{"id":8686,"date":"2021-09-16T01:59:00","date_gmt":"2021-09-15T23:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8686"},"modified":"2023-04-13T09:54:39","modified_gmt":"2023-04-13T07:54:39","slug":"diktatur-der-finanzminister-oder-doch-nur-ein-rundungsfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/diktatur-der-finanzminister-oder-doch-nur-ein-rundungsfehler\/","title":{"rendered":"Diktatur der Finanzminister oder doch nur ein Rundungsfehler?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong><a href=\"mailto:florian.kern@dezernatzukunft.org\">Florian Kern<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"thn_post_wrap\">\n<p>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>dies ist der erste \u201eGeldbrief\u201c aus meiner Feder, der Sie und Euch erreicht. Daher m\u00f6chte ich vorab erkl\u00e4ren, was der Geldbrief sein soll, warum wir ihn ins Leben gerufen haben und was wir mit ihm bezwecken.<\/p>\n<p>Im \u201eGeldbrief\u201c erkl\u00e4ren wir, was Finanzm\u00e4rkte bewegt und was das f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet: Von Geldpolitik \u00fcber Kryptow\u00e4hrungen, von Makrofaktoren bis hin zu technischen Marktdetails \u2013 gerade, wenn diese in Wirtschaft und Gesellschaft zur\u00fcckstrahlen.<\/p>\n<p>Die Institutionen, die das Denken des Westens rund um Finanzm\u00e4rkte und Geldpolitik bestimmen, haben sich ma\u00dfgeblich ver\u00e4ndert. Bis in die 90er Jahre versuchten Zentralbanken und von Experten geleitete supranationale Organisationen noch, sich als unfehlbare Entscheider zu pr\u00e4sentieren. Mit der Finanzkrise 2008 wurde jedoch offenkundig, dass einige Annahmen aus den 80er und 90er Jahren nicht zutreffend waren und dass Finanzm\u00e4rkte und ihr Zusammenspiel mit der Wirtschaft komplexer waren als zuvor gedacht. Aus dieser Einsicht heraus haben Institutionen eine moderne Fehlerkultur implementiert und verstanden, dass die Verk\u00f6rperung von Unfehlbarkeit sie unflexibel und Fehler wahrscheinlicher macht. Institutionen wie der <a href=\"https:\/\/ieo.imf.org\/\">IWF<\/a> oder die Weltbank verf\u00fcgen mittlerweile \u00fcber eigene \u201eindependent evaluation offices\u201c, die mit frischem Blick auf Positionen blicken, die zu ihrer Zeit mit bestem Wissen und Gewissen erstellt wurden, aber heute aus guten Gr\u00fcnden neu gefasst werden sollten.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Im Bewusstsein, dass eine positive Fehlerkultur und regelm\u00e4\u00dfige Politikevaluierung zu einem besseren Funktionieren von Institutionen f\u00fchren, wurden Institutionen offener und kommunizierten direkter mit der interessierten \u00d6ffentlichkeit. Der Chef-\u00d6konom der Bank of England, Andrew Haldane, <a href=\"https:\/\/www.bis.org\/review\/r170403e.pdf\">erkl\u00e4rte<\/a> in seiner Rede \u201eA little more conversation a little less action\u201c 2017 die Vorteile, die sich ergeben, wenn Zentralbanken und \u00f6ffentliche Institutionen st\u00e4rker in den Austausch mit der interessierten \u00d6ffentlichkeit gehen. Und auch die Vize-Pr\u00e4sidentin der Bundesbank, Claudia Buch, wird nicht m\u00fcde in ihren <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/en\/press\/speeches\/policy-evaluation-assessing-the-effects-of-post-crisis-financial-sector-reforms-799146\">Reden<\/a> zu betonen, wie wichtig es ist, politische Ma\u00dfnahmen m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig zu evaluieren um k\u00fcnftig noch bessere Entscheidungen f\u00e4llen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>An diesem Diskurs m\u00f6chten wir uns als