{"id":8700,"date":"2021-06-10T16:16:59","date_gmt":"2021-06-10T14:16:59","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8700"},"modified":"2024-12-19T12:02:04","modified_gmt":"2024-12-19T11:02:04","slug":"was-ist-zukunftsfahigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/was-ist-zukunftsfahigkeit\/","title":{"rendered":"Was ist Zukunftsf\u00e4higkeit?"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:12px\"><strong><a href=\"mailto:max.krahe@dezernatzukunft.org\">Max Krah\u00e9<\/a><\/strong>, <strong>Pola Schneemelcher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist acht Tage her, da hat Wolfgang Sch\u00e4uble in der <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/640d084b-7b13-4555-ba00-734f6daed078\">Financial Times<\/a> f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zu ausgeglichenen Haushalten geworben, um wachsende Schuldenberge und drohende Inflation abzuwenden und so Europas Zukunft zu sichern. Rasche <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ojblanchard1\/status\/1400543609707978752\">Antworten<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/fiscalfuture_de\/status\/1400424883608227842\">Reaktionen<\/a> verdeutlichen, dass das dem Artikel zugrundeliegende Verst\u00e4ndnis zukunftsf\u00e4higer Finanzen von der Geschichte \u00fcberholt wurde. Die Sparpolitik der 2010er Jahre ist vor allem international an ihren eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen gescheitert: Die durchschnittliche Schuldenquote in Europa ist durch Haushaltskonsolidierung angestiegen, nicht zur\u00fcckgegangen (Fat\u00e1s and Summers <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0022199617301411\">2018<\/a>).<a href=\"#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Doch wenn die Ma\u00dfst\u00e4be der 1990er \u2013 das Jahrzehnt, in dem der Fokus auf Schuldenquoten und Haushaltskonsolidierung vorherrschend wurde \u2013 nicht mehr als Ma\u00dfstab f\u00fcr Zukunftsf\u00e4higkeit funktionieren, woran kann die Qualit\u00e4t und Nachhaltigkeit von Fiskalpolitik heutzutage festgemacht werden? Gerade jetzt, da Parteien und PolitikerInnen sich f\u00fcr die n\u00e4chste Bundestagswahl warmlaufen, ist es wichtig, klare Kriterien zu haben, um finanzpolitische Vorschl\u00e4ge einordnen zu k\u00f6nnen. In diesem Dezernatsbrief erkl\u00e4ren wir erst, warum die alten Ma\u00dfst\u00e4be \u00fcberholt sind, und legen dann neue Standards vor, mit denen die Zukunftsf\u00e4higkeit der Wahlprogramme beurteilt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><h4>Doppelte \u00dcberholung: Schuldenquote und Sparen<\/h4><\/p>\n\n\n\n<p>Die Tragf\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen, so hie\u00df es lange, sei an der <strong>Schuldenquote<\/strong> zu messen. Ist diese niedrig, insbesondere unter 60%, kann die Zukunft kommen. Ist sie hoch, muss die Finanzpolitik <strong>sparen<\/strong>, um damit die Schuldenquote zu senken und die Zukunftsf\u00e4higkeit zur\u00fcckzuerlangen. Doch beide Komponenten sind heute \u00fcberholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst die <strong>Schuldenquote: <\/strong>Eine niedrige Schuldenquote korrespondiert heute nicht mehr mit der langfristigen Tragf\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen. Positiv gesehen ist eine niedrige Schuldenquote nicht mehr <em>notwendig<\/em>, um Finanzen zukunftsf\u00e4hig zu machen. Der <a href=\"https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/-\/media\/boe\/files\/working-paper\/2020\/eight-centuries-of-global-real-interest-rates-r-g-and-the-suprasecular-decline-1311-2018.pdf\">langfristige R\u00fcckgang des Zinsniveaus<\/a> hat die tats\u00e4chlichen Kosten der Verschuldung gesenkt. Wie Olivier Blanchard <a href=\"https:\/\/www.aeaweb.org\/articles?id=10.1257\/aer.109.4.1197\">2019<\/a> zeigte, stabilisiert sich die Schuldenquote automatisch, also auch ohne die Erwirtschaftung ausgeglichener Haushalte, solange die Zinsen auf Staatsanleihen unterhalb des Wachstums der Volkswirtschaft liegen.