{"id":73796,"date":"2024-04-25T17:01:33","date_gmt":"2024-04-25T15:01:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dezernat-zukunft.org\/?p=73796"},"modified":"2024-05-15T11:50:02","modified_gmt":"2024-05-15T09:50:02","slug":"die-neuen-eu-fiskalregeln-kurz-erklart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dezernatzukunft.org\/en\/die-neuen-eu-fiskalregeln-kurz-erklart\/","title":{"rendered":"Die neuen EU-Fiskalregeln \u2013 kurz erkl\u00e4rt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong><a href=\"mailto:florian.schuster@dezernatzukunft.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Florian Schuster<\/a><\/strong>, Max Krah\u00e9<\/p>\n\n\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: left;\">Das Europ\u00e4ische Parlament hat diese Woche die Reform des Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakts (SWP) verabschiedet. Damit hat die EU endg\u00fcltig neue Fiskalregeln. In diesem Geldbrief tauchen wir in die neuen Vorgaben ein. Wir rekapitulieren den Hintergrund der Reform, erkl\u00e4ren ihre Bestandteile und veranschaulichen mit ersten Zahlen, welche fiskalischen Auswirkungen sie haben k\u00f6nnte. Auch wenn noch nicht im Detail abzusehen ist, wie die Reform die Fiskalpolitik in der EU und einzelnen Mitgliedstaaten beeinflussen wird, gibt es gute Argumente daf\u00fcr, kritisch zu bleiben und die Folgen zu analysieren.<\/p>\n<p>Seit dieser Woche hat die EU neue Fiskalregeln. Das Europ\u00e4ische Parlament hat nach anderthalb Jahren der Debatte und Verhandlungen f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2024\/02\/10\/economic-governance-review-council-and-parliament-strike-deal-on-reform-of-fiscal-rules\/#:~:text=The%20Council%20and%20Parliament%20agreed,%2C%20green%2C%20social%20or%20defence.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kompromiss<\/a> gestimmt, den es im Februar mit dem Rat geschlossen hat. Das Ziel war, die alten Vorgaben des SWP zu vereinfachen und flexibler auszugestalten. Klar ist schon jetzt: Auch die neuen Regeln sind komplex. In diesem Geldbrief versuchen wir, das Dickicht zu entwirren.<\/p>\n<h4><strong>Warum die EU neue Regeln brauchte<\/strong><\/h4>\n<p>Warum war eine Reform des SWP \u00fcberhaupt auf die politische Agenda gelangt? Seit 2020 waren die Regeln wegen der wirtschaftlichen Achterbahnfahrt durch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg ausgesetzt. Ab 2024 wollte man zu ihnen zur\u00fcckkehren. Der SWP in seiner alten Form hatte \u00fcber die Jahre aber einige <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Sigl-Gloeckner-et-al.-2022-A-proposal-for-reforming-the-Stability-and-Growth-pact.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Probleme<\/a> offenbart. F\u00fcr viele Staaten erwiesen sich seine Vorgaben als unpraktikabel und teilweise kontraproduktiv. Denn die Fiskalregeln waren zu einem betr\u00e4chtlichen Teil prozyklisch, forderten unrealistisch harte Einschnitte in hochverschuldeten Staaten und lie\u00dfen kaum Spielraum f\u00fcr wachstumsf\u00f6rdernde Investitionen. Im Effekt hatten die alten Regeln keinen Erfolg bei der Reduktion der Schuldenst\u00e4nde (siehe Abbildung 1). <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/Europa\/prinzipien-fuer-reform-der-eu-fiskalregeln.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-wplink-edit=\"true\">Alle Seiten<\/a> waren sich einig, dass eine Reform notwendig war.<\/p>\n<p><strong>Abbildung 1<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-73770 \" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1.png\" alt=\"\" width=\"755\" height=\"715\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1.png 1600w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1-300x284.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1-1024x970.png 1024w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1-768x728.