Dezernat Zukunft beteiligen. Dabei sind wir unseren drei Kernwerten &#8211; W\u00fcrden, Wohlstand und Demokratie \u2013 verpflichtet. Wir wollen Debatten ansto\u00dfen, verst\u00e4ndlich erkl\u00e4ren und Annahmen hinterfragen. Mit dem Geldbrief m\u00f6chte ich zus\u00e4tzlich auch immer unterhaltsam sowie konstruktiv, subjektiv sowie freundlich sein \u2013 sodass Sie und Ihr genauso viel Spa\u00df an der Lekt\u00fcre wie ich beim Schreiben habt. Ich freue mich auf die spannende Zeit, die vor uns liegt und ganz besonders \u00fcber jedes Feedback!<\/p>\n<p>Mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen aus Berlin<\/p>\n<p>Florian Kern<\/p>\n<hr>\n<h4>Geldbrief Nummer 1: Diktatur der Finanzminister oder doch nur ein Rundungsfehler?<\/h4>\n<p>Es geht um die Zentralbankunabh\u00e4ngigkeit: ZEW-Autoren meinen in einer Studie zum Ergebnis zu kommen, \u201edass die Interessen der nationalen Finanzminister mit am Tisch des EZB-Rats vertreten sind, wenn dort die Entscheidungen \u00fcber die Geldpolitik fallen\u201c. So l\u00e4sst sich Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs \u201eUnternehmensbesteuerung und \u00d6ffentliche Finanzwirtschaft\u201c, in der <a href=\"https:\/\/www.zew.de\/presse\/pressearchiv\/unterstuetzung-im-ezb-rat-fuer-fortdauer-der-anleihekaeufe-kommt-von-den-vertretern-hoch-verschuldeter-euro-staaten\">Pressemitteilung<\/a> des Instituts zur Ver\u00f6ffentlichung der Studie zitieren. Wir zeigen jedoch, dass die Ergebnisse des ZEW stark von methodischen Entscheidungen der Autoren abh\u00e4ngen, die auch anders getroffen werden k\u00f6nnten. Die Aussage Prof. Dr. Heinemanns l\u00e4sst sich also nicht wissenschaftlich begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Autoren kommen in der Studie zum Ergebnis, es g\u00e4be eine R\u00fcckkopplungsschleife zwischen hoher nationaler Staatsverschuldung und geldpolitischen Entscheidungen der jeweiligen nationalen Notenbankpr\u00e4sidenten \u2013 nach dem Motto: \u201eWer hohe Schulden hat, will niedrige Zinsen und die Notenbankpr\u00e4sidenten sind willf\u00e4hrige Erf\u00fcllungsgehilfen ihrer Finanzminister\u201c. Dies sei nach Ansicht der Autoren ein starkes Indiz f\u00fcr fiskalische Dominanz, also f\u00fcr einen Zustand in welchem die Zentralbank nicht mehr unabh\u00e4ngig \u00fcber geldpolitische Entscheidungen befinden kann.<\/p>\n<p>W\u00fcrde diese Feststellung zutreffen, dann w\u00e4re ein Zustand eingetreten, in dem st\u00e4rker verschuldete Staaten die Europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge missachteten, in welchen u. A. die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbanken vorgeschrieben ist (<a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/ecb\/pdf\/orga\/escbstatutes_en.pdf\">Artikel 7<\/a> im Statut des Eurosystems). Zentralbankpr\u00e4sidenten in diesen Staaten w\u00e4ren lediglich Marionetten ihrer Finanzminister und w\u00fcrden ebenfalls die Europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge missachten. So verpflichtet Artikel 127 Abs. 1 AEUV das Eurosystem, auf Preisstabilit\u00e4t hinzuwirken, und Preisstabilit\u00e4t definiert das Eurosystem wiederum als eine Inflationsrate von 2% \u00fcber die mittlere Frist in der Eurozone. Auch das in <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/pdf\/other\/ecbinstitutionalprovisions2004de.pdf?1ea0df766ef46382c09cb700f0406529\">Artikel 10<\/a> der Satzung des ESZB und der EZB festgehaltene \u201cein-Mitglied-eine-Stimme-Prinzip&#8221; weist darauf hin, dass die NZB-Pr\u00e4sidenten im Sinne des ganzen Eurosystems denken sollen. Andernfalls w\u00e4re nicht zu erkl\u00e4ren, weshalb auf eine Gewichtung von Stimmrechten verzichtet wurde. W\u00fcrden nationale Zentralbankpr\u00e4sidenten also auf Weisung ihrer nationalen Finanzminister handeln, wie das ZEW nahelegt, l\u00e4ge ein Rechtsbruch vor und die Legitimation geldpolitischer Entscheidungen im Eurosystem w\u00e4re angegriffen.