<a href=\"#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt ist eine niedrige Schuldenquote heute nicht mehr <em>hinreichend<\/em>, um die zuk\u00fcnftige Tragf\u00e4higkeit des Haushalts sicherzustellen. Langfristig ist dies in Verbindung mit dem Klimawandel erkennbar: Eine niedrige Schuldenquote wendet diesen nicht ab; wenn er jedoch nicht abgewendet oder drastisch gebremst wird, entstehen zahlreiche Langfristrisiken f\u00fcr Wirtschaft und Haushalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz- und mittelfristig verdeutlicht ein Blick in die Verzahnung von Arbeitsmarkt und Haushalt, dass eine niedrige Schuldenquote alleine nicht mehr hinreichend ist: trotz oberfl\u00e4chlich guter Arbeitslosenzahlen verdienen heute knapp 22% der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten nur einen Niedriglohn. Knapp 6 Mio. Menschen arbeiten unn\u00f6tig Teilzeit, 4,5 Mio. sind geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte und 0,8 Mio. Personen befinden sich in Arbeitsmarktma\u00dfnahmen oder haben einen vergleichbaren Sonderstatus. Gleichzeitig sind wir mit der demografischen Herausforderung einer alternden Gesellschaft konfrontiert. \u00dcber alle Sicherungssysteme hinweg betrachtet stehen so <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210728051717\/https:\/\/www.econstor.eu\/handle\/10419\/185616\">f\u00fcnf erwerbst\u00e4tigen Personen drei gegen\u00fcber<\/a>, die auf Transferleistungen angewiesen sind. Die Ergebnisse sind im Haushalt zu erkennen: Weil viele zu wenig f\u00fcr eine gute Rente verdienen, macht der <strong>Zuschuss zur Rentenversicherung<\/strong> bereits jetzt knapp ein <strong>Drittel<\/strong> des gesamten Bundeshaushalts aus (siehe Abbildung). Tendenz steigend. Doch eine niedrigere Schuldenquote kann heute nur noch wenig leisten, um diese Tendenz zu bremsen: Zinsausgaben machen seit Jahren weniger als f\u00fcnf Prozent des Haushalts aus. Selbst wenn man sie v\u00f6llig eliminieren w\u00fcrde, w\u00fcrde bereits ein geringer weiterer Anstieg des Zuschusses zur Rentenversicherung den freigewordenen Platz im Haushalt in Anspruch nehmen.<a href=\"#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Dies war in den 1990ern und 2000ern anders, als die Zinsausgaben bis zu 15% des Haushalts in Anspruch nahmen und drohten schnell weiter anzuwachsen. Doch die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Chart-DZ-Brief-16.png\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Abbildung: Zinskosten vs. Zuschuss zur allgemeinen Rentenversicherung in % des Bundeshaushalts, Sollzahlen f\u00fcr 2020<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches gilt in Bezug auf <strong>Sparen <\/strong>bei der Ausgabe von Staatsanleihen. Im Kontext niedriger Zinsen ist dies nicht mehr f\u00f6rderlich f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Tragf\u00e4higkeit \u00f6ffentlicher Finanzen (Auerbach und Gorodnichenko <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/system\/files\/working_papers\/w23789\/w23789.pdf\">2017<\/a>, F\u00e1tas und Summers <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0022199617301411\">2018<\/a>). Im Gegenteil, indem stark