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1-1536x1455.png 1536w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1-100x95.png 100w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb1_neu_GS-1-1184x1122.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 755px) 100vw, 755px\" \/><\/p>\n<h4><strong>Ma\u00dfgeschneiderte Regeln \u2026<\/strong><\/h4>\n<p>Was steht in den neuen Regeln? Das Wichtigste in K\u00fcrze: Die bekannten Defizit- und Schuldenkriterien von drei bzw. 60 Prozent des BIP gelten weiterhin. Die Regeln f\u00fcr den Weg <em>dorthin<\/em> wurden allerdings gr\u00fcndlich \u00fcberarbeitet. Die Intention der Reform war es, ihn flexibler zu gestalten und individueller an die Rahmenbedingungen jedes Mitgliedstaates anzupassen. So werden beispielsweise das fr\u00fchere mittelfristige Budgetziel, das Zielmarken f\u00fcr den strukturellen Haushaltssaldo vorschrieb, und starre Schuldenreduktionsverpflichtungen durch l\u00e4nderspezifische Vereinbarungen zwischen der EU-Kommission und den nationalen Regierungen ersetzt. Darin werden sowohl Festlegungen f\u00fcr die Entwicklung der Prim\u00e4rausgaben, d. h. Staatsausgaben ohne Zinszahlungen, als auch f\u00fcr Investitions- und Reformvorhaben in einem Anpassungszeitraum von grunds\u00e4tzlich vier Jahren getroffen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die l\u00e4nderspezifischen Vereinbarungen m\u00fcssen sicherstellen, dass ein Land die Grenzwerte f\u00fcr Defizite und Schulden mittelfristig einh\u00e4lt. Konkret hei\u00dft das: Der Schuldenstand des Mitgliedstaates muss unter plausiblen Annahmen und mit einer hinreichend gro\u00dfen Wahrscheinlichkeit sinken oder unter 60 Prozent bleiben, sowohl \u00fcber den Anpassungszeitraum als auch die zehn darauffolgenden Jahre. Au\u00dferdem muss das Budgetdefizit mittelfristig unter die Drei-Prozent-H\u00fcrde fallen. Die Kommission errechnet f\u00fcr jedes Land einen sogenannten Referenzpfad der Schuldenquote, der die beiden Kriterien erf\u00fcllt. Die l\u00e4nderspezifischen Vereinbarungen werden so gew\u00e4hlt, dass der Referenzpfad eingehalten wird.<\/p>\n<p>\u201eZiemlich viel Zukunftsmusik\u201c, k\u00f6nnte man sagen, zumal dabei Vorhersagen \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume gemacht werden. F\u00fcr die Berechnung hat die Kommission ein Tool: die Schuldentragf\u00e4higkeitsanalyse (<em>debt sustainability analysis,<\/em> DSA). Mit ihr projiziert sie die Entwicklung des Schuldenstands unter gewissen Annahmen an Fiskalpolitik, Wirtschaftswachstum, Zinsen und Inflation. Ein Beispiel, wie ihr Ergebnis aussieht, zeigen wir in Abbildung 2. Diese Methodik ist annahmereich und <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/fiskalpolitik-fuer-souveraenitaet-statt-europaeischer-iwf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">problematisch<\/a>.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Ihre Details werden in Zukunft von einer DSA Working Group \u00fcberpr\u00fcft und weiterentwickelt, deren Arbeit wir analytisch eng begleiten werden.<\/p>\n<p>Der Fokus der neuen Regeln liegt also wie schon bei den alten auf der Reduktion von Schuldenst\u00e4nden. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass der Weg zu diesem Ziel nun ma\u00dfgeschneidert wird.<\/p>\n<p><strong>Abbildung 2<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-73765\" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS.png\" alt=\"\" width=\"758\" height=\"721\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS.png 1600w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS-300x285.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS-1024x974.png 1024w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS-768x731.