<\/p>\n<p>Angesichts der Schwere der Vorw\u00fcrfe ist ein besonderes Ma\u00df an wissenschaftlicher Sorgfalt gefragt, bevor man solche Thesen mit der Reputation eines so renommierten Forschungsinstituts wie des ZEW ver\u00f6ffentlicht. Insbesondere sollten die Ergebnisse, auf die man sich beruft, methodenstabil sein, das hei\u00dft nicht von arbitr\u00e4ren individuellen Entscheidungen der Autoren bez\u00fcglich der Methoden abh\u00e4ngen. Wenn in der VWL methodische Entscheidungen von potentiell gro\u00dfer Tragweite getroffen werden, dann erkl\u00e4ren Autoren h\u00e4ufig in einer Fu\u00dfnote, dass sie parallel auch diese oder jene andere Methode getestet haben und dass sie daher wissen, dass ihre Ergebnisse eben nicht von der Methode abh\u00e4ngen.<strong> Das ist in der ZEW-Studie leider unterblieben.<\/strong><\/p>\n<p>Konkret sammeln die Autoren Zitate von Notenbankchefs, anhand welcher sie die Notenbanker als \u201eFalke\u201c, \u201eTaube\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> oder neutral einordnen. In einem zweiten Schritt wird dann \u00fcberpr\u00fcft, ob die scheinbaren \u201eFalken\u201c oder \u201eTauben\u201c eher aus Staaten mit hoher Schuldenquote im Verh\u00e4ltnis zum BIP kommen. Dabei begrenzen sich die Autoren auf Zitate aus dem Zeitraum von Mitte M\u00e4rz bis Mitte Juni 2021, was dazu f\u00fchrt, dass f\u00fcr lediglich einen Pr\u00e4sidenten (Robert Holzmann von der \u00d6sterreichischen Nationalbank) einer nationalen Zentralbank mehr als eine Quelle zur Verf\u00fcgung stand, an welcher die Einordnung in eine der drei Kategorien stattfand. So reicht den Autoren etwa die Aussage \u201eYields are rising, but they\u2019re rising from low levels\u201d, \u201cWe\u2019re watching it, and we will continue watching it closely, but I personally don\u2019t see it as anything dramatic for now\u201d um den Pr\u00e4sidenten der Slowakischen Zentralbank Peter Kazimir als Falken einzuordnen. Zentralbanken beobachten M\u00e4rkte immer sehr genau. Selbst wenn die Aussage, wie von den Autoren erkl\u00e4rt, w\u00e4hrend einer zweiten oder dritten Welle in manchen Mitgliedsstaaten getroffen wird, scheint sie unzureichend f\u00fcr die folgenreiche Einordnung Kazimirs als Falken (die Slowakei hat eine relativ niedrige Schuldenquote, sodass eine entsprechende Einordnung Kazimirs im Umkehrschluss vermeintlich die statistische Signifikanz der Ergebnisse des ZEW erh\u00f6ht). Der portugiesische Notenbankpr\u00e4sident Mario Centeno wird hingegen zur Taube erkl\u00e4rt, da er aussagte: \u201cAll analyses in the euro area, the U.S. and other jurisdictions indicate that the phenomena associated with inflation are of a temporary nature\u201d. Eine Aussage, die sich in \u00e4hnlicher Form auch etwa im Monatsbericht der Bundesbank von August 2021 oder in Reden von Fed-Pr\u00e4sident Powell findet.