{"id":8631,"date":"2022-01-13T17:00:00","date_gmt":"2022-01-13T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=8631"},"modified":"2023-11-28T10:57:03","modified_gmt":"2023-11-28T09:57:03","slug":"ein-guter-ausblick-fur-2022-der-arbeitsmarkt-zieht-auf-seinem-erholungskurs-an-der-jugend-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/ein-guter-ausblick-fur-2022-der-arbeitsmarkt-zieht-auf-seinem-erholungskurs-an-der-jugend-vorbei\/","title":{"rendered":"Ein guter Ausblick f\u00fcr 2022? Der Arbeitsmarkt zieht auf seinem Erholungskurs an der Jugend vorbei"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong><a href=\"mailto:pola.schneemelcher@dezernatzukunft.org\">Pola Schneemelcher<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<h4><strong>Gerechtigkeit f\u00fcr die \u201eGeneration Corona\u201c?<\/strong><\/h4>\n<p>Seit Beginn der Corona-Krise verlaufen deren Effekte auf die Arbeitswelt, wie die Pandemie selbst, <a href=\"https:\/\/www.arbeitsagentur.de\/news\/arbeitsmarkt-2021#:~:text=Mit%202.901.000%20liegt%20die,die%20Arbeitslosenzahl%20um%20475.000%20erh%C3%B6ht.\">in Wellen<\/a>.&nbsp; Insgesamt haben schuldenfinanzierte Brecher wie das Kurzarbeitergeld aber dazu beigetragen, dass diese mit weniger Wucht auf den Arbeitsmarkt getroffen sind, <a href=\"https:\/\/www.iab-forum.de\/iab-prognose-2021-2022-der-arbeitsmarkt-ist-auf-erholungskurs\/\">als anfangs bef\u00fcrchtet<\/a>.<\/p>\n<p>Die gestiegene Arbeitslosigkeit und die umfangreichen staatlichen Hilfspakete haben allerdings weitreichende fiskalische Implikationen: w\u00e4hrend allein das konjunkturelle Kurzarbeitergeld 2020 mit 22,1 Milliarden Euro zu Buche schlug, ermittelte das IAB, dass die <a href=\"https:\/\/www.iab-forum.de\/die-kosten-der-arbeitslosigkeit-sind-2020-um-115-milliarden-euro-gestiegen\/\">Kosten der Arbeitslosigkeit sich 2020 insgesamt auf 62,8 Milliarden Euro beliefen<\/a>. Dennoch: Die Investitionen in konjunkturstabilisierende Arbeitsmarktpolitik zahlen sich bereits aus und so konnte die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) das Jahr 2021 positiv abschlie\u00dfen: \u201e<a href=\"https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Statistikdaten\/Detail\/202112\/arbeitsmarktberichte\/monatsbericht-monatsbericht\/monatsbericht-d-0-202112-pdf.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Der Arbeitsmarkt blieb bis in den Dezember auf seinem Erholungskurs.<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Ob diese positive Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf die Staatsfinanzen, nachhaltig ist, h\u00e4ngt dabei nicht nur vom weiteren Verlauf der Pandemie ab; denn schaut man genauer hin, wird deutlich, dass besonders eine Bev\u00f6lkerungsgruppe von negativen Effekten auf den Arbeitsmarkt betroffen ist: die \u201e<a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/publikationen\/2020\/aufsatz-zeitschrift\/schulschliessungen-fehlende-ausbildungsplaetze-keine-jobs\">Generation Corona<\/a>\u201c (Enzo Weber). Deutschland steht in Sachen Jugendarbeitslosigkeit im EU-Vergleich zwar sehr gut da (vgl. Abb. 1); aber auch hierzulande drohen Langzeitfolgen. Und die sind vor allem fiskalisch von Bedeutung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6951 aligncenter\" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-3-v5.png\" alt=\"\" width=\"802\" height=\"811\"><\/p>\n<p><strong>Abbildung 1<\/strong>: Arbeitslose Jugendliche (15 \u2013 24 Jahre) im Verh\u00e4ltnis zur Erwerbsbev\u00f6lkerung in %, November 2021; Anmerkung: zu Belgien, Kroatien, Zypern, Rum\u00e4nien und Slowenien lagen noch keine Daten vor.<\/p>\n<h4><strong>Jugendarbeitslosigkeit ist <u>auch<\/u> fiskalisch ein Problem<\/strong><\/h4>\n<p>Jugendarbeitslosigkeit ist in zweierlei Hinsicht problematisch. Zun\u00e4chst hat sie oft signifikante Auswirkungen auf den restlichen Verlauf des Erwerbslebens und f\u00fchrt zu einem dauerhaft niedrigeren Einkommen (sog. \u201e<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230125083658\/https:\/\/jamesrockey.