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS-1536x1461.png 1536w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS-100x95.png 100w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240424_GB62_Abb2_vd2_GS-1184x1126.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px\" \/><\/p>\n<h4><strong>\u2026 mit Einschr\u00e4nkungen<\/strong><\/h4>\n<p>Doch ganz so ma\u00dfgeschneidert sind die neuen EU-Fiskalregeln nicht. Denn man hat eine Hand voll numerischer Kriterien in den SWP hineingeschrieben, die f\u00fcr alle L\u00e4nder gleicherma\u00dfen gelten. Allen voran die deutsche Bundesregierung in Gestalt von <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Standardartikel\/Presse\/Namensartikel\/2023\/2023-06-15-reform-der-fiskalregeln.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christian Lindner<\/a> pochte hart auf einheitliche, mit Zahlen unterlegte Zielvorgaben. Drei quantitative Kriterien haben es in den \u00fcberarbeiteten SWP geschafft:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p>Defizit-Benchmark: <span style=\"color: initial;\">L\u00e4nder, deren Budgetdefizit die Drei-Prozent-Grenze \u00fcberschreitet, m\u00fcssen ihr Defizit j\u00e4hrlich um mindestens 0,5 Prozentpunkte zur\u00fcckfahren. Diese Anpassung muss durch eine Senkung des <\/span><em style=\"color: initial;\">strukturellen<\/em><span style=\"color: initial;\"> Defizits erbracht werden.<\/span><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><span style=\"color: initial;\"> Als nicht erf\u00fcllt gilt sie dagegen, wenn allein eine gute Konjunktur das Gesamtdefizits senkt. In Euro ausgedr\u00fcckt, w\u00fcrde die Vorgabe z. B. bedeuten, dass Deutschland sein Defizit in einem Jahr um 20 Mrd. Euro reduzieren m\u00fcsste. Zur Erinnerung: Ende 2023 musste die Bundesregierung ein Haushaltsloch von nur 12 Mrd. schlie\u00dfen \u2013 Anfang Januar waren die Bauern auf den Traktoren und die Stra\u00dfen blockiert. Ein Kinderspiel ist die Einhaltung des Defizit-Benchmarks also nicht.<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li><em>Schuldentragf\u00e4higkeits-Safeguard: <\/em>Er soll sicherstellen, dass die Schuldenreduktion schnell und umfassend genug erfolgt. Man hat sich auf unterschiedliche Vorgaben je nach H\u00f6he des Schuldenstands geeinigt. L\u00e4nder mit Schuldenquoten jenseits von 90 Prozent sind verpflichtet, sie um durchschnittlich einen Prozentpunkt pro Jahr des Anpassungszeitraums zu reduzieren. Liegen die Schulden dagegen zwischen 60 und 90 Prozent des BIP, ist ein halber Prozentpunkt pro Jahr ausreichend.\n<p>Wichtig ist, dass der Schuldentragf\u00e4higkeits-Safeguard dem Defizit-Benchmark nachgeordnet ist. Die numerische Vorgabe greift also erst dann, wenn das Defizit unter die Schwelle von drei Prozent gedr\u00fcckt wurde und folglich kein Defizitverfahren l\u00e4uft. Das erleichtert es hochverschuldeten Staaten, die neuen Regeln einzuhalten. Vorher mussten Staaten ihren Schuldenstand pro Jahr um ein Zwanzigstel reduzieren. In Italien w\u00e4ren das dieses Jahr ganze sieben Prozentpunkte gewesen. Die neue Vorgabe von einem Prozentpunkt erscheint im Vergleich wesentlich realistischer.<\/p>\n<\/li>\n<li><em>Defizitresilienz-Safeguard:<\/em> Das Ziel der Defizitresilienzvorgabe ist, einen fiskalischen Puffer f\u00fcr wirtschaftliche Schw\u00e4chephasen aufzubauen. Das strukturelle, d. h. konjunkturbereinigte, Defizit sollte demnach einen Wert von 1,5 Prozent des BIP nicht \u00fcberschreiten. Tut es das doch, ist der Mitgliedstaat verpflichtet, es um 0,4 Prozentpunkte bis zum Erreichen der Schwelle zur\u00fcckzufahren.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/li>\n<\/ol>\n<h4><strong>Neu ist nicht gleich lax<\/strong><\/h4>\n<p>Man kann also festhalten: Die neuen Regeln, auch die numerischen Kriterien, sind in der Tat flexibler und lockerer als die alten. Das bedeutet aber nicht, dass sie die Haushaltsspielr\u00e4ume in den Mitgliedstaaten nicht doch erheblich einschr\u00e4nken. Die tats\u00e4chlichen Auswirkungen der Reform h\u00e4ngen letztendlich von der Strenge ihrer Anwendung ab. Was sich bereits sagen l\u00e4sst, ist: Der reformierte SWP ist alles andere als lax.