<\/p>\n<p>Um die Robustheit der Ergebnisse der ZEW-Studie zu pr\u00fcfen haben wir den Beobachtungszeitraum verl\u00e4ngert und f\u00fcr die Notenbankpr\u00e4sidenten aller Staaten nach Zitaten in Bloomberg, der Financial Times und in Reden auf der Homepage der jeweiligen nationalen Zentralbanken nach weiteren Zitaten gesucht. <strong>Weitet man so die Datenbasis aus, kann man bei acht NZB-Pr\u00e4sidenten eine andere Einstufung vornehmen (unsere alternativen Einstufungen mit Begr\u00fcndung finden sich <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20210908-Alternative-Einstufungen.pdf\">hier<\/a>, die Daten zur \u00dcberpr\u00fcfung <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20210908-Geldbrief-Alternative-Einstufung.xlsx\">hier<\/a>)<\/strong><strong>. Im Ergebnis kann dann ein Zusammenhang zwischen hoher Staatsverschuldung und der geldpolitischen Ausrichtung von Notenbankgouverneuren nicht mehr festgestellt werden. <\/strong><\/p>\n<p>Staatsverschuldung je nach Kategorie, Geldbrief vs. ZEW<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref2\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2693 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Grafik-5.png\" alt=\"\" width=\"563\" height=\"209\"><\/strong><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2693 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Grafik-8.png\" alt=\"\" width=\"563\" height=\"195\"><\/strong><\/p>\n<p>Streicht man die beiden Extremwerte aus der Analyse, ein durchaus \u00fcbliches Vorgehen in statistischen Analysen (Griechenland mit einer Staatsverschuldung von \u00fcber 200% zum BIP und Estland mit einer Verschuldung von unter 20% zum BIP), zeigt sich noch weniger ein Zusammenhang zwischen der Zuordnung von NZB-Pr\u00e4sidenten in Kategorien und der Staatsverschuldung.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2693 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Grafik-5.png\" alt=\"\" width=\"603\" height=\"224\"><\/strong><\/p>\n<p>Die ZEW-Autoren erkl\u00e4ren, dass sie sich auf den Zeitraum seit M\u00e4rz 2021 beschr\u00e4nken, da sich ab dann der wirtschaftliche Ausblick durch Impfungen verbesserte und so langfristige strategische Ausblicke der Notenbankpr\u00e4sidenten klarer wurden, die nicht mehr von einer unmittelbaren Krisenintervention wie im M\u00e4rz 2020 getrieben sind. W\u00e4hrend diese Argumentation ein \u00fcberzeugender Grund f\u00fcr ein Weglassen von Aussagen von M\u00e4rz 2020 bis M\u00e4rz 2021 w\u00e4re, erscheint sie kein hinreichender Grund, um Aussagen der NZB-Pr\u00e4sidenten seit ihrer Nominierung bis M\u00e4rz 2020 zu ignorieren. Ohnehin sind weitreichende Kategorisierungen von Notenbankern in drei Kategorien anhand eines einzelnen Zitates problematisch. Im Anschluss daran mit einer Stichprobe von unter 20 Beobachtungen (also die Anzahl nationaler Notenbankpr\u00e4sidenten) die mittleren Schuldenquoten pro Kategorie auszurechnen und daraus zu schlie\u00dfen, die europ\u00e4ischen Finanzminister s\u00e4\u00dfen \u201cmit am Tisch\u201d, wenn geldpolitische Entscheidungen im EZB-Rat getroffen werden, ist bereits unwissenschaftlich. Dass unsere \u00dcberpr\u00fcfung der Einstufung auch noch zeigt, dass selbst die Einstufung in die Kategorien an sich fraglich und vom (sehr kurzen) Beobachtungszeitraum abh\u00e4ngig ist, wirft kein gutes Licht auf das ZEW.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref3\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<h4><strong>2. Ein Blick auf die Finanzm\u00e4rkte<\/strong><\/h4>\n<p>Texte und Argumente sind gut, aber als \u00d6konominnen und \u00d6konomen lieben wir auch Zahlen. Daher zeigen wir im Anschluss an unseren Geldbrief auch ausgew\u00e4hlte Finanzmarktdaten, die aus unserer Sicht wichtig sind, um geld- und fiskalpolitische Argumente einzuordnen. Aus diesen kann man etwa erkennen, dass die Finanzm\u00e4rkte die Geldpolitik der Fed als lockerer als die des Eurosystems einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<h5><strong>Aus Sicht der Finanzm\u00e4rkte ist der erwartete geldpolitische Kurs in den USA lockerer als im Euroraum<\/strong><\/h5>\n<p>Friedrich Merz <a href=\"https:\/\/www.finanzen.at\/nachrichten\/aktien\/merz-ezb-sollte-nullzinspolitik-beenden-und-den-usa-und-japan-folgen-1030800652\">kritisierte<\/a> am 15. September die EZB: &#8220;Die EZB muss sich der Kritik ihrer gegenw\u00e4rtigen Zinspolitik stellen. Die Amerikaner, die Japaner beginnen sie langsam wieder etwas zur\u00fcckzunehmen. Die EZB nicht. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Ersparnisse, auf die Renten&#8221;. Zun\u00e4chst einmal umfasst das Mandat des Eurosystems nicht stabile Renten, sondern stabile Preise. Aber auch ansonsten legen Finanzmarktdaten nicht den Schluss nahe, dass das Eurosystem der USA folgen sollte oder gar auf einem besonders lockeren geldpolitischen Kurs unterwegs w\u00e4re.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst hilft ein Blick auf die Zinserwartungen in den USA&nbsp;(siehe Grafik). Hier sieht man die marktimpliziten forward rates f\u00fcr ein Jahr. Jeder Punkt auf dem Graph zeigt an, wie hoch die Zinserwartungen an den Finanzm\u00e4rkten f\u00fcr die Anlage von Geld in x-Jahren f\u00fcr ein Jahr ist. An den Finanzm\u00e4rkten wird also erwartet, dass der Zinssatz f\u00fcr eine Anlage von einem Jahr in Euro in 5 Jahren zum ersten Mal ins Positive dreht.1 Es f\u00e4llt dabei auf, dass die Zinserwartungen in den USA tats\u00e4chlich deutlich h\u00f6her sind als im Euroraum.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2693 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Yield-curves-2-v3-1.png\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"388\"><\/strong><\/p>\n<h5><strong>Hat Merz also recht und wird die EZB an den Finanzm\u00e4rkten etwa als zu zur\u00fcckhaltend eingesch\u00e4tzt?<\/strong><\/h5>\n<p>Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die marktimpliziten mittelfristigen Inflationserwartungen. Diese liegen im Euroraum bei 1,73% f\u00fcr den sogenannten 5y5y Swap \u2013 In den USA liegen sie zum Vergleich bei 2,36%. An den Finanzm\u00e4rkten wird also nicht nur davon ausgegangen, dass die Zinsen in den USA fr\u00fcher steigen \u2013 sondern gleichzeitig auch, dass die Inflation in den USA trotzdem h\u00f6her ausfallen wird. Umgekehrt l\u00e4sst sich sagen: W\u00fcrden die Finanzm\u00e4rkte davon ausgehen, dass die erwartete Zinspolitik, die sich in den Zinserwartungen ausdr\u00fcckt, zu niedrig sind, dann l\u00e4gen die marktimpliziten Inflationserwartungen h\u00f6her. Die Finanzm\u00e4rkte widersprechen also Friedrich Merz in seiner Einsch\u00e4tzung, dass die EZB die Zinsen st\u00e4rker erh\u00f6hen und sich ein Beispiel an der Fed nehmen sollte.<\/p>\n<h5><strong>Wie kann das sein? <\/strong><\/h5>\n<p>Zinsen sind eben nicht der einzige ausschlaggebende Faktor f\u00fcr Inflation und Inflationserwartungen \u2013 sie sind lediglich der einzige Faktor, den die Zentralbank direkt steuern kann. Die Fed und das Eurosystem haben es aber mit unterschiedlichen Volkswirtschaften und unterschiedlicher Fiskalpolitik zu tun. Ob die Zentralbank eine \u201clockere\u201d oder \u201cstrenge\u201d Zinspolitik f\u00e4hrt, kann also nicht nur am Zinsniveau festmachen. Stattdessen muss man das Zinsniveau im Verh\u00e4ltnis zum Zustand der Volkswirtschaft betrachten.