konsolidierende Haushalte dem Arbeitsmarkt Nachfrage entziehen \u2013 welche die Geldpolitik an der Nullzinsgrenze nicht mehr durch weitere wirtschaftsbeschleunigende Zinssenkungen ausgleichen kann \u2013 werden Tendenzen zur Unterauslastung verst\u00e4rkt, was f\u00fcr mehr Teilzeit, Minijobs, Niedriglohnarbeit und \u00c4hnliches sorgt. Das Verdiente reicht f\u00fcr die Rente nicht, die Zusch\u00fcsse aus dem Bundeshaushalt wachsen weiter. Ebenso f\u00fchrt eine Unterauslastung der wirtschaftlichen Kapazit\u00e4ten dazu, dass diese Kapazit\u00e4ten im Laufe der Zeit dauerhaft <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0022199617301411\">schrumpfen<\/a>, was die Basis zuk\u00fcnftiger Steuereinnahmen langfristig besch\u00e4digt. Zuletzt und mit Blick auf die \u00fcber den Haushalt hinausgehende allgemeine gesellschaftliche Zukunftsf\u00e4higkeit ist festzuhalten, dass die internationale Konsolidierungspolitik des letzten Jahrzehnts zu wachsender Armut, Ungleichheit und Unsicherheit <a href=\"https:\/\/www.social-protection.org\/gimi\/gess\/RessourcePDF.action?ressource.ressourceId=53192\">beigetragen hat<\/a>, sowie die Bew\u00e4ltigung des Klimawandels nicht beschleunigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><h4>Drei zeitgem\u00e4\u00dfe Alternativen: Gro\u00dfaufgaben, Vollauslastung und die Zinsquote<\/h4><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Schuldenquote und Haushaltskonsolidierung nicht mehr gute Finanzpolitik definieren, woran genau ist gute Finanzpolitik dann festzumachen? Wir schlagen drei Kriterien vor: ob sie zur L\u00f6sung der <strong>Gro\u00dfaufgaben<\/strong> unserer Zeit beitr\u00e4gt, <strong>Vollauslastung<\/strong> herstellt und auf eine wechselnde <strong>Zinsquote <\/strong>reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den <strong>Gro\u00dfaufgaben <\/strong>unserer Zeit verstehen wir insbesondere die Dekarbonisierung der Wirtschaft und die Bew\u00e4ltigung des demographischen Wandels. Eine Finanzpolitik, die keine Antworten darauf gibt, wie sie die L\u00f6sung dieser Aufgaben unterst\u00fctzen will, ist nicht zukunftsf\u00e4hig. Um dieses Kriterium anzuwenden, werden wir insbesondere auf das Thema Investitionen achten, wobei es hier sowohl um ein angemessenes Volumen (und dessen Finanzierung), als auch um ad\u00e4quate Ausrichtung und effektive Umsetzung, geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: Im Kontext dieser Gro\u00dfaufgaben ist die Herstellung von <strong>Vollauslastung<\/strong> ein essentielles Merkmal guter Finanzpolitik. Unter Vollauslastung verstehen wir einen Wirtschaftszustand, in dem alle produktiven Kapazit\u00e4ten zum Einsatz kommen und alle, die wollen und k\u00f6nnen, die M\u00f6glichkeit haben, mit eigener Arbeit ihren Lebensunterhalt und ihre Rente zu verdienen. Vollauslastung ist heute aus zwei Gr\u00fcnden ein n\u00fctzlicher Ma\u00dfstab f\u00fcr gute Finanzpolitik:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Erstens wird die rasche Dekarbonisierung der Wirtschaft die volle Mobilisierung unserer Kapazit\u00e4ten erfordern. Unterauslastung k\u00f6nnen wir uns nicht leisten, wenn Deutschland bis 2045 oder fr\u00fcher klimaneutral werden soll. Gleichzeitig schafft ein vollausgelasteter Arbeitsmarkt die soziale Sicherheit, die notwendig ist, um den Strukturwandel mehrheitsf\u00e4hig zu machen.