<\/p>\n<p>Darauf weisen erste Zahlen des Br\u00fcsseler Think Tanks Bruegel hin, der den fiskalischen Anpassungsbedarf f\u00fcr alle Mitgliedstaaten nach der Einigung im Rat berechnet hat (siehe Abbildung 3).<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Die Anpassungen, die sich ergeben, sind zum Teil enorm. So m\u00fcssen beispielsweise die Slowakei, Belgien, Italien und Rum\u00e4nien (bei einem vierj\u00e4hrigen Anpassungszeitraum) ihr strukturelles Prim\u00e4rdefizit j\u00e4hrlich um mehr als einen Prozentpunkt ihres BIP reduzieren. F\u00fcr Italien bedeutet dies j\u00e4hrliche Einschnitte von mehr als 20 Mrd. Euro. Auch die <a href=\"https:\/\/eeb.org\/library\/support-public-investments-for-a-stronger-more-resilient-and-sustainable-economy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fiscal Matters Coalition<\/a> hat erst k\u00fcrzlich ausgerechnet, dass die neuen Regeln Einsparungen erforderlich machen, die keine ausreichenden Investitionsspielr\u00e4ume lassen.<\/p>\n<p><strong style=\"color: initial;\">Abbildung 3<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-73767\" src=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE.png\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"672\" srcset=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE.png 1600w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE-300x269.png 300w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE-1024x918.png 1024w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE-768x688.png 768w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE-1536x1377.png 1536w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE-100x90.png 100w, https:\/\/dezernatzukunft.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240418_GB62_Abb3_KE-1184x1061.png 1184w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/p>\n<p>Unser Fazit: Die Reform des SWP ist der Versuch eines Paradigmenwechsels im europ\u00e4ischen Fiskalregelwerk: weg von starren Universalregeln, hin zu einem l\u00e4nderspezifischen Ansatz. Auf dem Papier ist dieser Wechsel mit Einschr\u00e4nkungen gelungen. Wie er sich auf Investitionen, Schuldentragf\u00e4higkeit und die wirtschaftliche Entwicklung auswirkt, ist noch unklar. F\u00fcr die konkreten Anpassungsbedarfe wird insbesondere wichtig sein, wie viele der Staaten versuchen werden, durch Reformen und Investitionen den Anpassungszeitraum von vier auf sieben Jahren zu verl\u00e4ngern, und wie hoch die Kommission und der Rat die H\u00fcrde daf\u00fcr h\u00e4ngen werden.<\/p>\n<p>Grund dazu, kritisch zu bleiben, gibt es aber. Denn auch die neuen Regeln beurteilen Schuldentragf\u00e4higkeit allein auf Basis arbitr\u00e4rer Schulden- und Defizitquoten. Und die Anpassungsbedarfe, die sich aus DSA und Safeguards ergeben, engen den Raum f\u00fcr notwendige Investitionen sp\u00fcrbar ein. Wir werden das weiter analysieren. Stay tuned!<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong style=\"font-size: revert; color: initial;\">Unsere Leseempfehlungen:<\/strong><span style=\"font-size: revert; color: initial;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Der Think Tank Bruegel hat in diesem <a href=\"https:\/\/www.bruegel.org\/sites\/default\/files\/2023-09\/WP%2016_3.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papier<\/a> die quantitativen Implikationen der neuen EU-Fiskalregeln ausgewertet. Dar\u00fcber hinaus beschreibt er im Detail ihre einzelnen Bestandteile. Auch wenn die Publikation noch vor der Einigung im Rat und zwischen Rat und Parlament erschienen ist, gibt sie einen guten \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Elemente der Reform und ihrer Auswirkungen auf Fiskalpolitik in Europa.