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref3\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ein Gedankenexperiment: W\u00fcrde die Fiskalpolitik in einem W\u00e4hrungsraum zum Beispiel eine deutliche Expansion ank\u00fcndigen, w\u00fcrden entweder die Zinserwartungen steigen, oder, wenn die Zentralbank glaubhaft ank\u00fcndigen w\u00fcrde, dass sie die Zinsen trotzdem nicht erh\u00f6ht, die Inflationserwartungen. Wenn die Inflationserwartungen aber ohnehin schon unterhalb des Zielwerts liegen, dann kann man zumindest nicht behaupten, dass die M\u00e4rkte in der Eurozone gerade schnellere Zinserh\u00f6hungen empfehlen als man aus den marktimpliziten Zinserwartungen ablesen kann. Die Finanzm\u00e4rkte sind also auch \u2013 anders als das ZEW \u2013 nicht der Ansicht, dass man es in der Eurozone mit besonders \u201edovishen\u201c Zentralbankern zu tun h\u00e4tte.<\/p>\n<h4><strong>3. Finanzmarktdaten<\/strong><\/h4>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Im Anhang zum Geldbrief m\u00f6chte ich auf einige wenige Daten hinweisen, auf die ein regelm\u00e4\u00dfiger Blick lohnt.<\/p>\n<h5><strong>10-Jahres-Zinserwartungen <\/strong><\/h5>\n<p>So wie die Inflationsswapm\u00e4rkte die marktimpliziten Inflationserwartungen anzeigen, zeigen die sogenannten \u201covernight-indexed-swap&#8221;-Renditen die marktimpliziten Zinserwartungen an. Wer einen 10-Jahres-OIS abschlie\u00dft, der muss 10 Jahre lang die unten angef\u00fchrte Swappr\u00e4mie zahlen und erh\u00e4lt daf\u00fcr 10 Jahre lang den jeweils geltenden \u00dcbernachtzins im Interbankenmarkt. OIS-Renditen gelten als die risikofreien Zinsen in einer W\u00e4hrung, da \u00dcbernachtkredite im Interbankenmarkt nicht nur eine minimal kurze Laufzeit haben, sondern auch noch explizit gesetzlich von der Gl\u00e4ubigerbeteiligung im Insolvenzfall ausgeschlossen sind. Des Weiteren werden die Swaps besichert und \u00fcber sogenannte Zentrale Kontrahenten abgewickelt \u2013 ein Ausfall ist durch diese Architektur insoweit ausgeschlossen und die Renditen am Swapmarkt beinhalten entsprechend keine Risikopr\u00e4mie.<\/p>\n<p>Die Zinserwartungen steigen in der Regel an, wenn Makrodaten einen verbesserten wirtschaftlichen Ausblick andeuten, da dann davon ausgegangen wird, dass die Zinsen fr\u00fcher angehoben werden als zuvor erwartet.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2693 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Grafik-6.png\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"333\"><\/strong><\/p>\n<h5><strong>Risikopr\u00e4mien europ\u00e4ischer Staatsanleihen zu den OIS-Zinserwartungen<\/strong><\/h5>\n<p>Die folgende Tabelle zeigt die sogenannten swap spreads an, das hei\u00dft die Differenz zwischen den risikolosen Zinsen aus dem Swapmarkt und den Zinsen f\u00fcr Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Man kann erkennen, dass die Rendite von Bundesanleihen sogar niedriger ist als die risikofreien Zinsen in Euro \u2013 was auf den ersten Blick widersinnig erscheint. Eine m\u00f6gliche Interpretation ist, dass renditeunsensible Investoren (etwa andere Zentralbanken, die W\u00e4hrungsreserven halten oder ihre W\u00e4hrung an den Euro gekoppelt haben) bevorzugt Bundesanleihen kaufen und sich so ein entsprechender Spread bildet. Eine andere Interpretation w\u00e4re, dass die positiven swap spreads eine Art Pr\u00e4mie darstellen, die Investoren zahlen, um im Fall eines Zusammenbruchs der Eurozone ein Wertpapier zu halten, das im Anschluss vermutlich nicht abwerten w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2693 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Grafik-7.png\" alt=\"\" width=\"721\" height=\"334\"><\/strong><\/p>\n<p><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"thn_post_wrap\">\n<hr>\n<h4><strong> Fu\u00dfnoten<\/strong><\/h4>\n<\/div>\n<div