<\/li><li>Zweitens ist Vollauslastung wichtig, um den demographischen Wandel zu bew\u00e4ltigen. Gute Arbeit und gute L\u00f6hne schaffen eine geringe Abh\u00e4ngigkeitsquote und sorgen f\u00fcr Sozialversicherungen, die sich ohne Zusch\u00fcsse aus dem Bundeshaushalt selbst tragen. Die R\u00fcckkoppelung Haushalt-Konjunktur, Konjunktur-Haushalt wurde im letzten Jahrzehnt so deutlich, dass Jason Furman und Lawrence Summers nun argumentieren (<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220806060221\/http:\/\/www.piie.com\/system\/files\/documents\/furman-summers2020-12-01paper.pdf\">S. 13<\/a>), dass Staaten es sich heute nicht leisten k\u00f6nnen, <em>keine <\/em>expansive Fiskalpolitik zu betreiben. Die langfristigen Effekte von wirtschaftlichem Substanzverlust, welche durch einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Fokus auf Schuldenminimierung verursacht werden k\u00f6nnen, h\u00e4tten einen sehr viel gr\u00f6\u00dferen Effekt auf das Defizit als die Zinskosten der Neuverschuldung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Um dieses Kriterium anzuwenden, werden wir insbesondere darauf achten, was die Parteien als makro\u00f6konomische Ziel(e) ihrer Finanzpolitik benennen und ob sie entsprechende Vorschl\u00e4ge pr\u00e4sentieren. Dabei geht es unter anderem auch darum, wie sie planen mit der Schuldenbremse umzugehen. Denn in ihrer jetzigen Ausgestaltung f\u00fchrt die Schuldenbremse dazu, dass die Wirtschaft immer dann ausgebremst werden muss, sobald sie sich der Vollauslastung ann\u00e4hert.<a href=\"#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Dies lie\u00dfe sich auf verschiedene Weisen korrigieren, zum Beispiel \u00fcber eine Anpassung der einfachgesetzlich geregelten Berechnungsmethoden im \u201eGetriebe\u201c der Schuldenbremse oder, mit h\u00f6heren politischen H\u00fcrden, einer Verfassungsreform.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies bringt uns zum letzten Kriterium f\u00fcr gute Finanzpolitik heute: ein <strong>Alarmsystem<\/strong>, das rechtzeitig ausl\u00f6st, wenn sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr Finanzpolitik wieder grundlegend \u00e4ndern sollten. Der Wandel, der die alten Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Zukunftsf\u00e4higkeit \u00fcberholt hat, war vor allem ein R\u00fcckgang des Zinsniveaus. Dies hat die tats\u00e4chlichen Kosten, die die Verschuldung im Haushalt verursacht, sprich die Zinsausgaben, erheblich abgesenkt. Weil sich die Lage in Zukunft jedoch wieder \u00e4ndern k\u00f6nnte, gilt es Zinsen und insbesondere die <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/zinsquoten-statt-schuldenquoten\/\"><strong>Zinsquote<\/strong><\/a>, also das Verh\u00e4ltnis zwischen Zinskosten und dem Haushalt, im Blick zu behalten. Bei der Analyse der Wahlprogramme werden wir darauf achten, ob die jeweiligen Vorschl\u00e4ge ein solches oder \u00e4hnliches Alarmsystem beinhalten, um der Kontextabh\u00e4ngigkeit guter Finanzpolitik Rechnung zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p><h4>Bald ist Wahl<\/h4><\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. September ist Bundestagswahl. Die Mehrzahl der Wahlprogramme ist bereits ver\u00f6ffentlicht, der Prozess der politischen Meinungsbildung in vollem Gange. Diesen wollen wir unterst\u00fctzen, indem wir die hier beschriebenen Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Finanzpolitik in der Praxis anwenden. Daf\u00fcr werden wir einerseits eine <strong>Reihe von Fachgespr\u00e4chen<\/strong> veranstalten: \u201e<strong>Reden wir \u00fcber Geld<\/strong> <strong>\u2013 die Wahlprogramme im Finanzpolitischen Check<\/strong>\u201c. In dieser Reihe werden wir \u2013 so die Terminkalender und Kapazit\u00e4ten es erm\u00f6glichen \u2013 mit FinanzexpertInnen aller demokratischen Parteien \u00fcber ihre Programme reden. Los geht es mit Sven Kindler vom B\u00fcndnis 90\/die Gr\u00fcnen am 24.6 um 19 Uhr. Andererseits werden wir im Laufe des Sommers eine Ver\u00f6ffentlichung herausgeben, in der wir die entsprechenden Wahlprogramme unter die <strong>finanzpolitische Lupe <\/strong>nehmen. Damit, so hoffen wir, k\u00f6nnen wir eine Hilfe leisten bei der Identifikation zukunftsf\u00e4higer Finanzpolitik in diesem Wahljahr.