<\/p>\n<p><\/p>\n<hr>\n<h4><strong> Fu\u00dfnoten <\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Stephanie Aaronson, Mary Daly, William Wascher und David Wilcox, \u201c<a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Okun-Revisited-Who-Benefits-Most-From-a-Strong-Economy.pdf\">Okun Revisited: Who Benefits Most From a Strong Economy?<\/a>\u201d, Brookings Papers on Economic Activity, M\u00e4rz 2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Sprich die <em>L\u00fccke<\/em> zwischen der durchschnittlichen Arbeitslosenquote, und der Arbeitslosenquote von Geringverdienern, Niedrigqualifizierten und anderweitig Benachteiligten ist in einer Rezession besonders hoch, im Aufschwung hingegen geringer. In einer Rezession sind Benachteiligte daher doppelt betroffen: zus\u00e4tzlich zum Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosenquote steigt auch noch der Abstand zwischen dieser Quote und der Arbeitslosenquote in ihrem Segment.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Stephanie Aaronson, Mary Daly, William Wascher und David Wilcox, \u201c<a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Okun-Revisited-Who-Benefits-Most-From-a-Strong-Economy.pdf\">Okun Revisited: Who Benefits Most From a Strong Economy?<\/a>\u201d, Brookings Papers on Economic Activity, M\u00e4rz 2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> In other words, the <em>gap<\/em> between the average unemployment rate and the unemployment rate of low-wage earners, the low-skilled and the otherwise disadvantaged is particularly high in a recession, but lower in an upswing. In a recession, the disadvantaged are therefore affected twice: in addition to the increase in the average unemployment rate, the gap between this rate and the unemployment rate in their relative segment also increases.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em>Der <strong>Dezernatsbrief<\/strong> ist ein zweiw\u00f6chentlicher Kommentar zu aktuellen Fragen der deutschen und europ\u00e4ischen \u00d6konomie. \u00dcber Feedback und Anregungen freuen wir uns und erbitten deren Zusendung an info[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><strong>In den Medien:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/deutschland-wirtschaft-investitionen-1.5303900?reduced=true\">\u201eInvestitionen braucht das Land\u201c<\/a> hat die S\u00fcddeutsche Zeitung am 25.5. von unseren Vorschl\u00e4gen f\u00fcr eine <strong>neue deutsche Finanzpolitik<\/strong> berichtet. Wir freuen uns \u00fcber die gute Zusammenfassung und stimmen zu: \u201eGeht es nach Philippa Sigl-Gl\u00f6ckner und ihren Kollegen der Denkfabrik &#8220;Dezernat Zukunft&#8221;, sollte die Ausgabenpolitik auf eine komplett neue Basis gestellt werden\u201c.<\/li>\n<li>Am 26.5. hat Philippa diese Vorschl\u00e4ge beim <strong>Forum New Economy <\/strong>vorgestellt<strong>.<\/strong>&nbsp;Das Video davon gibt es <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8JsJettA49I?t=4240\">hier<\/a>, unser Panel f\u00e4ngt bei ca. 1:10h an. Das Papier, in dem wir diese Vorschl\u00e4ge entwickeln, wird in K\u00fcrze erscheinen. Wir werden die Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.us18.list-manage.com\/subscribe?u=e80f99448e2133d2d0099e4cb&amp;id=2a7db2a8a7\">unseren Newsletter<\/a> bekannt geben.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>F\u00fcr den Ausblick<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>Interview mit Jung &amp; Naiv wurde verschoben, wir geben den neuen Termin bekannt, sobald wir mehr wissen &#8211; Am <del>7.6., 19:45 Uhr<\/del> ist Philippa bei <strong>Jung &amp; Naiv<\/strong> zu Gast. Wir sind wahnsinnig gespannt und freuen uns sehr. Livestream und Video werden <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCv1WDP5EiipMQ__C4Cg6aow\">hier<\/a> zu finden sein.<\/li>\n<li>Wir freuen uns, <strong>Eckhardt Rehberg MdB<\/strong>, haushaltspolitischer Sprecher der CDU\/CSU-Fraktion im Bundestag, zu unserem Stammtisch heute Abend begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Bitte beachten: diese Veranstaltung wird unter der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chatham_House_Rule\">Chatham House Rule<\/a> stattfinden und erforderte eine vorherige Registrierung.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Pisani-Ferry ist der Lehrstuhlinhaber des Tommaso Padoa Schioppa Lehrstuhls am European University Institute. Er ist au\u00dferdem Senior Fellow bei Bruegel, einem europ\u00e4ischen Think Tank, und Non-Resident Senior Fellow am Peterson Institute (Washington DC), sowie Professor f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften an der Sciences Po (Paris). 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