class=\"thn_post_wrap\">\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diese Weise wurde etwa die IWF-Position zu Kapitalverkehrskontrollen in Schwellenl\u00e4ndern angepasst. W\u00e4hrend in den 90er-Jahren Kapitalverkehrskontrollen grunds\u00e4tzlich abgelehnt wurden, sind die heutigen Positionen deutlich nuancierter, wie zwei MangerInnen in diesem <a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/why-the-imf-changed-its-views-on-capital-controls\/id1056200096?i=1000501574437\">Podcast<\/a> erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Als &#8220;Falke&#8221; gilt, wer sich eher f\u00fcr eine striktere Geldpolitik einsetzt und tendenziell f\u00fcr h\u00f6here Zinsen argumentiert. Als &#8220;Taube&#8221; gilt, er sich eher f\u00fcr eine lockere Geldpolitik ausspricht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn2\">[3]<\/a> Heinemann, F.\/ Kemper, J.(2021):The ECB Under the Threat of Fiscal Dominance \u2013 The Individual Central Banker Dimension <a href=\"https:\/\/ftp.zew.de\/pub\/zew-docs\/div\/ZEW_Fiscal%20Dominance_20210906.pdf\">https:\/\/ftp.zew.de\/pub\/zew-docs\/div\/ZEW_Fiscal%20Dominance_20210906.pdf<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn3\">[4]<\/a> Wichtig ist auch: Wir behaupten nicht, dass ein Einfluss der Finanzminister nicht vorhanden ist. Wir stellen lediglich fest, dass die ZEW-Studie aufgrund methodischer M\u00e4ngel nicht geeignet ist, die Aussage Prof. Dr. Heinemanns zu st\u00fctzen, nach welcher die Finanzminister im EZB-Rat \u201cmit am Tisch\u201d s\u00e4\u00dfen und die Unabh\u00e4ngigkeit der Notenbank kompromittiert sei.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn2\">[5]<\/a> Besonders offensichtlich wird das, wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, dass die Zinsen in der T\u00fcrkei aktuell bei 19% liegen \u2013 wobei kaum jemand behaupten w\u00fcrde, dass die T\u00fcrkische Zentralbank eine strengere Geldpolitik f\u00e4hrt als die Fed oder das Eurosystem (die Inflation liegt in der T\u00fcrkei liegt ebenfalls bei knapp 20%).<\/p>\n<p><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"thn_post_wrap\">\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em>Der <strong>Dezernats- und der Geldbrief<\/strong> sind unsere Newsletter zu aktuellen \u00f6konomischen Fragen in Deutschland und Europa. \u00dcber Feedback und Anregungen freuen wir uns und erbitten deren Zusendung an florian.kern[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<\/div>\n<hr>\n\n\n<p><strong>Veranstaltungen und Ver\u00f6ffentlichungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Am 7.9 haben wir ein von Henrika Meyer und Philippa geschriebenes Papier zu den Kosten der Dekarbonisierung von 2021 bis 2030 ver\u00f6ffentlicht. Es kommt zu dem Schluss, dass ca. 47 Mrd. Pro Jahr an staatlichen Geldern f\u00fcr die Erreichung der Klimaziele n\u00f6tig sind. Das Papier findet sich <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/ausgaben-fuer-die-dekarbonisierung\/\">hier<\/a>.<\/li><li>Ein am 6.9 ver\u00f6ffentlichter FAZ-Artikel mit dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/deutschlands-finanzpolitik-ausdehnung-der-schuldenbremse-17518068.html\">Schrauben an der Schuldenbremse<\/a>\u201c hat unseren Reformvorschlag (<a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/warum-die-konjunkturkomponente-ihren-zweck-nicht-mehr-erfuellt-analyse-und-ein-reformvorschlag\/\">http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/warum-die-konjunkturkomponente-ihren-zweck-nicht-mehr-erfuellt-analyse-und-ein-reformvorschlag\/<\/a>) f\u00fcr die Konjunkturkomponente erw\u00e4hnt.