<\/p>\n\n\n<hr>\n<h4><strong> Fu\u00dfnoten <\/strong><\/h4>\n<p><\/p>\n\n\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eIn summary, using the calibration of DeLong and Summers (2012) adapted to European countries and supplemented with our estimates of the permanent effects of the 2009\u201311 fiscal episode we find very strong support for the conclusion that the fiscal consolidations during those years were self-defeating\u201d (Fat\u00e1s and Summers 2018, siehe auch Auerbach und Gorodnichenko <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/system\/files\/working_papers\/w23789\/w23789.pdf\">2017<\/a> und House et al. <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/system\/files\/working_papers\/w23147\/w23147.pdf\">2017<\/a>).<\/p>\n<p>\n\n\n\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Genauer: Solange die Zinsen auf Staatsanleihen geringer als das volkswirtschaftliche Wachstum sind (r &lt; g) f\u00fchren selbst permanente Prim\u00e4rdefizite nicht zu einer Schuldenspirale. Mathematisch gesprochen wird, wenn r &lt; g, aus einer exponentiellen oder konvexen Funktion, die ins Unendliche ansteigt, eine konkave Funktion, die sich asymptotisch einer festen Zahl ann\u00e4hert. Ein h\u00f6heres Prim\u00e4rdefizit verschiebt dann nur noch die Zahl, an die die Schuldenquote sich asymptotisch ann\u00e4hert, kann jedoch keine exponentielle Spiral mehr ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>\n\n\n\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Diese Problematik steht unter anderem auch im Hintergrund des <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Ministerium\/Veroeffentlichung-Wissenschaftlicher-Beirat\/wissenschaftlicher-beirat-vorschlaege-reform-gutachten.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=14\">k\u00fcrzlich erschienenen Gutachtens<\/a> des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie zur Zukunft der Gesetzlichen Rentenversicherung.<\/p>\n<p>\n\n\n\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Genauer gesagt: sobald die Arbeitslosenquote unter die <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/schuldenbremse-101\/#NAWRU\">NAWRU<\/a> f\u00e4llt und die Produktionsl\u00fccke negativ wird, also das tats\u00e4chlich erwartete BIP gr\u00f6\u00dfer als das errechnete <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/schuldenbremse-101\/#Produktionspotenzial\">Produktionspotenzial<\/a> ist, wird \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/schuldenbremse-101\/#Konjunkturkomponente\">Konjunkturkomponente<\/a> die rechtlich zul\u00e4ssige <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/schuldenbremse-101\/#Nettokreditaufnahme\">Nettokreditaufnahme<\/a> (NKA) gek\u00fcrzt. Eine geringere NKA bedeutet eine geringere gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was wiederum den Arbeitsmarkt und die gesamtwirtschaftliche Auslastung ausbremst.