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/woundsjan19.pdf\">scarring effects<\/a>\u201c). Wer jung arbeitslos wird, l\u00e4uft also Gefahr, langfristig auf staatliche Transferleistungen angewiesen zu sein und weniger zu verdienen, also auch weniger zum Steueraufkommen beitragen zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig steht unsere Wirtschaft vor gro\u00dfen Herausforderungen, denen wir nur mit einem produktiven Arbeitsmarkt begegnen k\u00f6nnen (mehr dazu <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/eine-neue-deutsche-finanzpolitik\/\">hier<\/a>): Dekarbonisierung und Digitalisierung erfordern gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte, die bereits heute knapp sind \u2013 ein Trend, der sich mit dem demografischen Wandel und dem Ausscheiden geburtenstarker Jahrg\u00e4nge aus dem Berufsleben in Zukunft noch versch\u00e4rfen wird. Junge Menschen aus- und weiterzubilden und anschlie\u00dfend m\u00f6glichst l\u00fcckenlos in den Arbeitsmarkt zu integrieren ist elementar, um diesen Herausforderungen zu begegnen und damit nachhaltig gute Staatsfinanzen zu sichern.<\/p>\n<h4><strong>Junge Menschen sind strukturell benachteiligt \u2013 und w\u00e4hrend Corona noch ein bisschen mehr<\/strong><\/h4>\n<p>Generell sind <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20221221020715\/https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/226380\/1\/1737597519.pdf\">junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt von wirtschaftlichen Abschw\u00fcngen st\u00e4rker betroffen als andere Bev\u00f6lkerungsgruppen<\/a>. Vergangene Krisen haben au\u00dferdem gezeigt, dass auch in einem anschlie\u00dfenden konjunkturellen Aufschwung die <a href=\"https:\/\/www.bruegel.org\/2020\/11\/the-scarring-effect-of-covid-19-youth-unemployment-in-europe\/\">Jugendarbeitslosigkeit meist \u00fcber dem Vorkrisenniveau verbleibt<\/a>. Diese Vulnerabilit\u00e4t ist zum einen darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass junge Erwerbst\u00e4tige im Vergleich zu Menschen im Haupterwerbsalter h\u00e4ufig <strong>befristete Arbeitsvertr\u00e4ge<\/strong> haben (vgl. Abb. 2). Diese werden in wirtschaftlich schwachen Zeiten und den damit einhergehenden Unsicherheiten f\u00fcr Arbeitgeber oftmals nicht verl\u00e4ngert. W\u00e4hrend der Corona-Krise sind <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/RegData\/etudes\/STUD\/2021\/662942\/IPOL_STU(2021)662942_EN.pdf\">Jugendliche in besonderem Ma\u00dfe von diesem R\u00fcckgang befristeter Vertr\u00e4ge betroffen<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6948 aligncenter\" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4.png\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4.png 2339w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-300x256.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-1024x873.png 1024w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-768x655.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-1536x1309.png 1536w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-2048x1746.png 2048w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-100x85.png 100w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-2-v4-1184x1009.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/p>\n<p><strong>Abbildung 2<\/strong>: Befristete Vertr\u00e4ge zur Gesamtzahl der Arbeitnehmer in %, viertelj\u00e4hrlich (jeweils Q3); Anmerkung: befristete Vertr\u00e4ge haben im Laufe der Pandemie <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220127165825\/https:\/\/www.iab-forum.de\/befristungen-im-zweiten-jahr-in-folge-ruecklaeufig\/?pdf=21783)\">insgesamt abgenommen<\/a>, weil sie entweder nicht verl\u00e4ngert wurden oder keine neuen ArbeitnehmerInnen eingestellt wurden.