<\/li><li>Die Diskussion zwischen Philippa und Anja Hajduk (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) zum Thema der Gr\u00fcnen Position zur Schuldenbremse beim Forum New Economy vom 8.9 gibt es jetzt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ubAjwMcS__o\">hier<\/a> zu sehen.<\/li><li>F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/uber-uns\/dgb-heute\/internationale-und-europaeische-gewerkschaftspolitik\/++co++11106fc8-1224-11ec-92cb-001a4a160123\">Sonderausgabe des DGB-Newsletters<\/a> haben Philippa und Pola aufgeschrieben, weshalb es f\u00fcr solide Staatsfinanzen eine Reform des europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt geben muss und Arbeitsmarkt- und Finanzpolitik hierf\u00fcr an einem Strang ziehen m\u00fcssen.<\/li><li>Philippa wurde letzte Woche von <em>The Times<\/em> interviewt f\u00fcr deren Profil von Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Den Artikel findet man <a href=\"https:\/\/www.thetimes.co.uk\/article\/who-is-olaf-scholz-2whsnlblb\">hier<\/a>.<\/li><li>Am 16.9 pr\u00e4sentiert Philippa im Rahmen des j\u00e4hrlichen Einf\u00fchrungsseminars des Mercator Kolleg einen Beitrag zum Thema \u201eZukunftsf\u00e4hige Finanzpolitik: Chancen und Herausforderungen.\u201c.<\/li><li>Florian Kern <a href=\"http:\/\/www.dezernatzukunft.de\/finanzmaerkte-sind-keine-luftballons-wie-sich-die-geldpolitik-auf-vermoegenspreise-auswirkt\/\">erkl\u00e4rt<\/a> in einem 1O1 Text, warum Finanzm\u00e4rkte keine Luftballons sind wie sich Geldpolitik auf Verm\u00f6genspreise auswirkt.<\/li><li>Philippa kommt im <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/f-a-z-oekonomenranking-2021-die-tabellen-17538768.html\">FAZ-\u00d6konomenranking<\/a> in der Kategorie Politik auf Rang 15.<\/li><li>Die Stiftung Open Philantropy, die uns bereits seit 2019 unterst\u00fctzt, wird uns in den kommenden beiden Jahren mit insgesamt 4 Mio. USD unterst\u00fctzen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht um die Zentralbankunabh\u00e4ngigkeit: ZEW-Autoren meinen in einer Studie zum Ergebnis zu kommen, \u201edass die Interessen der nationalen Finanzminister mit am Tisch des EZB-Rats vertreten sind, wenn dort die Entscheidungen \u00fcber die Geldpolitik fallen\u201c. So l\u00e4sst sich Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs \u201eUnternehmensbesteuerung und \u00d6ffentliche Finanzwirtschaft\u201c, in der  des Instituts zur Ver\u00f6ffentlichung der Studie zitieren. Wir zeigen jedoch, dass die Ergebnisse des ZEW stark von methodischen Entscheidungen der Autoren abh\u00e4ngen, die auch anders getroffen werden k\u00f6nnten. Die Aussage Prof. Dr. Heinemanns l\u00e4sst sich also nicht wissenschaftlich begr\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":5453,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[161],"tags":[174,184,60],"class_list":["post-8686","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geldbrief-en","tag-europe","tag-financial-markets","tag-monetary-policy"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Diktatur der Finanzminister oder doch nur ein Rundungsfehler? - Dezernat Zukunft<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Institut f\u00fcr Makrofinanzen\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/diktatur-der-finanzminister-oder-doch-nur-ein-rundungsfehler\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Diktatur der Finanzminister oder doch nur ein Rundungsfehler? 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