<\/p>\n<p>\n\n\n<p><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em>Der <strong>Dezernatsbrief<\/strong> ist ein zweiw\u00f6chentlicher Kommentar zu aktuellen Fragen der deutschen und europ\u00e4ischen \u00d6konomie. \u00dcber Feedback und Anregungen freuen wir uns und erbitten deren Zusendung an info[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><strong>In den Medien:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>In der <strong>FAZ<\/strong> wurde heute ein <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/spd-oekonomin-sigl-gloeckner-kaempft-gegen-die-schuldenbremse-17380926.html\">Profil<\/a> von Philippa und dem Dezernat ver\u00f6ffentlicht. Wir f\u00fchlen uns sehr geehrt, dort so prominent vorzukommen, und empfehlen es zur Lekt\u00fcre!<\/li>\n<li>Am 26.5. pr\u00e4sentierte Philippa <strong>unsere Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine neue deutsche Finanzpolitik<\/strong>. Ihr Vortrag fand im Rahmen des Workshops \u201e<a href=\"https:\/\/newforum.org\/the-state\/weg-von-der-schuldenbremse-hin-zu-einer-flexibleren-fiskalpolitik\/\">Weg von der Schuldenbremse \u2013 hin zu einer flexibleren Fiskalpolitik?<\/a>\u201c statt, veranstaltet vom Forum New Economy. Das Video, die Folien und eine Kurzzusammenfassung des Papiers gibt es <a href=\"https:\/\/newforum.org\/the-state\/weg-von-der-schuldenbremse-hin-zu-einer-flexibleren-fiskalpolitik\/\">hier<\/a>, das Papier selbst wird in naher Zukunft beim Forum New Economy ver\u00f6ffentlicht.<\/li>\n<li>In den letzten Wochen war Philippa in zwei <strong>Podcasts<\/strong> zu h\u00f6ren: beim <a href=\"https:\/\/hauptstadt-bericht.eu\/vollauslastung-oder-schuldenbremse-philippa-sigl-gloeckner-im-gespraech\/\">Hauptstadt-Bericht<\/a>, einem Podcast aus Br\u00fcssel f\u00fcr die Schweiz, erkl\u00e4rte Philippa, weshalb wir uns aktuell keine Sorgen \u00fcber zu hohe Staatsschulden machen m\u00fcssen. Bei <a href=\"https:\/\/www.thepioneer.de\/originals\/der-achte-tag\/podcasts\/welche-ziele-kann-finanzpolitik-haben?reason=paid&amp;reduced=true\">Der Achte Tag<\/a>, ein Interview-Podcast aus Berlin von The Pioneer, sprach sie dar\u00fcber, welche Ziele Finanzpolitik haben k\u00f6nnte und sollte.<\/li>\n<li>Zu guter Letzt haben Philippa und Max letzte Woche einen <a href=\"https:\/\/www.thepioneer.de\/originals\/others\/articles\/wie-eine-neue-finanzpolitik-aussehen-kann\">Artikel<\/a> bei <strong><em>The Pioneer<\/em><\/strong> ver\u00f6ffentlicht, in dem sie schildern, warum die Schuldenquote f\u00fcr eine andere Zeit als heute gemacht ist, und wie eine zukunftsf\u00e4hige Finanzpolitik heute aussehen k\u00f6nnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>F\u00fcr den Ausblick<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>Am 14.6. wird Max einen Vortrag bei den <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240221212814\/https:\/\/www.nachhaltigkeitsbuerofreiburg.de\/hochschultage-2021\/\">Hochschultagen f\u00fcr Nachhaltigkeit<\/a> der <strong>Universit\u00e4t Freiburg<\/strong> Max wird \u00fcber die Aufgaben und Reformoptionen eines nachhaltigen Finanzsystems sprechen. Zur Anmeldung geht es <a href=\"https:\/\/www.eventbrite.de\/e\/von-systemen-zu-investitionen-die-aufgabe-eines-nachhaltigen-finanzsystems-tickets-157536079655\">hier<\/a>.<\/li>\n<li>Philippas Auftritt bei <strong>Jung &amp; Naiv<\/strong> musste verschoben werden. Wir geben das neue Datum an gleicher Stelle bekannt. Wir sind weiterhin gespannt und freuen uns sehr. Livestream und Video werden <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCv1WDP5EiipMQ__C4Cg6aow\">hier<\/a> zu finden sein, wenn es soweit ist.