<\/p>\n<p>Zum anderen gehen Wirtschaftskrisen meist mit Einstellungsstopps einher. Jugendliche, die am Ende ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung stehen, sind dann mit einer <strong>geringeren Arbeitskr\u00e4ftenachfrage<\/strong> konfrontiert und bereits der Eintritt in den Arbeitsmarkt bleibt ihnen verwehrt. Ein <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/RegData\/etudes\/STUD\/2021\/662942\/IPOL_STU(2021)662942_EN.pdf\">gro\u00dfer Anteil<\/a> der gestiegenen Arbeitslosenquote unter jungen Menschen w\u00e4hrend der Pandemie ist daher auf Berufsanf\u00e4nger zwischen 15 und 24 Jahren zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>In der Corona-Krise kamen zu der wirtschaftlich prek\u00e4ren Lage noch Kontaktbeschr\u00e4nkungen hinzu: in den hiervon haupts\u00e4chlich betroffenen <strong>Sektoren<\/strong> wie dem Einzelhandel, Gastgewerbe oder Tourismussektor arbeiten <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/RegData\/etudes\/STUD\/2021\/662942\/IPOL_STU(2021)662942_EN.pdf\">\u00fcberproportional viele junge Erwerbst\u00e4tige<\/a>. Dar\u00fcber hinaus haben die Beschr\u00e4nkungen den <strong>Zugang zu sozialpolitischen Ma\u00dfnahmen<\/strong> wie Beratungen begrenzt. <a href=\"https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Statistikdaten\/Detail\/202112\/arbeitsmarktberichte\/monatsbericht-monatsbericht\/monatsbericht-d-0-202112-pdf.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Laut BA<\/a> hat dies dazu gef\u00fchrt, dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsvertr\u00e4ge hinter dem Vorkrisenniveau zur\u00fcckblieb und die Zahl der gemeldeten BewerberInnen st\u00e4rker gesunken ist als die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Junge Menschen werden schlichtweg nicht mehr erreicht.<\/p>\n<h4><strong>Das Ausma\u00df der Jugendarbeitslosigkeit ist schwer zu messen<\/strong><\/h4>\n<p>Der Blick auf die Arbeitslosenquote zeigt, dass junge Menschen zwar stark von den coronabedingten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen waren, sich die Jugendarbeitslosigkeit aber, \u00e4hnlich wie die Arbeitslosigkeit insgesamt, wieder erholen konnte (vgl. Abb. 3). <a href=\"https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Statistikdaten\/Detail\/202112\/arbeitsmarktberichte\/monatsbericht-monatsbericht\/monatsbericht-d-0-202112-pdf.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Laut BA<\/a> sind die Folgen der Corona-Krise jedoch weniger in der gestiegenen Arbeitslosigkeit an sich, mehr in der zunehmenden <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_III\/18.html\">Langzeitarbeitslosigkeit<\/a> (also Menschen, die ein Jahr und l\u00e4nger arbeitslos sind) sichtbar. Und das betrifft gerade Jugendliche: w\u00e4hrend in der Altersgruppe der 25- bis \u00fcber 55-J\u00e4hrigen die Langzeitarbeitslosigkeit 2020 im Vorjahresvergleich um 22,5 % zunahm, waren es bei den 15- bis unter 25-J\u00e4hrigen knapp 60 % (vgl. Abb. 3).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6961 aligncenter\" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1.png\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1.png 2339w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-300x198.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-1024x676.png 1024w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-768x507.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-1536x1013.png 1536w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-2048x1351.png 2048w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-100x66.png 100w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-4-v4-1-1184x781.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/p>\n<p><strong>Abbildung 3<\/strong>: Ver\u00e4nderung zum Vorjahr (September) in %; Quelle: BA<\/p>\n<p>Das tats\u00e4chliche Ausma\u00df der arbeitsmarktrelevanten Auswirkungen der Corona-Krise auf junge Menschen bildet der reine Blick auf die Arbeitslosenquote jedoch nicht ab. Denn neben Jugendlichen, die sich in Aus- und Weiterbildung befinden, tauchen auch die, die zum sogenannten <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/innenpolitik\/arbeitsmarktpolitik\/332647\/uebergangssystem\">\u00dcbergangssystem<\/a> z\u00e4hlen, nicht in der Arbeitslosenquote<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> auf. Als \u00dcbergangssystem werden Ma\u00dfnahmen bezeichnet, die die Chancen von jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt verbessern sollen, jedoch zu keinem berufsqualifizierenden Abschluss f\u00fchren. Dazu z\u00e4hlen zum Beispiel das Nachholen allgemeinbildender Schulabschl\u00fcsse oder auch berufsvorbereitende Praktika. In das \u00dcbergangssystem gelangen meist junge Menschen, die entweder keinen Schulabschluss erworben oder nach dem Schulabgang keinen Ausbildungsplatz erhalten haben. Sie z\u00e4hlen damit nicht als arbeitslos, sind aber besonders gef\u00e4hrdet, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/innenpolitik\/arbeitsmarktpolitik\/332647\/uebergangssystem\">langfristig nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt integrierbar zu sein.<\/a> Anders als bei der Jugendarbeitslosenquote <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20221221020715\/https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/226380\/1\/1737597519.pdf\">hat sich bei den Abg\u00e4ngen in das \u00dcbergangssystem in den vergangenen Jahren wenig getan<\/a>. So hat zum Beispiel der Anteil von Schulabg\u00e4ngerInnen ohne Schulabschluss im \u00dcbergangssystem im Vergleich zu den fr\u00fchen 2000er Jahren stark zugenommen: 2017 waren es 70.000 Schulabg\u00e4ngerInnen, im Vergleich zu 50.000 im Jahr 2014 und 25.000 im Jahr 2003. Auch die Anzahl von jungen Menschen mit Real- und Hauptschulabschluss im \u00dcbergangssystem hat absolut zugenommen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ein Indikator, der versucht, den statistischen Schw\u00e4chen der reinen Arbeitslosenquote entgegenzuwirken, sind die sogenannten <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Glossary:Young_people_neither_in_employment_nor_in_education_and_training_(NEET)\">NEET<\/a> (<em>young people neither in employment nor in education and training<\/em>). Sie umfassen neben den Kurz- und Langzeitarbeitslosen auch junge Menschen, die sonst aus der Arbeitslosenstatistik rausfallen w\u00fcrden, zum Beispiel Wiedereinsteiger, entmutigte ArbeitnehmerInnen oder andere Nichterwerbspersonen. In Deutschland ist die NEET-Rate \u2013 im Vergleich zur Arbeitslosenquote &#8211; im Zuge der Corona-Krise nochmal angewachsen (vgl. Abb. 4).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6946 aligncenter\" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4.png\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4.png 2339w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-300x181.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-1024x617.png 1024w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-768x463.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-1536x926.png 1536w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-2048x1235.png 2048w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-100x60.png 100w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb-1-v4-1184x714.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/p>\n<p><strong>Abbildung 4<\/strong>: NEET und Arbeitslose von 15 bis 24 Jahren im Verh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerung in %<\/p>\n<h4><strong>Diese Entwicklungen sind Gefahr und Chance<\/strong><\/h4>\n<p>Auch wenn Deutschland in Bezug auf Jugendarbeitslosigkeit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut dasteht, stellen die Entwicklung der NEETs und der Langzeitarbeitslosigkeit ein Risiko f\u00fcr die deutsche Wirtschaft dar. Denn die <a href=\"https:\/\/www.iab-forum.de\/weder-faul-noch-resigniert-wie-langzeitarbeitslose-mit-dem-stigma-der-arbeitslosigkeit-umgehen\/\">Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen<\/a> in den Arbeitsmarkt ist deutlich seltener erfolgreich als bei Menschen, die k\u00fcrzer als 12 Monate arbeitslos waren. Hinzu kommen die <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/140497\/Gesundheitliche-Situation-von-langzeitarbeitslosen-Menschen\">psychosozialen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit<\/a>, die die Betroffenen und das Gesundheitssystem belasten.