<\/li>\n<li>Age Bakker, Roel Beetsma und Marco Buti werfen in einem neuen <a href=\"https:\/\/www.intereconomics.eu\/contents\/year\/2024\/number\/2\/article\/investing-in-european-public-goods-while-maintaining-fiscal-discipline-at-home.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papier<\/a> einen Blick nach vorn und skizzieren einen Weg, wie Europa im Einklang mit seinen neuen Fiskalregeln die notwendigen Investitionen unserer Zeit finanzieren kann. Sie sprechen sich darin f\u00fcr einen Nachfolgefonds f\u00fcr Next Generation EU aus und zeigen auf, wie er mit der Anwendung des reformierten SWP verwoben werden kann.<\/li>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h4><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/h4>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Anpassungszeitraum kann auf sieben Jahre verl\u00e4ngert werden, wenn ein Land plausibel darlegt, dass es Investitions- und Reformanstrengungen unternimmt, die den politischen Priorit\u00e4ten der EU entsprechen sowie Wachstum, Resilienz und nachhaltige Staatsfinanzen unterst\u00fctzen. Ausgaben f\u00fcr die nationale Kofinanzierung von EU-Programmen werden sogar ganz aus den l\u00e4nderspezifischen Vereinbarungen ausgenommen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> So nimmt ihre <a href=\"https:\/\/economy-finance.ec.europa.eu\/document\/download\/e3a23fba-1402-4cc9-b571-7473b5e7842a_en?filename=ip271_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuelle Ausgestaltung<\/a> an, dass \u00f6ffentliche Ausgaben generell einen Fiskalmultiplikator von 0,75 haben, egal ob Investition, rezessionsbedingt oder w\u00e4hrend eines Booms.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> F\u00fcr einen \u00dcbergangszeitraum bis 2027 kann diese Vorgabe stattdessen in Form des strukturellen <em>Prim\u00e4r<\/em>defizits erbracht werden, was einfacher ist, da eventuell steigende Zinskosten dann nicht an anderer Stelle eingespart werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Im Falle eines ausgedehnten Anpassungszeitraums von sieben Jahren liegt die Reduktionsverpflichtung bei 0,25 Prozent des BIP.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Die leichten Ab\u00e4nderungen des Kompromisses zwischen Rat und Parlament sind hier noch nicht ber\u00fccksichtigt, d\u00fcrften sich aber nur unwesentlich auf die ermittelten Anpassungsbedarfe auswirken.<\/p>\n<hr \/>\n<h4><strong>Medien- und Veranstaltungsbericht 25.04.2024<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li><strong>Medienerw\u00e4hnungen und Auftritte<\/strong>\n<ul>\n<li>Am 19.03.24 wurde das Buch \u201e<a href=\"https:\/\/www.versobooks.com\/products\/3080-democratizing-the-corporation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Democratizing the Corporation: The Bicameral Firm and Beyond<\/a>\u201d ver\u00f6ffentlicht, worin Max mit einem Kapitel vertreten ist.<\/li>\n<li>Am 02.04.24 befasste sich der Podcast <a href=\"https:\/\/link.chtbl.com\/nfTtmhUa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sea Change<\/a> mit der deutschen LNG-Politik und Felix war hierzu mit den Moderatorinnen im Gespr\u00e4ch.<\/li>\n<li>Am 04.04.24 hat die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/buecher\/schriftenreihe\/547058\/geldpolitik-im-umbruch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/a> einen Sammelband zum Thema \u201eGeldpolitik im Umbruch\u201c ver\u00f6ffentlicht, worin Florian Kern mit einem Beitrag vertreten ist. Er erkl\u00e4rt darin, wie Seignorage funktioniert und wer von welchem Geldstandard wie profitiert.