<\/li>\n<li>Wir freuen uns ebenfalls, am 24.6. <strong>Sven Kindler<\/strong> <strong>MdB<\/strong>, haushaltspolitischer Sprecher der gr\u00fcnen Bundestagsfraktion, zu unserer Sonderserie \u201e<strong>Reden wir \u00fcber Geld<\/strong>\u201c begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Am 8.7. wird ihm <strong>Carsten Schneider MdB, <\/strong>Erster Parlamentarischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der SPD-Bundestagsfraktion, folgen. Mit den anderen demokratischen Parteien sind wir im Gespr\u00e4ch und hoffen bald, weitere Termine in dieser Reihe ank\u00fcndigen zu k\u00f6nnen (<a href=\"https:\/\/forms.office.com\/Pages\/ResponsePage.aspx?id=hZLfH-PbvEiNU68UWpg9izzQwb-1fXVFv9rg_wXVfetUREJTSk9ERkFOV0lKRjdERUIzSkU2TTJQVC4u\">hier<\/a> geht es zur Anmeldung).<\/li>\n<li><strong>Fiscal Futures<\/strong>, eine <a href=\"https:\/\/fiscalfuture.de\/\">neue \u00fcberparteiliche Vereinigung junger Menschen mit Interesse an Finanzpolitik<\/a>, startet n\u00e4chste Woche das Projekt \u201e(For a) European Fiscal Future\u201c. Die Kick-Off Veranstaltung findet am 15.6. von 18:30 bis 19:30 statt, mit Jakob von Weizs\u00e4cker (Chef\u00f6konom des Bundesministeriums der Finanzen) und Rasmus Andresen (Haushaltspolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen im Europaparlament), zur Frage \u201ewie k\u00f6nnen wir gemeinsam die Europ\u00e4ische Finanzarchitektur und -politik verbessern?\u201c. Zur Anmeldung geht es <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/forms\/d\/e\/1FAIpQLSdRNY6uvyux0Dpd-TfqAGemXpfVZ0OO5dlFddohMzG6T9_A4g\/viewform\">hier<\/a>.<\/li>\n<li>Morgen, Freitag, den 11. Juni um 15:00 Uhr l\u00e4d die OECD zum Webinar zu \u201cSustainable post-pandemic recovery and public finances \u2013 which institutions do we need?\u201d ein. Der Pr\u00e4sentation von Laurence Boone, Chef\u00f6konomin der OECD folgt eine Diskussion mit Christoph Badelt, Pr\u00e4sident des \u00f6sterreichischen Fiskalrats, Clemens Fuest, Pr\u00e4sident des Ifo Instituts, Michael H\u00fcther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Jan-Egbert Sturm, Direktor der schweizerischen KOF Konjunkturforschungsstelle und Philippa. Es moderiert Nicola Brandt von der OECD. Das Event findet auf Englisch statt, die Anmeldung findet sich&nbsp;<a class=\"c-link\" href=\"https:\/\/events.oecd-berlin.de\/108\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-stringify-link=\"https:\/\/events.oecd-berlin.de\/108\" data-sk=\"tooltip_parent\">hier<\/a>.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist acht Tage her, da hat Wolfgang Sch\u00e4uble in der Financial Times f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zu ausgeglichenen Haushalten geworben, um wachsende Schuldenberge und drohende Inflation abzuwenden und so Europas Zukunft zu sichern. Rasche Antworten und Reaktionen verdeutlichen, dass das dem Artikel zugrundeliegende Verst\u00e4ndnis zukunftsf\u00e4higer Finanzen von der Geschichte \u00fcberholt wurde. Die Sparpolitik der 2010er Jahre ist vor allem international an ihren eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen gescheitert: Die durchschnittliche Schuldenquote in Europa ist durch Haushaltskonsolidierung angestiegen, nicht zur\u00fcckgegangen (Fat\u00e1s and Summers 2018).<\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":4758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[161],"tags":[288,289,55,51,280,294,266],"class_list":["post-8700","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geldbrief-en","tag-climate-en","tag-economic-policy-en","tag-fiscal-policy","tag-klima","tag-mk-en","tag-ps-en","tag-wirtschaftspolitik-en"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Was ist Zukunftsf\u00e4higkeit? 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