<\/p>\n<p>Engagierte arbeitspolitische Ma\u00dfnahmen wie das Kurzarbeitergeld haben gezeigt, dass ein Staat den Arbeitsmarkt in einer solchen Krise durch schuldenfinanzierte Unterst\u00fctzung vor Schlimmerem bewahren kann. Davon profitieren aber nicht alle. Um der Corona-Krise zu begegnen und gleichzeitig den Arbeitsmarkt f\u00fcr Herausforderungen wie Digitalisierung und Dekarbonisierung zu r\u00fcsten, sind Qualifizierung und das Schaffen von Jobchancen zentral. Jugendliche in Langzeitarbeitslosigkeit k\u00f6nnte man zum Beispiel \u00fcber einen <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007%2Fs10273-020-2676-5\">Bildungsbonus<\/a> erreichen, wie ihn Enzo Weber vorschl\u00e4gt;&nbsp; <a href=\"https:\/\/doku.iab.de\/stellungnahme\/2021\/sn0821.pdf\">tempor\u00e4re Neueinstellungszusch\u00fcsse<\/a> k\u00f6nnten f\u00fcr einen besseren Berufseinstieg sorgen. Das gilt auch f\u00fcr die Ausbildungsaufnahme, die unter anderem durch die <a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/publikationen\/2020\/aufsatz-zeitschrift\/schulschliessungen-fehlende-ausbildungsplaetze-keine-jobs\">\u00dcbernahme von Arbeitnehmerbeitr\u00e4gen und einen Zuschuss zu den Ausbildungskosten<\/a> attraktiver gestaltet werden k\u00f6nnte. Ein voll ausgelasteter, m\u00f6glicherweise durch den Staat befeuerter Arbeitsmarkt, in dem Firmen den ein oder anderen zus\u00e4tzlichen Schritt gehen m\u00fcssen, um Arbeitskr\u00e4fte zu finden, k\u00f6nnte ebenso dazu beitragen, den Einstieg in Ausbildung oder das Berufsleben zu erleichtern. Jugendarbeitslosigkeitsquoten <a href=\"https:\/\/twitter.com\/EU_Social\/status\/1480812472722497538?ref_src=twsrc%5Etfw\">von knapp 40% in Griechenland, sowie knapp 30% in Spanien und Italien<\/a> (vgl. Abb. 1) geben auf der anderen Seite einen Hinweis darauf, welchen Effekt Sparpolitik in wirtschaftlichen Schw\u00e4chephasen f\u00fcr Jugendliche haben kann.<\/p>\n<p>Damit der Arbeitsmarkt langfristig nachhaltig ist und f\u00fcr gute L\u00f6hne und ein w\u00fcrdiges Leben sorgt, sollte man also sowohl auf gezielte Arbeitsmarktinstrumente als auch auf die Kraft des Markts setzen. Voraussetzung daf\u00fcr ist eine gut abgestimmte Politik der Arbeits-, Finanz- und Wirtschaftsressorts, drei Ministerien, die allzu oft als Gegenspieler enden, da die einen sich vor allem um Soziales, die anderen um die Unternehmen und die Dritten prim\u00e4r um das Geldsparen k\u00fcmmern. Die \u201cGeneration Corona\u201d w\u00fcrde sehr davon profitieren, wenn stattdessen alle drei ihren Fokus auf guter Arbeit und nachhaltigem Wohlstand legen. Es w\u00e4re neben allem anderen der echte Beweis, dass die Sache \u00fcber der Parteifarbe steht.<\/p>\n<p>Wir sind hoffnungsvoll und w\u00fcnschen Euch und Ihnen einen guten Start in das Jahr 2022!<\/p>\n<p>Bleibt gesund!<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<hr>\n<h4><strong> Fu\u00dfnoten<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Eurostat unterscheidet hier zwischen <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Youth_unemployment&amp;action=statexp-seat&amp;lang=de#Die_Definition_von_Indikatoren_f.C3.BCr_Arbeitslosigkeit_und_Jugendarbeitslosigkeit\">zwei Arten von Arbeitslosenquoten<\/a>, die <em>youth unemployment rate<\/em> und die <em>youth unemployment ratio<\/em>: Erstere setzt die arbeitslosen Jugendlichen mit der Gesamtzahl der 15- bis 24-J\u00e4hrigen auf dem Arbeitsmarkt ins Verh\u00e4ltnis; Letztere misst dagegen den Anteil arbeitsloser Jugendlicher an der Gesamtzahl der Bev\u00f6lkerung in der Altersklasse 15 \u2013 24 Jahre. Junge Menschen, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verf\u00fcgung stehen, weil sie sich zum Beispiel in einer Ausbildung befinden, fallen aus diesem zweiten Indikator raus.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Lediglich HochschulabsolventInnen konnten ein h\u00f6heres Besch\u00e4ftigungsniveau als noch in den 2000ern verzeichnen.