<\/li>\n<li>Am 09.04.24 war Florian Schuster zu einer Anh\u00f6rung des Hauptausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses eingeladen und hat sich dort zur Reform der Schuldenbremse ge\u00e4u\u00dfert. Die Sitzung kann <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q40EFP67vpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> angesehen werden.<\/li>\n<li>Am 10.04.24 berichtete die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Berliner-Anhoerung-zur-Schuldenbremse\/!6000678\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">taz<\/a> \u00fcber die Ausschusssitzung und zitiert Florian Schuster.<\/li>\n<li>Am 14.04.24 kam Felix im Podcast <a href=\"https:\/\/climate-gossip.podigee.io\/19-neue-folge-18\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Climate Gossip<\/a> mit einem Beitrag zu den Haushaltsverhandlungen vor.<\/li>\n<li>Am 15.04.24 wurde Felix in <a href=\"https:\/\/www.endseurope.com\/article\/1868422\/analysis-divisions-germanys-ruling-coalition-disrupting-key-eu-green-files\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ends Europe<\/a> zur Klimapolitik zitiert.<\/li>\n<li>Am 19.04.24 wurde Florian Schuster im schwedischen Magazin <a href=\"https:\/\/www.flamman.se\/eus-budgetregler-kan-omojliggora-klimat-och-valfardsmal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flamman<\/a> zur anstehenden Verabschiedung der EU-Fiskalregeln zitiert.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Veranstaltungen<\/strong><\/li>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Heute Abend, am 25.04.24, findet um 18 Uhr unser <a href=\"https:\/\/dezernatzukunft.org\/events\/open-house-webinar-mit-andrea-nahles\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Webinar zur aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt<\/a> statt. Als Gast begr\u00fc\u00dfen wir Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit. Gemeinsam m\u00f6chten wir auf das Paradoxon am Arbeitsmarkt blicken. Auf der einen Seite sehen wir einen anhaltenden Fachkr\u00e4ftemangel, auch aufgrund des demographischen Wandels. Gleichzeitig lesen wir von Entlassungen im gro\u00dfen Stil \u2014 zuletzt 2000 Stellen bei Vodafone Deutschland \u2014 sowie sich verfestigender Arbeitslosigkeit. Wie erkl\u00e4rt sich das? Hier geht es zur Anmeldung.<\/li>\n<li>Am 14.05.24 nimmt Philippa an der Veranstaltung \u201e<a href=\"https:\/\/www.agora-verkehrswende.de\/veranstaltungen\/was-kostet-die-verkehrswende\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Was kostet die Verkehrswende<\/a>\u201c von Agora Verkehrswende teil. Dort wird eine Studie \u00fcber die volkswirtschaftlichen Kosten auf dem Weg zur Klimaneutralit\u00e4t im Verkehr vorgestellt und diskutiert. Weitere G\u00e4ste sind Dr. Jens Burchardt, Managing Director &amp; Partner, Boston Consulting Group (BCG), Alexander M\u00f6ller, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer \u00d6PNV, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Dr. Daniel R\u00f6mer, Senior Economist, KfW Research.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"executivesum\" style=\"border-left: 8px solid #ee6174; text-align: center;\"><em><i data-stringify-type=\"italic\">The\u00a0<b data-stringify-type=\"bold\">Geldbrief<\/b>\u00a0is our newsletter on current developments in economic, fiscal, and monetary policy. We appreciate your feedback and suggestions. Send it to<\/i> florian.schuster[at]dezernatzukunft.org<\/em><\/p>\n<hr \/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Europ\u00e4ische Parlament hat diese Woche die Reform des Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakts (SWP) verabschiedet. Damit hat die EU endg\u00fcltig neue Fiskalregeln. In diesem Geldbrief tauchen wir in die neuen Vorgaben ein. Wir rekapitulieren den Hintergrund der Reform, erkl\u00e4ren ihre Bestandteile und veranschaulichen mit ersten Zahlen, welche fiskalischen Auswirkungen sie haben k\u00f6nnte. 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