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>Medienbericht 12\/01<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Dominik Leusder hat der Italienischen Zeitung Domani zu Europ\u00e4ischen Fiskalregeln ein Interview gegeben, welches am 23.12 erschien und das Ihr <a href=\"https:\/\/www.editorialedomani.it\/deutschevita\/intervista-alleconomista-leusder-lindustria-italiana-non-e-aperta-alle-novita-f9kpqj7j\">hier<\/a> finden k\u00f6nnt.<\/li>\n<li>Vor Weihnachten hatten wir an dieser Stelle bereits bekannt gegeben, dass wir mit unserem European Macro Policy Network gestartet sind. Neben der F\u00f6rderung von <a href=\"https:\/\/fiscalfuture.de\/\">Fiscal Future e.V.<\/a> haben wir vor Jahresende noch zwei weitere F\u00f6rdervereinbarungen unterzeichnet. Neu mit an Board des EMPN sind das <a href=\"https:\/\/www.plurale-oekonomik.de\/\">Netzwerk Plurale \u00d6konomik e.V.<\/a>, das wir mit insgesamt 127.900 \u20ac f\u00f6rdern werden, sowie das <a href=\"https:\/\/wiiw.ac.at\/\">Wiener Institut f\u00fcr internationale Wirtschaftsvergleiche<\/a>, das F\u00f6rdergelder in H\u00f6he von 487.600 \u20ac f\u00fcr Forschung zu Automatischen Stabilisatoren und dem Arbeitsmarkt erhalten hat.<\/li>\n<li>Am 30.12 erschien in der S\u00fcddeutschen Zeitung ein Artikel mit Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/schuldenbremse-klimaschutz-grundgesetz-1.5499013?reduced=true\">Tricksen f\u00fcr die Zukunft<\/a>\u201c welcher unseren Reformvorschlag f\u00fcr die Schuldenbremse erw\u00e4hnte.<\/li>\n<li>In der aktuellen Ausgabe der Zeit findet sich ein <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2022\/03\/inflation-hans-werner-sinn-philippa-sigl-gloeckner\">Streitgespr\u00e4ch von Hans-Werner Sinn und Philippa<\/a> zu Schulden und Inflation.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Veranstaltungen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Florian Schuster spricht am Dienstag, den 25.01 um 18 Uhr im Rahmen der Ringvorlesung der Rethinking Economics Kiel zur Schuldenbremse. Eine Teilnahme an der Vorlesung ist unter <a href=\"https:\/\/uni-kiel.zoom.us\/j\/65777952864\">diesem Link per Zoom<\/a> m\u00f6glich.<\/li>\n<li>Am 27.01 um 19 Uhr sprechen wir bei unserem Invitation Only Webinar mit Prof. Dr. Achim Truger \u00fcber die Arbeit im Sachverst\u00e4ndigenrates Wirtschaft, dessen Bedeutung und inhaltliche Positionsver\u00e4nderungen des Gremiums in den vergangenen Jahren. Alle weiteren Infos samt Registrierung findet Ihr <a href=\"https:\/\/mailchi.mp\/4394f34fd4ef\/dz-invitation-only-webinar-mit-prof-dr-achim-truger-2701-19-uhr\">hier<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em>Der&nbsp;<strong>Geldbrief<\/strong> ist unser Newsletter zu aktuellen Fragen der Geldpolitik und der Finanzm\u00e4rkte. \u00dcber Feedback und Anregungen freuen wir uns und erbitten deren Zusendung an pola.schneemelcher[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<hr>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gestiegene Arbeitslosigkeit und die umfangreichen staatlichen Hilfspakete haben allerdings weitreichende fiskalische Implikationen: w\u00e4hrend allein das konjunkturelle Kurzarbeitergeld 2020 mit 22,1 Milliarden Euro zu Buche schlug, ermittelte das IAB, dass die Kosten der Arbeitslosigkeit sich 2020 insgesamt auf 62,8 Milliarden Euro beliefen. Dennoch: Die Investitionen in konjunkturstabilisierende Arbeitsmarktpolitik zahlen sich bereits aus und so konnte die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) das Jahr 2021 positiv abschlie\u00dfen: \u201eDer Arbeitsmarkt blieb bis in den Dezember auf seinem Erholungskurs.\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":6912,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[192,17],"tags":[55,181,294,185],"class_list":["post-8631","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archive","category-geldbrief","tag-fiscal-policy","tag-labour-market","tag-ps-en","tag-social-policy"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ein guter Ausblick f\u00fcr 2022? 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